Wirtschaft
Zweifel an der Goldgrube
Von Arthur Rutishauser. Aktualisiert am 31.01.2011 16 Kommentare
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Zufriedene Gesichter nach dem WEF in Davos: Hotels und Restaurants waren knallvoll, und die Gäste haben auch wieder kräftig Geld ausgegeben. «Das war wohl ein Rekord-WEF», sagt Ernst Wyrsch, der Hotelier vom Belvédère.
Dass man in Davos mit Hotels Geld verdienen kann, haben viele gemerkt. Investitionen für rund 300 Millionen Franken sind fest geplant. Das meiste davon im Luxusbereich. Nun mehren sich allerdings die Stimmen derer, die fragen, woher all die Gäste für die vielen neuen, teuren Betten kommen sollen.
«Wir glauben an die Destination Davos»
Vorzeigeobjekt ist das Luxushotel Stilli Park. Rund 155 Millionen Franken will die Credit Suisse über ihren neu gegründeten Real Estate Fund Hospitality in das Resort investieren. Das 216-Zimmer-Hotel soll ganzjährig geöffnet sein und auf Ende 2013 eröffnet werden. Zum Hotel gehören 38 Zweitwohnungen. Geplant sind Arbeitsplätze für 200 Personen, ein durchschnittlicher Zimmerpreis von 450 Franken und eine Auslastung von knapp zwei Dritteln. «Wir glauben an die Destination Davos», sagte Markus Graf von der CS kurz vor Weihnachten zur «Südostschweiz».
Von diesem Glauben an Davos sollen viele profitieren. Die Anleger: In den Werbeunterlagen zum Fonds spricht die CS von einer erwarteten Nettorendite von 4,8 Prozent oder rund 7,5 Millionen Franken. Die Betreiber: Bekannt ist, dass die Hotelkette Interkontinental diese Aufgabe übernehmen wird. Und die Credit Suisse: Laut Vertrag winken ihr eine Baukommission von maximal 3 Prozent der Baukosten, plus maximal 2 Prozent des Kaufpreises für den Kauf des Grundstücks.
Zu hohe Preise
In Davos ist man froh um das Projekt. Es sichert den Standort des WEF. Ob dabei aber alle auf ihre Rechnung kommen, daran zweifelt so mancher. «Das Grundproblem ist, dass wir in Davos während mindestens 3 Monaten pro Jahr kaum Umsatz machen», sagt etwa Hotelier Wyrsch. Von Mai bis Juli hat es fast keine Touristen. «Auch Klaus Schwab kommt mit seinem WEF nicht im Mai, obwohl das viel billiger und vom Tourismus her ideal wäre», sagt Wyrsch.
Kommt hinzu, dass die Betreiber des Stilli für den Sommer wohl zu hohe Zimmerpreise projektierten, meint Carlo Schmid, Hotelier im Europe: «Dann kommen Wanderer und Familien.» Diese würden viel weniger konsumieren als Wintergäste. «Davos ist nicht St. Moritz. Wir haben keine Stargäste. Dafür fehlt nur schon die entsprechende Einkaufsmeile im Ort», so Schmid.
Bezeichnend ist, dass das Stilli-Projekt jahrelang keine Investoren fand. Die Bewilligung für die Umzonung liegt bereits seit 2006 vor. Die UBS – die damals hinter der Finanzierung stand – arbeitete an den Hochglanzprospekten, als das Projekt im Zuge der Finanzkrise auf Eis gelegt wurde. Letztes Jahr wurde sogar gemunkelt, die Idee sei gestorben. Kein Wunder: In den USA verloren sowohl CS wie auch UBS zusammen mit Drittinvestoren viel Geld mit Ferienresorts. Die jetzt beim Stilli Park eingesprungenen CS-Verantwortlichen sagten bei der Präsentation kurz vor Weihnachten hingegen, man habe das Projekt genau durchgerechnet.
Zu wenig Zweitwohnungen
Daran zweifelt Schmid, der selbst an einem Grossprojekt beteiligt ist. Der Europe-Hotelier glaubt, der angegebene Anteil von Zweitwohnungen sei beim Stilli zu tief: «Damit sich ein Hotelprojekt rechnet, muss man aus dem Gewinn der Wohnungsverkäufe die Hälfte der Baukosten finanzieren können.» Wann er sein eigenes Renommierprojekt realisiere – das 200 Millionen Franken teure, von den Stararchitekten Herzog und de Meuron entworfene Hochhaus auf der Schatzalp –, weiss Schmid nicht. Offenbar fehlt ihm ein Investor. Ob sich demnächst einer findet, ist fraglich: Sowohl Wyrsch wie Schmid rechnen aufgrund der vielen Bauprojekte mit sinkenden Zimmerpreisen und Konkursen im Luxussegment der Davoser Hotellerie. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 31.01.2011, 07:14 Uhr
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16 Kommentare
Das einzig sichere am Projekt "Stilli Park" ist: die Credit Suisse wird abkassieren! Die Risiken tragen die Anteilseigner des "Real Estate Fund Hospitality", welcher aggressiv an Pensionskassen vermarktet wird. Investoren des sündhaften teuren 155 Mio-Projektes sind letztlich Arbeitnehmer jener Pensionskassen, die infolge des Immobilien-Anlagenotstands dort investieren.Hände weg von diesem Fonds! Antworten
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