Ermittlungen gegen Fifa-Richter

Juan Pedro Damiani, Mitglied der Ethikkommission der Fifa, verwaltete Briefkastenfirmen von Angeklagten im Fifa-Korruptionsverfahren der USA.

Juan Pedro Damiani. Foto: PD

Juan Pedro Damiani. Foto: PD

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

In den letzten Tagen brach Hektik aus in der Führung der Fifa-Ethikkommission. Der Vorsitzende Cornel Borbély und später Chefrichter Hans-Joachim Eckert erfuhren von der «SonntagsZeitung» und weiteren Medien, dass einer ihrer Richter Geschäfte mit mehreren Beschuldigten im US-Fifa-Verfahren machte. Dies haben Recherchen in den Panama-Papieren ergeben.

Es war ein hartes Jahr für die Fifa: die New Yorker Ermittlungen gegen Fifa-Funktionäre, deren Verhaftungen, die Suspendierung von Sepp Blatter. Und es war viel Arbeit für die scheinbar letzten Aufrechten des Verbands: die Mitglieder der Ethikkommission. Sie mussten nicht nur Blatter suspendieren, sondern auch noch Uefa-Chef Michel Platini und weitere hochrangige Funktionäre.

Tief im Bestechungsmorast

Die Aufgabe der Fifa-Ethikkommission ist dabei nahezu unlösbar: Sie soll den korrupten Weltfussball säubern und ethische Regeln durchsetzen. Die Kommission ist zweigeteilt – in eine Ermittlerkammer und ein internes Gericht mit sieben Richtern. Die Glaubwürdigkeit der Kommission lebt vor allem von der persönlichen Integrität ihrer Mitglieder.

Jetzt zeigen Dokumente aus den Panama-Papieren, dass ausgerechnet ein Fifa-Richter über Jahre enge Geschäftsbeziehungen pflegte mit Personen, die tief im Bestechungsmorast stecken: Juan Pedro Damiani, einflussreicher Anwalt aus Uruguay, Präsident des Fussballteams Peñarol Montevideo und seit 2006 Mitglied der Fifa-Ethikkom­mission. Eine der Spezialitäten von Rechtsanwalt Damiani ist das Verwalten von Briefkastenfirmen weltweit. Seine Kanzlei ist einer der wichtigeren Kunden des Offshoreproviders Mossack Fonseca (MF): Mehr als 400 Firmen wurden oder werden von seiner Kanzlei ­betreut.

Zu seinen langjährigen Kunden zählen nicht weniger als drei Hauptbeschuldigte des US-Fifa-Verfahrens: Da ist einmal der ehemalige Fifa-Vizepräsident Eugenio Figueredo. Er wurde im Mai 2015 im Zürcher Luxushotel Baur au Lac zusammen mit sechs weiteren Fifa-Spitzenfunktionären verhaftet und gestand später, Bestechungsgelder entgegengenommen zu haben. Zu Damianis Klienten gehörten weiter die beiden argentinischen TV-Rechtehändler Hugo und Mariano Jinkis. Auch sie zentrale Figuren im Fifa-Verfahren.

Die New Yorker Ermittler werfen ihnen vor, über die Offshorefirma Cross Trading Millionen an Bestechungsgeldern gezahlt zu haben. Bei MF haben die Jinkis gleich drei Briefkastenfirmen mit dem Namen Cross Trading gründen lassen, und zwar auf der Karibikinsel Niue, im US-Bundesstaat Nevada und auf den Seychellen. Die beiden Firmen auf Niue und in Nevada verwaltete Fifa-Richter Damiani.

Damiani ist doppelt involviert – auf beiden Seiten der Korruptionsaffäre.

Damiani war von der Gründung der ersten Cross Trading 1998 in Niue bis zur Auflösung der Cross Trading in Nevada 2015 selbst involviert. E-Mails belegen sogar, dass er sich höchstpersönlich einmischte, wenn er die nötige Diskretion für seine Kunden gefährdet sah. Als MF-Mitarbeiter einen Umschlag mit heiklen Dokumenten öffneten, der für die Cross Trading bestimmt war, beschwerte sich Damiani prompt bei MF in Panama. Bei wichtigen E-Mails betreffend Cross Trading liess er sich ins CC setzen.

Selbst wenn man zu Damianis Gunsten annimmt, dass er bis zur Bekanntgabe der New Yorker Ermittlungen nichts von Bestechungsgeldern wusste, hätte er spätestens dann seine Verstrickung offenlegen müssen, besonders da er ja doppelt involviert ist – auf beiden Seiten der Korruptionsaffäre sozusagen. Er organisierte Briefkastenfirmen für diejenigen, die mutmasslich Schmiergelder zahlten, und auch für einen, der sie erhielt: Eugenio Figueredo.

