Wirtschaft

Öl, ein idealer Rohstoff zum Zocken

Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 06.07.2009 12 Kommentare

Trotz der schweren, weltweiten Wirtschaftskrise hat sich der Ölpreis in den letzten sechs Monaten beinahe verdoppelt. Vermasseln Ölspekulanten jetzt den Aufschwung?

Öltanker fahren erst in den Hafen, wenn der Ölpreis stimmt: Ölfirmen gehören zu den Profiteuren der jüngsten Preishausse.

Öltanker fahren erst in den Hafen, wenn der Ölpreis stimmt: Ölfirmen gehören zu den Profiteuren der jüngsten Preishausse.
Bild: Keystone

Zu sagen, der Ölpreis sei volatil, ist mehr als nur leicht untertrieben: In den letzten 18 Monaten ist er zuerst auf beinahe 150 Dollar pro Fass geklettert, um dann auf beinahe 30 Dollar hinunterzukrachen. Seit in paar Wochen pendelt er nun zwischen 60 und 70 Dollar. Auf den ersten Blick gibt es für diese extremen Preisbewegungen keine vernünftige Erklärung. Die Wirtschaft serbelt rund um den Globus, der Verbrauch ist gar rückläufig. Einzig der Ölpreis macht beim allgemeinen Abschwung nicht mit. Treiben Spekulanten die Kurse mit Finanzspielen künstlich in die Höhe?

Nicht nur am Stammtisch wird diese These diskutiert, sondern auch unter Staatsoberhäuptern. Sie haben allen Grund dazu. So haben Energieexperten der EU und der Opec nach einem gemeinsamen Treffen in Wien vor ein paar Tagen die Befürchtung geäussert, dass «die Spekulationen noch nicht unter Kontrolle sind und eine Preisblase wie 2008 sich wiederholen könnte». Bereits damals waren die wildesten Theorien wegen der geradezu explodierenden Ölpreise im Umlauf, teilweise zu Recht, wie ein Hearing im US-Kongress später ergeben hat.

Riesentanker warten auf guten Preis

Öl ist ein geradezu idealer Rohstoff zum Zocken. Es verdirbt nicht und der Preis ist extrem unelastisch. Will heissen, schon die geringste Verknappung hat massive Preisaufschläge zur Folge. Es wird deshalb immer wieder kolportiert, Ölfirmen würden ihre Riesentanker oft als schwimmende Lager sinnlos auf den Meeren herumgondeln lassen, um die Fracht erst dann zu löschen, wenn die Preise attraktiv genug sind.

Volkswirtschaftlich gesehen schaden hohe Ölpreise und hohe Volatilität. Das gilt vor allem in Krisenzeiten. In den USA hat die Arbeitslosigkeit trotz des 787-Milliarden-Dollar-Ankurbelungsprogramms inzwischen die Marke von 9,5 Prozent erreicht. Das allein hat die Kauflust der Amerikaner schon spürbar verringert. Wenn sie jetzt wieder mehr für Benzin ausgeben müssen, wird die Nachfrage zusätzlich gedämpft und die Rezession verlängert.

Wo der Ölpreis drückt

In den USA beträgt der Arbeitsweg nicht selten 100 und mehr Kilometer. Steigende Benzinpreise haben deshalb eine grosse Wirkung auf das Konsumverhalten. Aber nicht nur das: Selbstverständlich leiden auch die eh schon eingebrochenen Autoverkäufe unter wieder steigenden Ölpreisen. Genauso wie die Airlines, bei ihnen machen die Treibstoffkosten bis zu einem Drittel der Gesamtkosten aus.

Ebenso schädlich für die Unternehmen sind die wilden Preisausschläge. Sie machen eine vernünftige Planung praktisch unmöglich. Die Folge davon ist, dass wegen der unsicheren Aussichten nicht mehr investiert wird.

Wer vom hohen Ölpreis profitiert

Gibt es auch Gewinner? Nebst den Spekulanten sind dies die erdölproduzierenden Länder. Die Opec hat ihre Mitglieder nach dem Preiszerfall aufgefordert, die Förderung zurückzufahren, offenbar mit Erfolg. Sie hat zudem ein Preisziel von 75 Dollar pro Fass als Ziel vorgegeben. Es scheint wahrscheinlich, dass dieses Ziel auch erreicht wird. «Weder die Opec als Organisation noch einzelne Mitglieder haben ein Interesse daran, die Erhöhung des Ölpreises zu stoppen», zitiert die «New York Times» aus einem Bericht des Center for Global Energy Studies. Es wurde von Scheich Ahmed Zaki Yamani gegründet, dem legendären ehemaligen Ölminister von Saudiarabien.

Zu den Gewinnern zählt auch die Umwelt: Der erneute Ölschock dürfte das endgültige Ende der Benzinschlucker, der Sport Utility Vehicles (SUV), bedeuten. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.07.2009, 12:42 Uhr

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12 Kommentare

susanne beerli

06.07.2009, 16:26 Uhr
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"Der erneute Ölschock dürfte das endgültige Ende der Benzinschlucker, der Sport Utility Vehicles (SUV), bedeuten." Wer sich ein solches Auto leistet kann sich auch einen Benzinpreis von 5 Fr/L leisten. SUVs befriedigen ein Bedürfnis und ein "endgültiges Ende" ist keinesfalls abzusehen. Antworten


Robert Herz

06.07.2009, 14:03 Uhr
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Der Ölpreis ist extrem ELASTISCH! Schlecht für die Wirtschaft ist eigentlich nicht, dass er hoch ist (was mittelfristig einfach zu einer Anpassung führen würde), sondern eben, dass er so volatil ist. Das wird längerfristig dazu führen, dass nicht nur umweltfreundlichere Energien gefördert werden, sondern solche, die weniger Abhängigkeiten von Desperados jeder Sorte generieren. Antworten



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