Wirtschaft

Was zählen die guten Resultate?

Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 13.07.2010 3 Kommentare

In den USA ist die Berichtsaison angelaufen. Für das zweite Quartal wird noch einmal ein starkes Gewinnwachstum erwartet. Doch was wirklich interessiert ist, wie die Firmen ihre Zukunft einschätzen.

«Schon wieder?»

«Schon wieder?»
Bild: Luojie, China Daily/Cagle.com

Wer diese Woche präsentiert

Nach Alcoa folgt heute der Chiphersteller Intel mit seinen Ergebnissen. Google als führender Anbieter von Internetdienstleistungen folgt am Freitag. Mit JPMorgan Chase (am Donnerstag) und Citigroup (am Freitag) kommen auch Grossbanken zum Zug und mit General Electric der weltgrösste Elektrotechnikonzern (am Freitag). In der Schweiz machen mit SGS und Novartis am Donnerstag die ersten Grosskonzerne den Auftakt, so richtig los geht es hier erst in der nächsten Woche.

Mit der Präsentation der Halbjahreszahlen hat der Aluminiumkonzern Alcoa die sogenannte Reporting Season in den USA eröffnet. Die Zahlen der international tätigen Konzerne in den USA geben Auskunft über das Befinden in den wichtigsten Branchen weltweit. Die Daten der laufenden Woche machen schon vieles klar.

Nicht nur an den Börsen weltweit ist man gespannt, wie die Zahlen der US-Firmen in der laufenden Woche ausfallen und welche Prognosen die Unternehmen selber stellen. Die Präsentationen liefern auch Hinweise darauf, wie es mit der wirtschaftlichen Erholung weitergeht. In den letzten Wochen ist die Angst vor einer erneuten Rezession deutlich gewachsen, was sich in drastisch fallenden Aktienkursen niedergeschlagen hat. Erst in den letzten Tagen ist wieder etwas Zuversicht zurückgekehrt. Doch die Aktienkurse liegen noch immer mehr als 10 Prozent unter dem letzten Hoch von Mitte April.

Ernüchternde Lehre aus der Vergangenheit

Ob die Daten enttäuschen oder nicht, hängt von den Erwartungen ab. Von Alcoa beispielsweise wurde eine deutliche Verbesserung des Ergebnisses erwartet, das der Aluminiumkonzern noch zu übertreffen vermochte. Im ersten Quartal hatte er Verluste geschrieben, im zweiten erwirtschaftete er einen Gewinn pro Aktie von 0,13 Dollar – die Analysten haben gemäss einer Umfrage von «Thomson Financial» nur 0,12 Dollar erwartet. In absoluten Zahlen beläuft sich der Gewinn auf 136 Millionen Dollar. Für das gesamte Halbjahr verbleibt nach wie vor ein Verlust von 65 Millionen.

Die Erwartungen für die Ergebnisse aller US-Unternehmen sind hoch. Laut der Zürcher Kantonalbank (ZKB) rechnen die Analysten insgesamt mit einer Gewinnsteigerung von 34,4 Prozent gemessen am «S&P-500»-Index. Im ersten Quartal sind die Gewinne bereits um 53,4 Prozent gestiegen. Die ZKB rechnet überdies damit, dass diese Erwartungen noch übertroffen werden, immerhin sei das auch während der letzten fünf Quartale der Fall gewesen. Doch der Blick in die Vergangenheit kann auch ernüchternd ausfallen. Laut einer Untersuchung des Beratungsunternehmens McKinsey haben die Analysten im Durchschnitt ihre Gewinnerwartungen während den letzten 25 Jahren immer zu hoch angesetzt. Doch selbst die Optimisten gehen davon aus, dass sich das Gewinnwachstum immer mehr abschwächt und sich für das gesamte Jahr 2011 noch auf 17,8 Prozent beläuft.

Die Aussagen zur Zukunft zählen

Überhaupt sind die Marktbeobachter mehr noch als an den Zahlen zum letzten Quartal an den Aussagen interessiert, die die Unternehmen für die nächste Zukunft machen. Das liegt auch daran, dass die Unternehmen weltweit von so genannten Lagereffekten stark profitiert haben. Weil die Unternehmen im Zuge des Aufschwungs ihre nach der Krise weitgehend geleerten Lagen wieder auffüllen, haben sie weit mehr nachgefragt, als es die Endabnehmer auf den Märkten getan haben. Genau das Umgekehrte ist nach dem Höhepunkt der Krise passiert, als die Unternehmen zuerst ihre Lager ausverkauft haben, was die Produktion vorerst vollkommen einbrechen liess. Die Wachstumsraten der letzten Monate sind daher jetzt genauso wenig nachhaltig, wie es damals der Einbruch war.

Grund zur Skepsis über die Entwicklung der nächsten Quartale liefern auch die sogenannten Leading Indicators, mit denen frühe Konjunkturindikatoren wie Konsumentenerwartungen, Auftragseingänge und die Entwicklung der Geldmenge und der Aktienkurse gemessen werden. Ein Vergleich über die letzten 20 Jahre zeigt, dass die Gewinnerwartungen sich eng an die Veränderungen der Leitindikatoren anlehnen. Der Index ist im April und im Mai im Vergleich zu den Vormonaten kaum mehr angestiegen. Die ZKB rechnet damit, dass die Gewinnerwartungen der Unternehmen in den nächsten Monaten gesenkt werden. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.07.2010, 13:22 Uhr

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3 Kommentare

Eric Kaufmann

13.07.2010, 13:47 Uhr
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Bitte vergesst nicht, dass die Gewinnprognosen von Alcoa innerhalb des letzten Monats sagenhafte 12x nach unten korrigiert wurden. Kein Wunder wurder so die Erwartungen übertroffen! Aber das kriegt die breite Öffentlichkeit nicht mit über. Antworten


Sibylle Weiss

13.07.2010, 15:56 Uhr
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Die Firmen haben mehr nachgefragt, weil sie ihre Lager wieder auffüllten.Schön; aber es wird ein winziges Detail, nämlich der Endabnehmer, vergessen, der schlussendlich über die endgültige Nachfrage entscheidet. Es ist immer besser, die Lager basierend auf der Nachfrage der Endabnehmer zu füllen, als nachher auf der Ware sitzen zu bleiben, was logischerweise zu weniger Einnahmen führen muss! Antworten



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