Wirtschaft
Wie man vor der Steuer in die Schweiz flüchtet
Von Tina Kaiser, London. Aktualisiert am 30.11.2009 19 Kommentare
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Der Saal im edlen Lanesborough-Hotel in London war bis auf den letzten Platz besetzt. Gut 100 Hedge-Funds-Manager, Finanzinvestoren, Banker und ihre Gattinnen waren der Einladung des Londoner Immobilienkonzerns Savills gefolgt. Thema des Abends: wie man vor der Steuer in die Schweiz flüchtet.
Seit Finanzminister Alistair Darling im Frühjahr ankündigte, die Steuer für Spitzenverdiener ab einem Jahreseinkommen von 150'000 Pfund (250'000 Franken) von 40 auf 50 Prozent zu erhöhen, herrscht Aufbruchsstimmung in den Villenvierteln. Im April 2010 soll das Gesetz in Kraft treten. Etwa 25'000 reiche Briten werden wegen der Steuererhöhung das Land verlassen, schätzt das Centre for Economics and Business Research. Gemessen an 61,1 Millionen Einwohnern sind das nicht viele, doch es werden die Topverdiener sein, deren Steuern dann fehlen.
«Die Schweiz steht ganz oben auf der Wunschliste»
Einige prominente Briten haben die Zügelwagen schon bestellt, darunter Guy Hands, Chef des Finanzinvestors Terra Firma, Filmschauspieler Michael Caine, Ex-Formel-1-Chef Eddie Jordan und die Künstlerin Tracey Emin.
Die Regierung will mit dem höheren Steuersatz ihre Budgetlöcher stopfen. Doch der Schuss droht nach hinten loszugehen: Nicht nur Privatpersonen, auch Firmen kehren England den Rücken. Mehrere Hedge-Funds drohen mit der Abwanderung; Brevan Howard, einer der grössten, kündigte kürzlich an, eine Niederlassung in der Schweiz zu eröffnen. Etliche Mitarbeiter hätten den Wunsch geäussert, «aus persönlichen Gründen» in die Schweiz zu ziehen.
«Die Schweiz steht ganz oben auf der Wunschliste unserer Kunden», sagt Jeremy Rollason, der den Informationsabend von Savills im Lanesborough-Hotel organisiert hat. Seit dem Sommer sei die Nachfrage nach Immobilien in steuerfreundlichen Kantonen wie Zug gestiegen. Statt 50 Prozent zahlt man dort nur rund 15 Prozent Einkommenssteuer. Der Kanton sieht seine Chance, britische Topverdiener abzuwerben. Mehrere Delegationen der Kantonsregierung warben in den vergangenen Wochen in London für ihre Region.
Allerdings lohnt sich der Umzug nicht für jeden. Länger als 90 Tage dürfen sich Exil-Briten nicht mehr im Land aufhalten. «Das schreckt viele ab», sagt Rollason. Trotzdem sei die Zahl der verkauften Villen in der Schweiz seit dem Sommer gestiegen. «Bei vielen unserer Kunden ist der Punkt erreicht, wo sie sagen: Genug ist genug.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 30.11.2009, 09:09 Uhr
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