Generationengraben tut sich beim Wohneigentum auf

Die älter werdenden Babyboomer dominieren das Schweizer Wohneigentum. Junge dagegen verharren in Miete. Die Gründe.

Wer in der zweiten Lebenshälfte steht, kann sich Wohneigentum eher leisten: Besichtigung einer neuen Wohnung in Basel. (Archiv)

Wer in der zweiten Lebenshälfte steht, kann sich Wohneigentum eher leisten: Besichtigung einer neuen Wohnung in Basel. (Archiv) Bild: Keystone

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Tiefe Zinsen und ein moderates Einkommensplus bilden auch 2016 eine positive Ausgangslage für die Nachfrage nach Wohneigentum. Das schreiben die Ökonomen der Credit Suisse in einer neuen Studie zum Schweizer Immobilienmarkt. Allerdings würde die Nachfrage immer stärker von Personen getragen, die sich in der zweiten Lebenshälfte befinden. Wohneigentümer seien heute im Durchschnitt bereits 57 Jahre alt. Im Jahr 2000 waren es noch drei Jahre weniger.

Im Jahr 2000 seien die meisten Wohneigentümer in der Altersklasse der 50- bis 58-Jährigen zu finden gewesen. Damals wie heute würden die zahlenmässig starken Babyboomer-Jahrgänge nicht nur die Bevölkerungsstruktur, sondern auch die Struktur der Wohneigentümer prägen. Auch heute lebten diese Jahrgänge immer noch überdurchschnittlich häufig in den eigenen vier Wänden. Entsprechend sei die grösste Anzahl Wohneigentümer inzwischen in der Altersklasse der 59- bis 69-Jährigen zu finden. Gerade umgekehrt sehe die Situation bei der jüngeren Bevölkerung aus. Bei den 40-Jährigen seien erst 36 Prozent Wohnungsbesitzer, bei den 35-Jährigen liege der Anteil sogar erst bei 22 Prozent. Im Vergleich zu früher setze der Erwerb von Wohneigentum erst bei älteren Jahrgängen ein.

Hierfür nennen die CS-Ökonomen mehrere Gründe:

  • Einerseits hätten die starken Preisanstiege seit 2000 die Anforderungen an Einkommen und Vermögen spürbar erhöht. Dies stelle insbesondere für junge Haushalte eine grosse Hürde dar.
  • Andererseits hätten gesellschaftliche Trends gerade bei jungen Erwachsenen eine Präferenz für Mietwohnungen bewirkt: Im Berufs- wie auch Privatleben sei der Bedarf an Flexibilität und Mobilität stark gestiegen. Der Trend zu Einpersonenhaushalten halte zudem an. Die Familiengründung fände heute häufig später statt.
  • Und letztlich nehme auch die Anzahl der Studierenden weiter zu, sodass immer mehr junge Erwachsene später ins Berufsleben einsteigen und damit auch erst später mit der Vermögensbildung beginnen können.

Zwischen den Generationen tue sich folglich ein wachsender Graben auf. Als Folge davon werde, spätestens wenn hinter den Babyboomern die geburtenarmen Jahrgänge folgten, der Wohneigentumsmarkt einem Stresstest unterzogen.

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Ab 2018 rechnen die Ökonomen der Credit Suisse mit einer demografiebedingt schwächeren Nachfrage, die nach einigen Jahren um bis zu ein Drittel tiefer ausfallen könnte als heute. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 01.03.2016, 10:27 Uhr)

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24'000 neue Mietwohnungen, 4000 zu viel

In den letzten Jahren kannten die Mietpreise in der Schweiz nur eine Richtung: nach oben. Dieser Trend könnte nun stoppen. Das zumindest erwarten Ökonomen der Credit Suisse. Ein Grund ist der geringere Zustrom von Arbeitsmigranten.

Deren Zahl habe schon letztes Jahr um 10 Prozent abgenommen, heisst es in einer am Dienstag veröffentlichten Studie. Und die Credit-Suisse-Ökonomen erwarten für dieses Jahr einen weiteren, noch grösseren Rückgang. Denn das Beschäftigungswachstum dürfte im laufenden Jahr einbrechen.

Zwar dürften die Flüchtlinge den Rückgang bei den Arbeitskräften zahlenmässig mehr als kompensieren. Dies führe zu einer zusätzlichen Nachfrage nach Mietwohnungen, allerdings nur im untersten Preissegment. Derweil werden jedoch ungebremst neue Mietwohnungen fertiggestellt. Im laufenden Jahr dürften es gemäss Schätzung der Credit-Suisse-Ökonomen rund 24'000 sein. Und ein Abebben sei nicht zu erwarten.

Der Grund für die anhaltend hohen Investitionen ist, dass die von den Negativzinsen gebeutelten Investoren nach Anlagemöglichkeiten suchen und sich mit Immobilien noch vergleichsweise hohe Renditen erzielen lassen.

Die beiden Entwicklungen haben laut den Credit-Suisse-Ökonomen zur Folge, dass das Angebot an Mietwohnungen dieses Jahr deutlich stärker wächst als die Nachfrage. Erste Indizien für diesen Trend gebe es bereits: So seien die Leerstände bei den Mietwohnungen seit 2014 um mehr als 4000 Wohnungen pro Jahr gestiegen. Die Vermarktung werde schwieriger, es dauere länger, bis für Wohnungen Mieter gefunden würden.

Aus diesen Gründen prognostizieren die Studienverfasser für das laufende Jahr, dass der Mietpreisauftrieb in der Schweiz «fast vollständig» zum Erliegen kommt. (sda)

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