Wirtschaft
Wo, bitte, ist die Alternative zum Dollar?
Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 21.06.2009 8 Kommentare
In der Schuldenfalle: Der US-Dollar verliert immer mehr an Wert.
Chinas Premierminister Wen Jiabao und Notenbankchef Zhou Xiochuan haben sich mehrfach kritisch über den Dollar geäussert. Letzte Woche hat nun auch der russische Präsident Dmitri Medwedew in den Chor jener eingestimmt, die den Dollar als zentrale Reservewährung anzweifeln. Mehr noch, er äusserte seine Kritik ausgerechnet an einer Konferenz von Vertretern der wirtschaftlichen Herausforderer der USA, der sogenannten Bric-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China). Ist der Dollar als globale Leitwährung in Gefahr?
Schlicht zu wenig Gold
Die Antwort lautet: Nein, und die Begründung dafür ist lapidar: Es gibt schlicht keine Alternative. Eine Rückkehr zum Goldstandard? Undenkbar, ein solches System wäre viel zu umständlich, um die komplexe Finanzwelt des 21. Jahrhunderts zusammenzuhalten (zudem gäbe es dafür viel zu wenig Gold). Eine globale Währung à la Euro? Prima Idee, aber wir werden es leider nicht mehr erleben. Euro und Renminbi als zusätzliche Leitwährungen? Der Euro ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber noch zu schwach. Die chinesische Währung wiederum ist noch nicht einmal frei konvertierbar. Der Dollar hingegen ist nicht nur die Währung der mit Abstand grössten Volkswirtschaft der Welt (und der mit Abstand stärksten Militärmacht), er ist auch die weitaus wichtigste Reservewährung: Gemäss Daten des Internationalen Währungsfonds (IWF) sind derzeit 65 Prozent aller weltweiten Reserven in Dollar angelegt.
Sind somit Jiabao und Medwedew Maulhelden? Nicht nur, die beiden haben ein ernsthaftes Problem. Nämlich: Wer der Bank 10'000 Franken schuldet, ist bekanntlich in Schwierigkeiten. Wenn er aber der Bank 10 Millionen Franken schuldet, dann sitzt die Bank in der Tinte. Genau so ist die Lage zwischen den USA einerseits, Russland und China anderseits. Nur viel dramatischer: Russland hat derzeit Dollar-Devisenreserven in der Höhe von rund 400 Milliarden, bei China sind es gar mehr als 2000 Milliarden. Die USA schulden den beiden riesige Beträge, und dieses Vermögen verliert rasant an Wert. Seit Anfang Mai ist der Dollar-Index um knapp elf Prozent gefallen. (Dieser Index gibt den Kursverlauf gegenüber den Währungen der sechs wichtigsten Handelspartner der USA wieder). Russland und China müssen also hilflos zuschauen, wie ihr Erspartes schmilzt wie Schnee in der Frühlingssonne. Kein Wunder, werden Medwedew und Jiabao nervös.
Schuldenmacher Amerika
Schuld am rasanten Wertverlust des Dollars ist die gewaltige Verschuldung der Amerikaner. Die USA werden allein heuer neue Schulden in der Höhe von 2500 Milliarden Dollar aufnehmen. Das verunsichert die Investoren und schwächt den Wert des Greenback. Deswegen wird auch immer wieder die hemmungslose Verschwendungssucht der Amerikaner angeprangert. Das ist allerdings heuchlerisch. Die Welt hat bis zum Ausbruch der Finanzkrise sehr gut mit dieser Verschwendungssucht gelebt. Länder wie China haben in den letzten Jahren ihr Heil im Export gesucht und ihre eigene Währung künstlich tief gehalten. Zu diesem Zweck mussten sie Dollars im grossen Stil aufkaufen und haben damit den USA billiges Geld ermöglicht.
Die Amerikaner liessen sich nicht zweimal bitten. Wieso auch? Sie können sich in ihrer eigenen Währung verschulden und müssen keinen Staatsbankrott fürchten. Und schon gar nicht den IWF oder Chinas Notenbank.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 21.06.2009, 22:20 Uhr
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8 Kommentare
Die Menge des verfügbaren Goldes wäre kein Hindernis für einen Goldstandard. Das Gold würde massiv teurer und die Sache wäre erledigt. "Umständlich" wäre ein Goldstandard nur für die Politiker, die dem Volk nicht mehr länger unfinanzierbare Leistungen versprechen und das Geld später über versteckte Besteuerung mittels Inflation zurückholen könnten! Deshalb will die Politik keinen Goldstandard. Antworten
Der Euro ist nicht schwach sondern stark. Nehmt den Euro als Leitwährung, denn die reale EU-Wirtschaft ist sehr stark und nicht nur ein Ballon wie beim Weltschuldner Nr. 1, den USA. Es wird Zeit, dass die EU auch Verantwortung übernimmt und nicht nur kleinliche Vorschriften erlässst. Antworten
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