Ältere müssten gar nicht teurer sein

Die hohen Pensionskassenbeiträge seien ein Grund für die Probleme der Älteren auf dem Arbeitsmarkt, heisst es oft. Doch die Kassen hätten es in der Hand, einheitliche Beitragssätze für alle festzulegen.

Gleiche Pensionskassenbeiträge für Alt und Jung sind nicht populär. Foto: Martin Ruetschi (Keystone)

Gleiche Pensionskassenbeiträge für Alt und Jung sind nicht populär. Foto: Martin Ruetschi (Keystone)

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Ältere Mitarbeiter der UBS sind verunsichert. Denn der jüngst bekannt gewordene Personalabbau soll vor allem altgediente Angestellte treffen. Der Grund: Die Kosten müssen runter, und die Älteren gelten als vergleichsweise teuer. Sie haben nicht nur höhere Löhne, auch für ihre Altersvorsorge müssen die Arbeitgeber mehr Geld aufwerfen. Schuld sei das Gesetz, das für Ältere deutlich höhere Beiträge verlange als für Jüngere, lautet die gängige Kritik.

Es gab bereits mehrere Vorstösse im Parlament, um das Gesetz zu ändern und die sogenannte Altersstaffelung bei den Pensionskassenbeiträgen aufzuheben. Sie scheiterten alle. Erst mit dem Revisionsprogramm der Altersvorsorge 2020 will der Bundesrat etwas ändern. So sollen die altersmässigen Unterschiede zwar nicht aufgehoben werden, aber die Spargutschriften nach dem 45. Altersjahr nicht mehr weiter steigen.

Fakt ist jedoch: Schon heute könnten die Pensionskassen gleich hohe Beitragssätze für alle Altersklassen festlegen, so dass die Älteren nicht teurer wären. Denn das Gesetz über die berufliche Vorsorge ist ein Rahmengesetz, es legt nur fest, wie der obligatorische Teil der Versicherung aussehen soll. Die Umsetzung dieser Vorgaben ist den Pensionskassen überlassen.

Gleich hohe Beitragssätze für alle bedeutet, dass allen Versicherten der gleiche Prozentsatz vom Lohn für die Vorsorge abgezogen wird. Die Jüngeren zahlen somit mehr ein, als ihnen auf dem Alterskonto gutgeschrieben wird, die Älteren bekommen dafür mehr, als sie einzahlen. Der Ausgleich zwischen Jung und Alt findet innerhalb der Kasse statt.

Nur wenige nutzen aber die Möglichkeit, altersunabhängige Beiträge festzulegen. Gemäss Bundesamt für Statistik war dies 2010 lediglich bei jeder fünften Pensionskasse der Fall. Daran dürfte sich in den letzten Jahren kaum etwas geändert haben, teilt das Amt auf Anfrage mit.

Beträchtliche Unterschiede

Eine Stichprobe des «Tages-Anzeigers» bei Kassen unterschiedlicher Grössen und Branchen bestätigt die Zahlen. Gefragt wurde jeweils nach den Beiträgen, welche die Arbeitgeber entrichten, da nur diese einen Kostenfaktor darstellen.

Von den zwölf Vorsorgeeinrichtungen in der Umfrage haben lediglich drei nicht nach Alter abgestufte Beiträge: jene der Migros, des Gastgewerbes und der Krankenkasse CSS.

Bei Gastro Social, der Pensionskasse des Gastgewerbes, ist es der Gesamtarbeitsvertrag (GAV), der solche einheitlichen Beiträge vorschreibt. Die Migros führt eine Kasse mit Leistungsprimat, da sind gleiche Beitragssätze für alle Alters­klassen üblich. Einzig die CSS gibt an, die Pensionskassenbeiträge seien bewusst nicht nach Alter abgestuft, damit die älteren Mitarbeitenden nicht teurer seien als die jüngeren.

Die meisten der befragten Kassen haben abgestufte Beitragssätze, wobei die Unterschiede zwischen den Altersgruppen zum Teil beträchtlich sind. In manchen Fällen gibt es gute Gründe dafür. So bei der Baufirma Implenia: Da zahlt die Arbeitgeberin den 54-jährigen Bauarbeitern 7,5 Prozent in die Altersvorsorge ein, bei den über 55-jährigen sind es 17 Prozent. Dank der höheren Beiträge könnten sich Ältere eher einen vorzeitigen Altersrückzug mit 60 erlauben, wie es der GAV der Bauindustrie vorsehe, teilt die Implenia mit.

