Wer den Tourismus vor Schlimmerem bewahrte

Die Schweizer Touristiker legen schlechte Zahlen vor. Doch zwei Gästesegmente konnten die Bilanz einigermassen retten.

Der Tourismus bekommt die Aufgabe des Euro-Mindestkurs zu spüren: Passanten in Gstaad (30. Dezember 2015).

Der Tourismus bekommt die Aufgabe des Euro-Mindestkurs zu spüren: Passanten in Gstaad (30. Dezember 2015). Bild: Keystone

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Die Schweizer Hoteliers haben vergangenes Jahr 0,8 Prozent weniger Gäste willkommen geheissen. Grund war die Frankenstärke. Die Zahl der Gäste aus Europa war so tief wie seit 1958 nicht mehr.

Insgesamt zählten die Hotels 35,6 Millionen Logiernächte, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) am Dienstag mitteilte. Auf die ausländischen Gäste entfielen dabei 19,6 Millionen Übernachtungen, ein Minus von 1,7 Prozent. Demgegenüber steht die Treue der Schweizerinnen und Schweizer zum Heimatland. Die Logiernächte der Einheimischen stiegen leicht um 0,2 Prozent auf 16,1 Millionen.

Besonders deutlich gab die Nachfrage aus Europa nach. Die Zahl der Übernachtungen sank um 9,3 Prozent. Das BFS führt das klar auf die Auswirkungen der Aufhebung des Euro-Mindestkurses Mitte Januar 2015 zurück.

Europa generierte noch 11,8 Millionen Übernachtungen, so wenig wie seit 1958 nicht mehr. Die deutlichste Abnahme verbuchte dabei Deutschland mit 541'000 Logiernächten oder 12,3 Prozent. Deutlich zurück ging auch die Nachfrage aus den Niederlanden (-14,4%), Frankreich (-6,2%), Italien (-7,6%) und Belgien (-9,5%).

Auch Russland wies wegen der Ukraine-Krise und der trüben Wirtschaftslage eine deutliches Minus von 30,7 Prozent aus. Aus dem vereinigten Königreich ging die Nachfrage um 1,6 Prozent zurück.

Asiaten retten die Bilanz

Dass die Bilanz nicht allzu trübe ausfällt, ist den Gästen aus Asien zu verdanken. Ihre Zahl steigt bereits seit 2009 stark an. Mit einem Zuwachs um 18,6 Prozent erreichten die Logiernächte von Asiatinnen und Asiaten 2015 einen neuen Höchststand und überschritten erstmals die Schwelle von 4 Millionen.

Am stärksten war die absolute Zunahme mit 344'000 Übernachtungen oder 33,3 Prozent bei den Gästen aus China ohne Hongkong. Es folgten die Golfstaaten mit einer Zunahme um 20,6 Prozent oder 159'000 Logiernächten. Zunahmen gab es zudem bei den Gästen aus Indien (22%) und Südkorea (20,5%). Die Übernachtungen von Gästen aus Japan sanken hingegen um 10,3 Prozent.

Die Logiernächte aus dem amerikanischen Kontinent legten um 4,7 Prozent zu. Afrika (7,5%) und Ozeanien (3,4%) verzeichneten ebenfalls ein Wachstum.

Weniger lang im Land

Die Dauer der Aufenthalte sank 2015. Die Gäste verbrachten durchschnittlich noch 2 Nächte in einem Schweizer Hotel nach 2,1 im Vorjahr. Die Zimmerauslastung belief sich auf 51,5 Prozent nach 52 Prozent 2014.

Sieben von 14 Tourismusregionen verbuchten einen Rückgang, Graubünden den stärksten. Die städtischen Destinationen, Luzern und das Berner Oberland konnten hingegen zulegen.

Allein auf den Monat Dezember gesehen, zeigte sich ein markanter Rückgang. Gegenüber dem Vorjahr registrierten die Hotels mit 2,5 Millionen 5,6 Prozent weniger Übernachtungen als im Vorjahr. Dabei sank die Zahl der ausländischen Logiernächte um 9,1 Prozent und jene der Schweizer um 1,4 Prozent. Das Bundesamt führt die ungünstigen Schneeverhältnisse als Grund an. (kko/sda)

(Erstellt: 23.02.2016, 10:57 Uhr)

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