Wirtschaft

«Wir müssen Griechenland im Euro behalten»

Aktualisiert am 07.11.2011 40 Kommentare

Josef Ackermann warnt vor einem Ausstieg Griechenlands aus dem Euro. Das wäre ein dramatisches Ereignis, wie der Deutsche-Bank-Chef in einem Interview sagt. Italien habe derweil die Lösung selbst in der Hand.

«Italien ist ein reiches Land»: Der Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann.

«Italien ist ein reiches Land»: Der Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann.
Bild: Keystone

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«Das ist eine Lösung, die man gar nicht andenken sollte. Das wäre ein ganz dramatisches Ergebnis», sagte Ackermann in der ARD-Sendung «Bericht aus Berlin». «Wir müssen Griechenland im Euro behalten.» Am gefährlichsten sei die Gefahr einer Ansteckung auf andere Länder. Die italienische Regierung habe die Lösung aber selbst in der Hand. «Italien ist ein reiches Land», sagte der Deutsche-Bank-Chef. Das Land müsse endlich seinen Haushalt in Ordnung bringen. In Griechenland gehe es darum, das Land als Investitionsstandort attraktiver zu machen.

Ackermann drängte auf eine rasche Aufstockung des Euro-Rettungsschirms, um die Staatsfinanzierung von Italien und Spanien in den nächsten drei Jahren sicherzustellen. Er sprach sich allerdings strikt gegen Pläne aus, die Währungsreserven einzelner Länder für die Eurorettung zu verpfänden. «Das ist verständlich, das würde ich aber verheerend finden.» Aus den Reihen der G-20 hatte es einen entsprechenden Vorschlag gegeben. «Wir kennen diesen Plan, und wir lehnen ihn ab», hatte ein Bundesbank-Sprecher dazu gesagt.

Ackermann für höhere Eigenkapitalquote

Ackermann bekräftigte die Absicht der Deutschen Bank, ihre Eigenkapitalquote wie von Politikern und Regulierern gefordert aufzustocken: «Ja, absolut, und zwar sehr schnell.» Die Deutsche Bank (DBN 29.39 1.07%) unterstütze die von den G-20-Staaten auf dem Euro-Krisengipfel in Cannes geforderte Eigenkapitalerhöhung, sagte Ackermann. «Wir sind ja schon weitgehend dort», fügte er hinzu.

Die Bank muss bis Mitte 2012 auf eine Eigenkapitalquote von neun Prozent im Verhältnis zu ihren Bilanzrisiken kommen. Neun Prozent sind Bankenkreisen zufolge auch der Prozentsatz, den das Institut von 2016 an vorhalten muss, weil es zu gross ist, als dass es ins Wanken kommen dürfte, ohne das weltweite Finanzsystem zu gefährden. Wichtiger seien Hilfen bei der Refinanzierung, die für viele Banken in Europa schwieriger geworden sei, betonte der Deutsche-Bank-Chef.

«Irgendwann muss man sagen: Genug ist genug»

Ackermann wandte sich erneut gegen eine Flut von Regulierungsmassnahmen – etwa Bankenabgaben und Transaktionssteuern –, die auf die Banken zukommen. «Irgendwann muss man sagen: Genug ist genug», sagte er. Die Banken könnten nicht mehr leisten, wenn sie zugleich das Wachstum finanzieren sollten. (jak/sda)

Erstellt: 06.11.2011, 23:39 Uhr

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40 Kommentare

Nadine Binsberger

07.11.2011, 08:14 Uhr
Melden 19 Empfehlung

GR muss im EUR bleiben, weil sonst die Zinssklaverei infrage gestellt wäre. Ui, schlimm. Und dann meint er noch, die Banken seien überreguliert, fordert aber gleichzeitig, die Banken "schnell" zu refinanzieren - mit wessen Mitteln? Mit einer raschen Aufstockung der Rettungsschirme... Offensichtlich: die Banken gewöhnen sich an ihr garantiertes, existenzsicherndes, bedingungsloses Grundeinkommen. Antworten


Roswitha Kunz

07.11.2011, 08:32 Uhr
Melden 17 Empfehlung

Nein, Herr Ackermann, nicht die Banken finanzieren das Wachstum. Wachstum wird durch veranwortungsbewusste Investoren im KMU-Bereich, die nicht am Globalisierungszirkus beteiligt sind und den Arbeitern finanziert. Eine Transaktionssteuer ist unabdingbar und gerecht. Die tägliche Milliardenzockerei der InvestmentGroups würde nicht mehr rentieren. Verpfändungen sind Zukunftsverluste der Bürger. Antworten



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