Für den ehemaligen Fifa-Vizepräsidenten arbeitete Damiani nachweislich seit 2002. Damals war Figueredo Präsident des uruguayischen Fussballverbandes. Ihm gehören mehrere Offshorefirmen, die von MF gegründet wurden – mitsamt Scheindirektoren, um den wahren Besitzer zu verschleiern. Mindestens sechs dieser Firmen wurden von Damianis Kanzlei verwaltet. In ihrem Besitz befinden sich mehrere Immobilien. Noch im Februar 2015 organisierte Damiani eine Vollmacht für Figueredos Frau, damit sie für eine weitere seiner Firmen handeln konnte – eine Gesellschaft, die inzwischen von den uruguayischen Ermittlern durchleuchtet wird.

Interessenkonflikt verheimlicht

Nach der Verhaftung Figueredos im Mai 2015 gingen zwischen MF und der Kanzlei Damiani und bei MF intern aufgeregte E-Mails hin und her. Wie die Panama-Papiere zeigen, liess MF seine Scheindirektoren zurücktreten und die Vollmacht für Figueredos Frau widerrufen. Die Leiterin der MF-Compliance-Abteilung wunderte sich, ob man denn intern bei Figueredos Immobilien ausschliessen könne, dass die Investitionen mit Fifa-Geld getätigt worden seien. Sie fragt: «Haben wir dafür Beweise in den Unterlagen über die Gesellschaft?» Im Juni schickte Damiani MF eine Liste mit dem Vermögen, das in sechs Firmen gehalten wurde. Darunter: ein Bankkonto und etliche Immobilien in Uruguay.

Ende 2015 gab Figueredo, der inzwischen von der Schweiz an Uruguay ausgeliefert wurde, bei seiner Befragung zu, mit Bestechungsgeldern Immobilien in Uruguay gekauft zu haben. Vor Gericht trat als Zeuge auch Rechtsanwalt Damiani auf. Er erwähnte nur drei Offshorefirmen, die er vermittelt haben will – statt der sieben, die in den Panama-Papieren zu finden sind. Er habe von Figueredo nie ein Honorar erhalten und «niemals Güter versteckt». Ausserdem habe er «die wenigen Informationen», die man besessen habe, an die Ermittler weitergegeben.

Auf Anfrage der «SonntagsZeitung» und weiterer Medien am 17. März?2016 erklärte ein Sprecher von Damiani, dieser könne nur begrenzt Auskunft geben. Er betone, er habe aktuell keine Geschäftsbeziehung zu Angeklagten im Fifa-Verfahren – und die Ethikkommission sei informiert. Laut einem Sprecher der Kommission hat Damiani seine Kollegen tatsächlich in einer E-Mail orientiert – am 18. März, einen Tag nach der Anfrage der Journalisten. Er meldete die Geschäftsbeziehung zu Figueredo – ohne Details zu nennen. Zu den Sportrechtehändlern Jinkis schrieb er offenbar nichts. Der Vorsitzende der Richterkammer, Hans-Joachim Eckert, leitete das Schreiben von Damiani einen Tag später an Fifa-Chefermittler Cornel Borbély weiter. Sein Sprecher sagt: «Wir haben sofort eine Voruntersuchung eingeleitet und Herrn Damiani über die Ermittlungen gegen ihn informiert.» Jetzt wird der Fifa-Richter ein Fall für seine Kollegen.

In Zusammenarbeit mit: Owen Gibson («The Guardian»), International Consortium of Investigative Journalists, «Süddeutsche Zeitung»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.04.2016, 20:12 Uhr

Artikel zum Thema

Die Offshore-Firma des isländischen Premiers

Sigmundur David Gunnlaugsson sieht sich mit Rücktrittsforderungen konfrontiert, weil er und seine Frau Geschäfte abwickelten, die es in sich haben. Mehr...

Die Finma schläft ganz offensichtlich

Kommentar Die Offshore-Industrie versteckt Gelder zweifelhafter Natur. Und auch Schweizer mischen mit. Jetzt muss Schluss sein mit Wegschauen. Mehr...

Panama Papers: Wer im Fokus steht

Infografik Präsidenten, Premiers, Assads Cousin: Das Datenleck wirft Licht auf eine illustre Schar, die daran keine Freude haben wird. Eine interaktive Übersicht. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Kommentare

Abo

Weekend-Abo

Unter der Woche Zugang auf das digitale Angebot, am Wochenende die Zeitung im Briefkasten. Jetzt testen.

Die Welt in Bildern

Grusel, Grusel: Taranteln krabbeln den Arm einer Frau in Kambodscha hoch, nachdem sie diese eingefangen hat 21. Juni 2017).
(Bild: Samrang Pring) Mehr...