Ähnlich ist es bei der Pensionskasse der Swisscom. Die höheren Pensionskassenbeiträge für die über 55-Jährigen dienten als Vorlage für den Sozialplan, sagt Giorgio Pardini, der als Arbeitnehmervertreter im Stiftungsrat der Swisscom-Pensionskasse sitzt. Kommt es bei einem Personalabbau zu vorzeitigen Pensionierungen, so garantieren die höheren Vorsorgebeiträge auch bessere Sozialplanleistungen für die Frührentner.

Die übrigen Kassen in der Umfrage weisen zwar weniger grosse Beitragsdifferenzen zwischen den Altersgruppen auf, doch Pläne, die Altersstaffelung ganz aufzuheben, gibt es nirgends.

Was hindert denn die Kassen und insbesondere die Arbeitgeber, für alle Altersgruppen gleich hohe Beitragssätze festzulegen und damit die Kosten für ältere Arbeitnehmende zu senken?

Es sei sehr schwierig, von einem System mit gestaffelten Beiträgen wegzukommen, sagt Christoph Ryter, Leiter der Migros-Pensionskasse und Präsident des Pensionskassenverbands Asip. Wechselt eine Kasse mit einem abgestuften Beitragssystem zu einem, bei dem die Beitragssätze für alle gleich sind, gehe dies zulasten der älteren Versicherten. Diese profitierten nach dem Wechsel nur noch von tieferen Durchschnittsbeiträgen statt wie ursprünglich vorgesehen von stets steigenden höheren Beiträgen. Das wirke sich auch negativ auf die Leistungen aus. Um abrupte Leistungskürzungen zu verhindern, brauche es für den Systemwechsel einen langsamen Übergang, so wie dies zum Beispiel der Bundesrat mit der Altersvorsorge 2020 vorsehe, sagt Ryter.

Entspricht nicht dem Zeitgeist

Änderungen im Beitragssystem stossen auch bei den Arbeitnehmern auf Skepsis, gerade weil damit oft Leistungsverschlechterungen verbunden seien, bestätigt ein Arbeitnehmervertreter aus dem Stiftungsrat einer Bankenpensionskasse. Kommt dazu, dass in den Stiftungsräten auf der Seite der Arbeitnehmervertreter eher ältere Mitarbeitende sitzen, die sich für die Wahrung ihres Besitzstandes einsetzen.

Es gibt noch andere Gründe für das mangelnde Interesse an Durchschnittsbeiträgen. Laut dem Pensionskassenexperten und Vorsorgeberater Martin Hubatka können sich nur gut ausgebaute Vorsorgeeinrichtungen, die weit mehr als das gesetzlich vorgeschriebene Obligatorium bieten, ein System mit altersunabhängigen Beiträgen leisten, weil es da die Umverteilung zwischen Jung und Alt braucht.

Doch der Trend gehe in die andere Richtung: Viele Kassen hätten früher ein egalitäres Beitragssystem gehabt, dieses dann aber aufgegeben zugunsten eines Systems mit altersmässig abgestuften Beitragssätzen. «Ein System, bei dem alle gleich hohe Beiträge zahlen widerspricht dem Zeitgeist, weil es Solidarität unter den Altersgruppen verlangt.»

In den letzten Jahren habe bei den Pensionskassen eine Entsolidarisierung eingesetzt, so Hubatka weiter. Heute sei das Verständnis verbreitet, wonach man in der 2. Säule genau das erhalten soll, was man auch einbezahlt hat.

Fehlender Druck

Ohne Gesetzesrevision wird sich am bestehenden System kaum etwas ändern. Die Experten Ryter und Hubatka zweifeln auch daran, dass tatsächlich die höheren Pensionskassenbeiträge mitverantwortlich seien für die Schwierigkeiten der älteren Arbeitnehmenden auf dem Arbeitsmarkt. Erwiesen sei dies jedenfalls nicht. Das wiederum könnte ein weiterer Grund dafür sein, warum kaum eine Kasse freiwillig etwas ändert am stark altersmässig abgestuften System der Pensionskassenbeiträge.

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 31.05.2015, 17:43 Uhr)

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