Panik an Börsen und Devisenmärkten

85 Rappen pro Euro, 13 Prozent Minus beim SMI: Die Tiefststände am heutigen Tag fallen heftig aus.

Der Euro verliert gegenüber dem Franken deutlich an Wert: Kurs im Tagesverlauf.

Der Euro verliert gegenüber dem Franken deutlich an Wert: Kurs im Tagesverlauf. Bild: Interactive Data

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Der Schweizer Aktienmarkt steht unter dem Schock, den die SNB mit der überraschenden Aufhebung des Euro-Mindestkurses und der markanten Senkung der Leitzinsen ausgelöst hat. Der Schwergewichte-Index SMI tauchte zeitweise um bis zu 1300 Punkte oder 13,7 Prozent auf unter 8000 Punkte.

Einzelne Aktien verzeichneten vorübergehend einen Wertverlust von über 20 Prozent. Um 13 Uhr notierte der SMI noch um 10,7 Prozent im Minus auf 8210 Punkten. Der breite SPI gab um 10,5 Prozent nach.

(Video: Reuters)

Dollar noch gut 70 Rappen

Ebenso heftig waren die Reaktionen an der Währungsfront. Der Euro stürzte zum Franken laut Händler vorübergehend erstmals unter die Parität und kostete im absoluten Tief noch rund 85 Rappen, der US-Dollar war für noch etwas mehr als 70 Rappen zu haben.

Danach haben sich die Kurse wieder etwas erholt und der Euro hat sich vorerst bei rund 1,02 Franken eingependelt, der US-Dollar bei rund 87 Rappen.

SNB-Präsident Thomas Jordan sagte am Nachmittag an einer Pressekonferenz, die Märkte würden nun in einer ersten Reaktion überschiessen. Das sei verständlich, weil die Marktteilnehmer überrascht seien. Mit der Zeit würden sich die Kurse aber auf vernünftigen Niveaus stabilisieren.

Hohe Volatilität

Zuletzt war der Euro im August 2011 kurz vor Einführung der Mindestgrenze von 1,20 Franken bis fast auf den Gleichstand zur Schweizer Währung gesunken. Laut Händlern haben gewisse Devisenhäuser den Handel mit Devisen zumindest vorübergehend eingestellt.

Die Volatilität an den Märkten blieb extrem hoch. In ersten Kommentaren zeigen sich die Devisen- und Aktienhändler durchs Band überrascht vom Schritt der SNB. Diese habe sämtliche Akteure auf dem falschen Fuss erwischt, hiess es.

Weitere Schocks möglich

Experten gehen davon aus, dass sich die Talfahrt des Euro in den nächsten Wochen noch einmal beschleunigen dürfte – vor allem, wenn die Europäische Zentralbank (EZB) wie erwartet eine Ausweitung ihrer ultralockeren Geldpolitik beschliessen wird. Viele Marktteilnehmer gehen davon aus, dass die Euro-Notenbanker schon auf ihrer nächsten geldpolitischen Sitzung am 22. Januar den Ankauf von Staatsanleihen ankündigen.

Goldpreis profitiert

Der Goldpreis hat merklich von dem überraschenden Schritt der Schweizerischen Nationalbank (SNB) profitiert. Viele Anleger griffen zu dem Edelmetall. Nachdem die SNB die faktische Anbindung des Schweizer Franken an den Euro aufgegeben hatte, stieg der Goldpreis um etwa 2,7 Prozent oder 35 Dollar auf bis zu 1264 Dollar. Das ist der höchste Stand seit September 2014.

Händler nannten vor allem zwei Gründe für den steigenden Goldpreis: Zum einen habe der Dollar nach der Entscheidung der SNB nicht nur zum Franken, sondern auch zu anderen Währungen an Wert verloren. Weil Gold in der US-Währung gehandelt wird, wurde der Erwerb des Edelmetalls für Anleger in der Tendenz günstiger.

Zusätzlich sei die Goldnachfrage beflügelt worden, weil der Schritt der SNB vor Augen geführt habe, dass die extrem lockere Geldpolitik vieler Notenbanken anhalten dürfte. Niedrige Zinsen gelten prinzipiell als gutes Umfeld für Gold, weil das Edelmetall selbst keine Zinsen abwirft. (sda)

(Erstellt: 15.01.2015, 11:42 Uhr)

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