Müssen wir die Airline über die Allergie informieren?

Die Antwort auf eine Leserfrage zu Rechten und Pflichten im Flugverkehr.

Unsicher bis zuletzt: Noch beim Boarding können Passagiere abgewiesen werden. Foto: Keystone

Unsicher bis zuletzt: Noch beim Boarding können Passagiere abgewiesen werden. Foto: Keystone

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Im Sommer möchten wir mit unserer fünfjährigen Tochter erstmals per Flugzeug verreisen. Das Problem ist, dass sie an einer Erdnussallergie leidet. Sie muss die Nüsse nicht einmal essen, um Atemnot zu bekommen. Es genügt, wenn sie sie berührt oder auch nur in Kontakt kommt mit Gegenständen, auf denen sie lagen. Zwar würden wir für unsere Reise eine Airline wählen, die keine Erdnüsse serviert, und hätten auch unsere eigenen Nahrungsmittel und ein Notfallmedikament mit dabei. Ich habe aber gehört, dass Erdnussallergiker bei Fluggesellschaften generell unerwünscht seien. Es soll sogar schon vorgekommen sein, dass sie aus startklaren Maschinen wieder ausgeladen wurden, als die Crew von der Allergie erfuhr. Das möchten wir natürlich vermeiden. Deshalb fragen wir uns, ob wir die Allergie gegenüber der Airline überhaupt erwähnen sollen. Und: Ist es überhaupt zulässig, jemanden trotz gültigen Tickets stehen zu lassen?

Ja, in gewissen Fällen schon. Denken Sie nur an Passagiere, die alkoholisiert an Bord gehen. Letztlich ist es immer Sache des Piloten, zu entscheiden, ob jemand mitgenommen wird oder nicht. Trotzdem ist es nicht ratsam, die Allergie Ihrer Tochter gegenüber der Airline zu verschweigen. Denn nur so kann auch die Fluggesellschaft Vorsichtsmassnahmen treffen, um einen medizinischen Notfall an Bord zu verhindern. Etwa indem sie andere Passagiere bittet, keine mitgebrachten Erdnüsse zu konsumieren. Oder indem sie Ihnen erlaubt, vorab an Bord zu gehen, um den Sitz und das Tischchen Ihrer Tochter sowie die nähere Umgebung abzuwischen. Am besten informieren Sie die Airline schon im Vorfeld der Reise und später auch die Crew im Flugzeug.

Die Swiss gehört zu jenen Airlines, die auf ihren Flügen keine Erdnüsse servieren. Sie weist die Passagiere auf ihrer Website jedoch darauf hin, dass sie «keine vollständig erdnussfreie Flugzeugumgebung» garantieren könne, weil Erdnüsse in vielen Lebensmittelprodukten vorkämen.

Dass Erdnussallergiker nicht an Bord gelassen oder von Bord gewiesen werden, kommt immer wieder vor. So verweigerte zum Beispiel die Swiss-Muttergesellschaft Lufthansa im letzten Sommer einer Familie den Zutritt zu einem Flug von New York nach München, wie die «New York Times» berichtete. Der Grund: Die Mutter hatte das Personal am Gate über die Erdnussallergie ihrer Tochter informiert. Nützlich kann in solchen Fällen ein Schreiben des Kinderarztes sein, das die Flugtauglichkeit des Kindes bestätigt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.04.2017, 17:42 Uhr

Thomas Müller
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