Was der Entscheid des Fed für die Schweiz bedeutet

Überraschend pumpt die US-Notenbank weiterhin Milliarden in die Wirtschaft. Das hat direkte Folgen für die Schweiz: Betroffen sind vor allem Immobilienbesitzer und Mieter.

Die Mieten werden sinken: Wohnungsbesichtigung (Archivbild).

Die Mieten werden sinken: Wohnungsbesichtigung (Archivbild). Bild: Keystone

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Jan Amrit Poser, Chefökonom der Bank J. Safra Sarasin, bringt es auf den Punkt. Er rechnet nach dem neusten Entscheid der US-Notenbank mit einer Entspannung im Hypothekarmarkt. Nach seinem Dafürhalten sind die Markterwartungen in Bezug auf das Bremsmanöver des Fed zu weit gegangen. Denn, so Poser, «aufgrund der hohen Verschuldung kann sich die Wirtschaft in den USA keinen Zinsanstieg leisten». Auch Christian Gattiker, Leiter Research bei der Bank Julius Bär, geht davon aus, dass der Entscheid der US-Notenbank zu einem Zinsrückgang in der Schweiz führt. Das hat nicht unerhebliche Auswirkungen für den hiesigen Immobilienmarkt. Denn erstens werden für die Hausbesitzer die Hypothekarzinsen in nächster Zeit eher tiefer, zweitens werden dadurch die Mieten eher sinken, und drittens werden die Häuserpreise in der Schweiz dadurch eher steigen.

Wer Aktien hat, darf sich freuen

Die Frage bleibt: Ist dies alles nur ein Strohfeuer? Längerfristig rechnet auch Gattiker mit einer Erhöhung der Zinsen. Mit Blick auf die nächsten 12 Monate veranschlagt er die Rendite 10-jähriger Bundesobligationen auf 1,5 Prozent, womit sie wieder den Stand der Krisenjahre 2008/09 erreicht hätte.

Die Hypothekarzinsen werden sich diesem Trend zwar nicht entziehen, dennoch bezweifelt Gattiker, ob angesichts der in den USA weiterhin vorherrschenden Lockerung der Zinspolitik der Moment ist, aus den kurzfristigen Libor-Hypotheken auszusteigen. Dies wurde von Experten und von den Banken in letzter Zeit propagiert. Aus heutiger Sicht würde Gattiker zuwarten. Auch wer Aktien hat, wird sich freuen. An der Börse kennt die Begeisterung über den Fed-Entscheid kaum Grenzen. «Keine Drosselung!», kommentierte Investmentstratege Brad McMillan von Commonwealth Financial den Paukenschlag. «Der Markt liebt das!» McMillan erläuterte, kurzfristig sei es zwar positiv, dass das Fed nicht weniger Geld in die Wirtschaft pumpe. Zugleich werde deutlich, dass das Fed die konjunkturelle Erholung skeptischer sehe als viele andere.

«Wir waren übertrieben optimistisch», räumte Fed-Chef Ben Bernanke in der Pressekonferenz nach der Notenbank-Sitzung ein. Er machte deutlich, dass das Fed die Wirtschaft noch nicht für robust genug hält, um ihre monatlichen Wertpapierankäufe über 85 Milliarden Euro langsam zurückzufahren. Ob die Zentralbank noch in diesem Jahr damit beginnen könnte, liess er offen.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte ging knapp ein Prozent höher mit fast 15'677 Punkten aus dem Handel. Der breiter gefasste S&P 500 stieg um 1,2 Prozent auf rund 1726 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gewann ein Prozent auf nahezu 3784 Punkte. Die US-Währung verlor deutlich an Wert. Der Euro stieg auf 1.3514 Dollar. Auch US-Staatsanleihen legten kräftig zu.

Euphorie in Südamerika

Besonders euphorisch reagierten die Aktienmärkte in Südamerika. Der ­MSCI-Index für Aktien in Lateinamerika schoss fast vier Prozent in die Höhe. Auch die Kurse des brasilianischen Real und des mexikanischen Peso zogen erheblich an.

Investoren zeigten sich erleichtert, dass das Fed an ihrer ultralockeren Geldpolitik noch auf unbestimmte Zeit festhält. In den vergangenen Monaten sorgte allein die Erwartung einer Drosselung in den USA für massive Kapitalabflüsse aus Schwellenländern. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 19.09.2013, 06:52 Uhr)

Rechnet mit einer Entspannung im Hypothekarmarkt: Jan Amrit Poser, Chefökonom der Bank J. Safra Sarasin.

Die Frage bleibt: Ist dies alles nur ein Strohfeuer? Längerfristig rechnet er mit einer Erhöhung der Zinsen: Christian Gattiker, Leiter Research bei der Bank Julius Bär.

Für die Hausbesitzer werden die Hypothekarzinsen in nächster Zeit eher tiefer.

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