Unfall vor dem Stellenwechsel: Wer zahlt den Lohn?

Die Antwort auf eine Leserfrage zum Thema Arbeitsrecht.

Angestellte sind obligatorisch gegen Unfälle versichert. Foto: domin_domin (iStock)

Angestellte sind obligatorisch gegen Unfälle versichert. Foto: domin_domin (iStock)

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Vor ein paar Monaten habe ich die Stelle gewechselt. Bis Ende November war ich zu 30 Prozent angestellt. Ab Dezember habe ich bei einem andern Arbeitgeber mit einem Pensum von 60 Prozent angefangen. Die Stelle ist auf ein halbes Jahr befristet. Mitte November bin ich verunfallt und war danach mehrere Wochen arbeitsunfähig. Da der Unfall während meiner Anstellung beim alten Arbeitgeber passierte, hat mir seine Unfallversicherung ein Taggeld bezahlt, solange ich nicht arbeiten konnte. Es basierte auf dem 30-Prozent-Lohn, den ich damals hatte. Ein grosser Teil meiner Arbeitsunfähigkeit fiel aber in die Zeit, als ich bereits die neue Stelle mit dem doppelten Lohn angetreten hatte. Vom neuen Arbeitgeber habe ich keinen Lohnausfall bekommen. Ist das korrekt?

Nein. Sie haben auch vom neuen Arbeitgeber einen Lohnausfall zugute. Die Sache ist allerdings etwas kompliziert, insofern als hier zwei Gesetze ineinandergreifen: das Unfallversicherungsgesetz und das Arbeitsvertragsrecht (OR).

Konkret: Arbeitnehmende sind über ihren Arbeitgeber obligatorisch gegen Unfälle versichert. Die Unfallversicherung kommt für die Heilungskosten auf sowie für den Lohnausfall während der Arbeitsunfähigkeit. In Ihrem Fall passierte der Unfall in der Zeit bei Ihrem früheren Arbeitgeber, weshalb dessen Unfallversicherung zahlungspflichtig wurde. Sie musste Ihnen den Lohn ersetzen, den Sie im Zeitpunkt des Unfalls hatten, bis Sie wieder arbeiten konnten. So will es das Gesetz. Dass Sie in der Zwischenzeit eine neue Stelle angenommen haben, spielt keine Rolle.

Seit dem Stellenwechsel sind Sie beim neuen Arbeitgeber unfallversichert. Weil sich der Unfall aber vorher ereignet hat, muss die neue Versicherung nichts zahlen. Nun kommt das Arbeitsvertragsrecht zum Zug. Dieses verlangt von den Arbeitgebern, dass sie bei Krankheit und Unfall den Lohn eine Zeit lang weiterzahlen. Somit steht Ihr neuer Arbeitgeber in der Pflicht. Da er nicht auf seine Versicherung zurückgreifen kann, muss er Ihren Lohnausfall aus der eigenen Tasche berappen, laut Gesetz zu mindestens 80 Prozent. Im Gegenzug darf er anrechnen, was Sie von der Versicherung Ihres vorherigen Arbeitgebers erhalten haben. Er schuldet Ihnen somit die Differenz zwischen dem Versicherungstaggeld von 30 Prozent und mindestens 80 Prozent Ihres heutigen Lohns.

Anzufügen ist, dass Sie insofern Glück haben, als Ihre neue Anstellung befristet ist, aber mehr als drei Monate dauert. Nur deshalb muss der neue Arbeitgeber von Anfang an für den Lohnausfall geradestehen. Bei unbefristeten Stellen sieht das Gesetz eine dreimonatige Karenzfrist vor.


Senden Sie uns Ihre Fragen zum Arbeitsrecht, Konsumrecht, Sozialversicherungsrecht und Familienrecht an rechtundkonsum@tages-anzeiger.ch

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.03.2017, 22:56 Uhr

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