Teamsitzungen in der Freizeit: Muss ich teilnehmen?

Die Antwort auf eine Leserfrage zum Thema Arbeit.

Unter Beobachtung: Sitzung des bayrischen Regierungskabinetts. Foto: Peter Kneffel (Keystone)

Unter Beobachtung: Sitzung des bayrischen Regierungskabinetts. Foto: Peter Kneffel (Keystone)

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Ich bin Pflegefachfrau; seit der Geburt meines Kindes arbeite ich zu 40 Prozent in einem Spital. Um meine Einsätze möglichst familienverträglich zu gestalten, habe ich mit dem Arbeitgeber mehr oder weniger fixe Arbeitstage vereinbart. Es sind die Tage, an denen meine Tochter in der Krippe ist. Nun kommen aber noch Teamsitzungen dazu; sie finden an wechselnden Wochentagen statt und sollen obligatorisch sein. Wer nicht teilnehmen kann, muss ein ärztliches Zeugnis liefern. Das überrascht mich schon ein bisschen, und ich frage mich, ob die Arbeitgeberin so viel Flexibilität fordern kann.

Wie oft bei arbeitsrechtlichen Fragen kommt es darauf an, was abgemacht ist. Entweder im Arbeitsvertrag oder dann in einem Betriebsreglement. Sind die Sitzungen vereinbart, dann sind sie grundsätzlich auch verpflichtend. Selbst wenn sie ausserhalb der festgelegten Arbeitszeit stattfinden.

Wie häufig Sie verpflichtet werden können, hängt ebenfalls von der Vereinbarung ab. Steht da drin zum Beispiel nur, dass Sie an Teamsitzungen teilnehmen müssen, so lässt sich daraus nicht ableiten, dass Sie jedes Mal dabei sein müssten. Auch sind die Sitzungen rechtzeitig bekannt zu geben, damit Sie diese einplanen können. Arbeitgeber sind verpflichtet, auf Arbeitnehmende mit Familienpflichten Rücksicht zu nehmen, zumal dies ja auch der Grund ist, warum Sie zu einem kleineren Pensum arbeiten. Im Übrigen ist die Teilnahme an Sitzungen als Arbeitszeit anzurechnen und entsprechend abzugelten.

Ihrer Frage ist indes zu entnehmen, dass die Sitzungen offenbar nicht vertraglich vereinbart sind. Dann gibt es keine Pflicht, daran teilzunehmen, und Ihre Arbeitgeberin kann dies auch nicht verlangen. Sie könnte allenfalls argumentieren, die Teilnahme sei Überstundenarbeit. Und diese ist grundsätzlich zu erbringen, sofern sie zumutbar ist. Dabei spielen wiederum Ihre familiären Verpflichtungen eine Rolle. Überstunden müssen indes die Ausnahme sein, was kaum der Fall wäre bei regelmässigen Sitzungen.

Letztlich wird es kaum möglich sein, regelmässig alle Mitarbeitenden zu einem bestimmten Zeitpunkt zur Präsenz zu verpflichten. Erst recht bei Berufen, in denen viele Teilzeit arbeiten. Dessen muss sich Ihre Arbeitgeberin bewusst sein und sich entsprechend organisieren. Das kann etwa bedeuten, dass sie wichtige Informationen den Mitarbeitenden auch auf andere Weise zukommen lässt als an regelmässigen Teamsitzungen.


Senden Sie uns Ihre Fragen zum Arbeitsrecht, Konsumrecht, Sozialversicherungsrecht und Familienrecht an rechtundkonsum@tages-anzeiger.ch. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.03.2017, 09:38 Uhr

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