Wo Benzin am teuersten ist – und warum

Norwegen und Kuwait fördern beide selbst Öl. Und doch ist in einem Land Benzin extrem teuer, im anderen extrem billig. Die Gründe.

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Es sieht nicht schön aus, es riecht nicht gut und niemand kauft es mit Freude. Dennoch ist Benzin ein hochemotionales Gut. Steigt der Preis, kommt es zu einem kollektiven Aufschrei der Autofahrer. Dabei machen die Ausgaben für Kraftstoff in keinem Land der Welt mehr als 3,7 Prozent der Gesamtausgaben der Haushalte aus. Der Benzinpreis ist aber täglich sicht- und so vergleichbar.

Hinter dem Preis an der Zapfsäule stehen viele Faktoren. Die Entwicklung beim Rohstoff Erdöl ist nur einer davon. Auch die Transportkosten (in der Schweiz ist das etwa die Höhe der Preise der Rheinschifffahrt), die Kaufkraft eines Landes und vor allem auch Steuern beeinflussen den Benzinpreis. Das zeigt ein globaler Vergleich. So zahlt man in Kuwait derzeit nur gerade 21 Rappen pro Liter – etwa ein Siebtel des Schweizer Niveaus. Das Emirat auf der Arabischen Halbinsel subventioniert Kraftstoff massiv.

Kuwaits Subventionen, Norwegens Steuer

Die Tage des Ultrabilligbenzins sind jedoch wohl gezählt. Weil die Einnahmen Kuwaits zu mehr als 90 Prozent aus dem Ölgeschäft stammen und der Ölpreis derart tief ist, geriet das Staatsbudget aus dem Lot. Deshalb will Kuwait nun diverse Subventionen streichen und auch die Vergünstigung für Benzin reduzieren. Dadurch soll der Preis für einen Liter um 60 Prozent steigen. Auch Saudiarabien ergriff aus dem gleichen Grund den drastischen Schritt, hat ihn aber schon umgesetzt. Die Benzinsubventionen wurden so stark gekürzt, dass der Literpreis vergangenen Dezember 40 Prozent stieg. Dennoch ist er im weltweiten Vergleich nach wie vor tief (siehe Bildergalerie).

Am anderen Ende des Spektrums liegen gemäss Daten der Vergleichsplattform Global Petrol Prices Länder wie Monaco, Hongkong oder Norwegen. Nirgendwo ist Benzin teurer. Im Fall des skandinavischen Landes ist das überraschend, da sein Reichtum zu einem grossen Teil auf den Einnahmen aus dem Erdölgeschäft fusst. Doch die Regierung erhebt auf Benzin hohe Steuern, um damit den Klimawandel zu bekämpfen. Kein Wunder ist der Anteil an Elektroautos in Norwegen extrem hoch. Er beträgt inzwischen mehr als 15 Prozent.

Relativ gesehen ist die Schweiz sehr günstig

Der Vergleich der Preise an der Zapfsäule zeigt aber nur eine Seite. Bezieht man die Löhne mit ein, ergeben sich andere Spitzenreiter. Dann ist Indien das teuerste Land der Welt. Dort geben Bürger gemäss Daten von Bloomberg 21 Prozent eines Tageslohnes für einen Liter Benzin aus. In Pakistan sind es 15 Prozent. Die Schweiz dagegen gehört bei der relativen Betrachtung zu den günstigsten Ländern der Welt. 0,68 Prozent des Tageslohnes muss man hierzulande für einen Liter bezahlen. Noch weniger sind es in den USA (0,43 Prozent) und Venezuela (0,25 Prozent). (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.07.2016, 15:05 Uhr

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