Wirtschaft

«Wir müssen mit einem weiteren Stellenabbau rechnen»

Interview: Olivia Kühni. Aktualisiert am 07.11.2011 33 Kommentare

Erstmals in diesem Jahr ist die Arbeitslosenquote gestiegen. Thomas Daum, Direktor des Arbeitgeberverbandes, rechnet mit weiteren Entlassungen – und er hofft auf die Nationalbank.

Die Frankenstärke sei kein Feigenblatt für aufgeschobene Reformen, sagt Thomas Daum, Direktor des Arbeitgeberverbandes.

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Herr Daum, in den letzten Wochen haben zahlreiche Firmen einen Stellenabbau angekündigt. Kommt eine Entlassungswelle auf das Land zu?
Noch ist es nicht dramatisch. Wir gehen aber davon aus, dass wir aufgrund der Frankenstärke mit einem weiteren Abbau rechnen müssen. In der Finanzbranche kommt ausserdem ein Strukturwandel hinzu, ebenso in der Energiewirtschaft, und die Pharmafirmen haben mit ablaufenden Patenten zu kämpfen. Fakt aber bleibt: Beim aktuellen Euro- und Dollar-Kurs müssen viele Firmen ihre Kosten stark senken.

Ist die Frankenstärke nicht einfach ein Feigenblatt für zu lange aufgeschobene Reformen?
Das kann ich für die gesamte Wirtschaft nicht beurteilen. Die Exportindustrie aber kenne ich sehr gut. Und da kann ich sagen, dass der von Ihnen angesprochene Effekt wirklich minim ist. Diese Unternehmen haben schon in den 1990ern und nochmals 2003 massiv restrukturiert, die sind ausgezeichnet aufgestellt. Die Aufwertung des Frankens ist aber so schnell und so stark von sich gegangen, dass man mit manchen Tätigkeiten jetzt plötzlich gegenüber der Konkurrenz im Offside steht. Das kann man mit einer Produktivitätssteigerung nicht aufholen.

Bedeutet das, dass bestimmte Tätigkeiten in der Schweiz einfach keinen Platz mehr haben?
Ich warne davor zu sagen, dass man in der Schweiz grundsätzlich etwas nicht mehr machen, zum Beispiel nicht mehr am Band montieren oder schweissen könne. Es gibt Firmen, die haben ihre Prozesse derart gut strukturiert, dass sie auch hierzulande funktionieren können. Als Tendenz aber kann man sagen, dass mit den aktuellen Kursbedingungen manche Tätigkeiten längerfristig nicht mehr aufrechterhalten werden können.

Wer ist besonders betroffen?
Die Exportindustrie, die grafische Branche und der Tourismus. Der Uhrenindustrie geht es glücklicherweise nach wie vor sehr gut.

Das liegt daran, dass die Nachfrage nach Uhren wenig preissensibel ist.
Ja.

Was erwarten Sie denn nun von der Politik?
Für uns ist der zentrale Punkt die Geldpolitik. Der Hebel liegt also nicht bei den Politikern, sondern bei der Nationalbank. Wir stellen ihr gegenüber aber keine Forderungen, sondern legen ihr unsere Einschätzung der Lage dar.

Und wie sieht die aus?
Wenn der Franken-Kurs längerfristig auf dem heutigen Niveau bleibt, dann erleidet die Wirtschaft erhebliche Strukturschäden. Wenn das vermieden oder zumindest gemildert werden soll, brauchen wir eine Abschwächung. Die Nationalbank muss unabhängig und unter Berücksichtigung aller relevanten Gesichtspunkte beurteilen, was sie wann dazu unternehmen kann.

Erwarten Sie, dass die SNB die Kursuntergrenze zum Euro anhebt?
Wir wissen gleich viel wie alle anderen auch. Wir würden das aber voll und ganz unterstützen.

Was wäre für Sie ein Wunschkurs im Rahmen des Möglichen?
Unsere Meinung ist, dass bei einem Eurokurs zwischen 1.30 und 1.40 Franken viele Unternehmen wieder eine Chance hätten.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.11.2011, 16:48 Uhr

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33 Kommentare

Jack Welti

07.11.2011, 17:32 Uhr
Melden 40 Empfehlung

Kein Problem, die kürzlich Zugewanderten, welche ihre Stelle verlieren nehmen ja keinem Schweizer die Arbeit weg und werden alle freiwillig wieder ausreisen und unsere Sozialwerke nicht belasten - so hat man es uns doch versprochen, oder? Antworten


Franz Berger

07.11.2011, 17:12 Uhr
Melden 37 Empfehlung

Vor allem muss in der Teppich-Klasse abgebaut werden. Das sind die "Mitfahrer" in einem Betrieb. Antworten



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