Wirtschaft

Wie Spekulanten der Wall Street vom US-Schuldenstreit profitieren wollen

Aktualisiert am 22.07.2011 6 Kommentare

Die Banker der Wall Street bereiten sich auf den «Tag X» vor. Offenbar entwerfen sie bereits Pläne, für den Fall, dass es im US-Schuldenstreit zu keiner Einigung kommt. Einer davon scheint für sie ganz profitabel.

Im Zentrum des drohenden Sturms: Ein Strassenschild der Wall Street vor der New Yorker Börse.

Im Zentrum des drohenden Sturms: Ein Strassenschild der Wall Street vor der New Yorker Börse.
Bild: Keystone

Ratingagentur droht USA mit Herabstufung

Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat den USA wegen des anhaltenden Streits um die Anhebung der Schuldengrenze mit einer Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit gedroht. Washington könne innerhalb der nächsten drei Monate seine Bestnote «AAA» verlieren, teilte S&P mit. Die Wahrscheinlichkeit für eine Herabstufung betrage mehr als 50 Prozent. Seit der ersten Warnung vor einer Verschlechterung der Bonität im April habe sich die Lage der USA noch verschärft.(dapd)

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Die Ungewissheit im US-Schuldenstreit macht Wall Street nervös. Laut einem Bericht der «New York Times» überlegen sich Banker und Spekulanten bereits Planspiele, wie sie darauf reagieren könnten, wenn sich die Regierung und die Opposition in Washington bis zum Stichtag 2. August nicht auf eine Erhöhung der Schuldenobergrenze einigen sollten. Dann droht die Zahlungsunfähigkeit der USA. Ein Durchbruch in der seit Monaten schwelenden Krise war heute in Washington noch immer nicht in Sicht.

«Wenn auch viele an der Wall Street glauben, dass eine Zahlungsunfähigkeit unwahrscheinlich ist, beginnen die Finanzmärkte unruhig zu werden», schreibt die «New York Times». So versuchten Geldinstitute etwa das Risiko für US-Staatsanleihen im Falle eines Scheiterns abzuschätzen – allgemein gelten US-Staatsanleihen gerade in Krisenzeiten als sicherste Geldanlagen.

Folgen für die globale Wirtschaft

Zugleich würden an der Wall Street aber auch bereits über Wege nachgedacht, wie aus der Schuldenkrise Profit geschlagen werden könnte. Hedgefonds würden schon Bargeld horten, um US-Schulden aufzukaufen, falls andere Investoren aus solchen Werten die Flucht ergreifen sollten.

Mehrere Ratingagenturen hatten bereits vor schweren Konsequenzen bis hin zur Herabstufung der US-Kreditwürdigkeit gewarnt, falls das Schuldenlimit von 14,3 Billionen Dollar nicht rechtzeitig erhöht wird. Experten fürchten für einen solchen Fall unkalkulierbare Folgen für die globale Wirtschaft.

Poker trotz «tickender Uhr»

Trotz der «tickenden Uhr» scheinen sich Regierungslager und Opposition noch nicht wirklich näher gekommen zu sein. Vor allem Republikaner tun sich schwer, ihre Vorbehalte gegen Steuererhöhungen zu überwinden. Nach wie vor sind die Gespräche von taktischen Erwägungen geprägt.

Der von den Senatoren ausgearbeitete Kompromissvorschlag sieht nach Angaben aus Verhandlungskreisen Ausgabenkürzungen in Höhe von bis zu 3,7 Billionen Dollar in den kommenden zehn Jahren vor. Zugleich sollen die Staatseinnahmen durch eine Reform des Steuersystems um eine Billion Dollar gesteigert werden. Damit könnten von den Republikanern kategorisch abgelehnte direkte Steuererhöhungen umgangen werden.

Obama offenbar zu Deal bereit

Das Weisse Haus signalisierte unterdessen, dass Präsident Barack Obama unter Umständen auch zu einem «kurzfristigen Deal» mit den Republikanern bereit sei, was er zuvor abgelehnt hatte.

Die Republikaner beharren auf massiven Einsparungen als Bedingung für eine Erhöhung der Schuldenobergrenze. Die Demokraten um Präsident Obama sind zwar zu drastischen Einschnitten bereit, verlangen im Gegenzug aber auch Steuererhöhungen für die Reichen - was Republikaner bisher ablehnen. Eine Lösung ist vor allem durch das parlamentarische Patt schwierig. (wid/sda)

Erstellt: 21.07.2011, 21:55 Uhr

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6 Kommentare

Markus Knoblauch

22.07.2011, 01:53 Uhr
Melden 4 Empfehlung

Sämtlich Länder sollten mal für ein bis zwei Jahren KEINE Steuern mehr zahlen, mal sehen wie schnell die Herren Politiker zur Vernunft kämen. Antworten


Hans Iseli

21.07.2011, 22:03 Uhr
Melden 3 Empfehlung

Jede Hausfrau weiss: nicht mehr Geld ausgeben, als man einnimmt. Kann aber heute nicht mehr verlangt werden, weder von den Politikern noch von den Privaten. Und wenn es dann schief geht, sind es die bösen Anderen gewesen. Antworten



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