Teilzeit arbeiten rächt sich im Alter

Frauen entscheiden sich oft schon in jungen Jahren, weniger zu arbeiten. An die Altersvorsorge denken dabei die wenigsten.

Bei vielen jungen Müttern nach wie vor beliebt: Lieber daheim mit den Kindern als im Job. Foto: Alamy

Bei vielen jungen Müttern nach wie vor beliebt: Lieber daheim mit den Kindern als im Job. Foto: Alamy

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Kaum werden sie Mütter, reduzieren Frauen ihr Arbeitspensum. Um ihr Glück auszukosten, sind viele nach der Geburt des ersten Kindes höchstens noch zu 50 Prozent berufstätig, jede Vierte hört sogar ganz auf zu arbeiten. Auch äussere Faktoren wie hohe Krippenkosten oder die nach wie vor verbreitete Vorstellung, wonach gute Mütter ihre beruflichen Interessen hintanstellen, halten viele von einem höheren Beschäftigungsgrad ab.

Infografik: Verheiratete Mütter bevorzugen niedrige Teilzeitpensen Zum Vergrössern der Grafik bitte hier klicken.

Teilzeitarbeit scheint allerdings auch für alleinstehende, kinderlose Frauen der ideale Weg zu sein, um Privatleben und Beruf zu vereinbaren. Nicht einmal die Hälfte unter ihnen ist voll berufstätig. Schon junge Frauen arbeiten reduziert und richten sich frühzeitig auf eine Teilzeitkarriere ein. An die Altersvorsorge denken dabei die wenigsten.

Doch was in gewissen Lebensphasen als ideale Lösung erscheint, hat einschneidende Konsequenzen für die Zeit nach der Pensionierung: Reduzierte Pensen schmälern die Rente. Wie eine kürzlich publizierte Studie im Auftrag der Schweizerischen Konferenz der Gleichstellungsbeauftragten zeigt, riskieren Frauen, die über längere Zeit ein zu tiefes Pensum haben, im Rentenalter nur knapp über die Runden zu kommen oder stark vom Partner abhängig zu sein. Alleinstehende können sich einen tiefen Beschäftigungsgrad nur erlauben, wenn sie viel verdienen und eine grosszügige Pensionskasse haben. Bekanntlich ist das bei Frauen oftmals nicht der Fall.

Sich wappnen

Wer im Alter nicht darben und auf Ergänzungsleistungen angewiesen sein will, kommt nicht darum herum, sich frühzeitig mit der Frage auseinanderzusetzen, wie sich Teilzeitarbeit auf die Altersvorsorge auswirkt. Nur so gelingt es, falsche Vorstellungen über das Rentensystem abzubauen und die Weichen richtig zu stellen.

AHV: Viele gehen irrtümlich davon aus, für eine maximale AHV-Rente von derzeit 2350 Franken pro Monat genüge es, keine Beitragslücken zu haben. Doch nebst der vollen Beitragszeit müssen Einzelpersonen über die ganze Erwerbszeit hinweg durchschnittlich 84'600 Franken pro Jahr verdienen, um das AHV-Maximum zu bekommen. Das lässt sich mit einem mittleren Frauenlohn in der Regel nur erreichen, wenn man voll arbeitet. Wer Kinder hat, steht besser da. Dank der Erziehungsgutschriften können Frauen ihr Pensum über eine längere Zeit reduzieren und trotzdem das Niveau ihrer Rente beibehalten.

2. Säule: Die AHV allein reicht allerdings bei weitem nicht, um das Existenzminimum abzudecken. Dieses beträgt derzeit rund 3100 Franken pro Monat für Alleinstehende und rund 4500 Franken für Ehepaare. Hier soll deshalb die 2. Säule einspringen. Rund 40 Prozent aller Versicherten sind aber in einer Pensionskasse, die nur das gesetzliche Minimum oder wenig mehr bietet. Überdies gibt es in der 2. Säule keinen Bonus für Mütter, die weniger arbeiten. Jede und jeder spart individuell aufgrund seines Lohnes an, weshalb sich ein reduziertes Pensum direkt in den Leistungen niederschlägt. Kleinverdienerinnen sind zudem in der 2. Säule benachteiligt. So sind Einkommen erst ab einer bestimmten Höhe versichert, und auch der sogenannte Koordinationsabzug wirkt sich auf tiefe Löhne überproportional aus.

Im Unterschied zur AHV hat das Pensionskassensystem den Vorteil, dass man freiwillige Einzahlungen tätigen kann. Damit lassen sich allfällige Lücken schliessen und gleichzeitig Steuern sparen. Es gilt jedoch, den richtigen Zeitpunkt nicht zu verpassen. Nach einer Reduktion des Pensums sind Einkäufe nicht mehr möglich. Diese müssen entweder vorher erfolgen oder wenn der Beschäftigungsgrad erhöht wird.

Scheidung als Armutsrisiko

Die Ehe bietet auch für Frauen mit geringen Pensen einen relativ guten Schutz, vorausgesetzt, der Mann arbeitet Vollzeit, was meist der Fall ist. Angesichts der hohen Scheidungsrate ist es jedoch fatal, sich auf diese Absicherung zu verlassen. Kommt es zur Trennung, ist dies oft mit einem erheblichen Armutsrisiko verbunden. Auf den ersten Blick erscheint das paradox, zumal geschiedene Frauen von diversen Ausgleichsmassnahmen profitieren, die ihre Vorsorgeleistungen verbessern.

So fällt zum einen der Plafond bei der AHV-Rente weg, wie er für Ehepaare gilt. Zum andern haben Geschiedene dank des Einkommenssplittings einen hälftigen Anteil an den AHV-Beiträgen ihres Ehemannes. Das Gleiche gilt für die 2. Säule, wo die während der Ehe angehäuften Guthaben geteilt werden. Wenn aber Frauen während des Zusammenlebens nur wenig oder gar nicht gearbeitet haben, gibt es auch weniger zu teilen. Zudem müssen sie nach der Scheidung ohne das Einkommen des Partners auskommen. Frauen mit niedrigen Löhnen können die Verluste in ihrer Altersvorsorge selbst mit einer markanten Erhöhung des Arbeitspensums oft kaum wettmachen. Hinzu kommen die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt, die es insbesondere älteren Arbeitnehmenden ­erschweren, ihr Pensum zu erhöhen, wenn sie zuvor über lange Zeit wenig oder gar nicht gearbeitet haben.

Besser ist, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen. Wer durchschnittlich während der ganzen Erwerbszeit mindestens 70 Prozent arbeite, der gehe auch im Fall einer Scheidung die geringsten finanziellen Risiken fürs Alter ein, sagen die Gleichstellungsexpertinnen. Diese Empfehlungen sind umso dringender angesichts der Tatsache, dass die Leistungen der Pensionskassen in der letzten Zeit stark gesunken sind und mit weiteren empfindlichen Reduktionen zu rechnen ist.


Senden Sie uns Ihre Fragen zum Arbeitsrecht, Konsumrecht, Sozialversicherungsrecht und Familienrecht an rechtundkonsum@tages-anzeiger.ch (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 20.06.2016, 08:58 Uhr)

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