«Wir Amerikaner können noch viel von der Schweiz lernen»

Amerikanische Bildungsexperten haben sich ein Bild der Schweizer Berufsbildung gemacht. Erstaunt hat sie vor allem das grosse Engagement der Lehrlinge und Ausbildner.

«Mit diesem System könnten wir die Jugendlichen dazu motivieren, länger zur Schule zu gehen»: Eine der amerikanischen Bildungsvertreterinnen über die duale Ausbildung.
Video: Chantal Hebeisen, Martina Läubli (Übersetzung Anna Jikhareva)

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«Ich habe die Banklehre nicht des Geldes wegen ausgewählt, sondern weil sie mir der bessere Weg zum Ziel erschien als eine gymnasiale Maturität», erklärt Nick Bänninger. Der 19-Jährige befindet sich im dritten Lehrjahr zum kaufmännischen Angestellten. Zusammen mit einem zweiten Lehrling diskutierte er gestern im CYP, dem Ausbildungszentrum für junge Bankangestellte in Zürich, mit einer Delegation von amerikanischen Bildungsvertretern über das duale Bildungssystem der Schweiz.

Die amerikanische Delegation folgte einer Einladung von Präsenz Schweiz, die sich im Auftrag des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten um ein gutes Image der Schweiz bemüht. Während einer Woche besuchte die Gruppe verschiedene Schweizer Bildungsinstiutionen, um den dualen Bildungsweg der Schweiz kennen zu lernen. Unter den dreizehn Gästen befand sich die Vize-Bildungsministerin der Obama-Administration, Bildungsvertreter verschiedener US-Bundesstaaten sowie Mitglieder von Nichtregierungsorganisationen, die sich um Bildungsfragen kümmern.

«Ist die Lehrlingsausbildung Ihre Haupttätigkeit?»

Begleitet wurde die Delegation unter anderem durch den Schweizer Generalkonsul in Los Angeles, Bruno Ryff. «Wir wollten den Amerikanern zeigen, dass auch die Schweiz ein hervorragendes duales Bildungssystem hat», erklärt er. Gerade Mitte Februar habe US-Präsident Barack Obama in seiner Rede zur Lage der Nation das Bildungssystem Deutschlands «und weiterer Länder» gelobt, so Ryff. «Wir wollen erreichen, dass er künftig von Deutschland und der Schweiz als Vorbild redet», erklärt er im Videointerview (siehe Box).

Erstaunt reagierten die Vertreterinnen und Vertreter aus den USA im Gespräch mit den Lernenden und Ausbildnern vor allem bei einem Punkt: «Ist die Lehrlingsausbildung Ihre Haupttätigkeit?», wollte Robert Witchger, Direktor am Institut für öffentliche Berufsschulen und Fachhochschulen in North Carolina, von einem der anwesenden Ausbildner der Credit Suisse wissen. «Nein», antwortete dieser. «Ich bin hauptberuflich Investment-Banker, die Ausbildungstätigkeit ist nur eine Nebenbeschäftigung», erklärte dieser. Je nach Ausbildungsstand und Interesse des Lernenden nehme dies zwischen 20 bis 30 Prozent seiner Arbeitszeit in Anspruch.

Schulstoff direkt in die Praxis umsetzen

Ziel von Präsenz Schweiz war es, bei den Teilnehmern der Delegation das Schweizer Bildungssystem als Vorbild zu positionieren. Offenbar hat die Organisation dies auch erreicht: «Ich bin begeistert davon, mit wie viel Enthusiasmus die Lehrlinge heute Morgen ihre Berufsausbildung vorgestellt haben», sagt Witchger.

Das Schweizer Berufsbildungssystem erlebe er als gut organisiert und es biete den Jugendlichen die Möglichkeit, sich zwischen Lehre und Gymnasium zu entscheiden. «Noch wichtiger finde ich jedoch, dass die Lehrlinge in der Schweiz das, was sie in der Schule lernen, direkt auf den Beruf übertragen können.» Er findet deshalb, dass die USA dieses System auch etablieren sollte. «Hier können wir Amerikaner noch viel von der Schweiz lernen.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 23.03.2013, 12:57 Uhr)

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Der Schweizer Generalkonsul in Los Angeles, Bruno Ryff, erklärt, wie es zum Bildungsaustausch zwischen den USA und der Schweiz kam. (Video: Chantal Hebeisen, Martina Läubli)

In der Schule für die Praxis lernen: Schüler der Technischen Berufsschule Zuerich. (Bild: Keystone Martin Ruetschi)

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