China-Schock für Schweizer Hoteliers

Wir zeigen, warum die Trendwende bei asiatischen Gästen so gefährlich für den Tourismus ist – und wer der Branche trotzdem Mut macht.

Eine der wichtigsten Zielgruppen für den Schweizer Tourismus: Chinesen, hier auf dem Titlis.

Eine der wichtigsten Zielgruppen für den Schweizer Tourismus: Chinesen, hier auf dem Titlis. Bild: Urs Flüeler/Keystone

Um inländische Gäste müssen sich die hiesigen Hotels keine Sorgen machen. 2016 verzeichneten sie laut dem Bundesamt für Statistik 16,2 Millionen Logiernächte von Schweizerinnen und Schweizern, 192’000 mehr als im Vorjahr. Damit setzt sich der positive Trend fort: Seit 2006 haben die Übernachtungen von Schweizern im eigenen Land um eine Million oder 6,5 Prozent zugenommen.

Kopfzerbrechen bereitet den Hoteliers hingegen der Rückgang der ausländischen Nachfrage. Touristen aus dem Ausland buchen zwar nach wie vor mehr als die Hälfte aller Logiernächte, ihre Zahl ist aber im dritten Jahr in Folge gesunken. 19,3 Millionen Übernachtungen waren es 2016, 288’000 oder 1,5 Prozent weniger als 2015.

Verantwortlich dafür ist unter anderem der seit 2009 zu beobachtende Abwärtstrend bei der europäischen Kundschaft. Dieser setzte sich auch 2016 fort (-172'000 Logiernächte), was vor allem daran liegt, dass immer weniger Deutsche (-149'000) und Russen (-46'000) die Schweiz besuchen. Übernachtungen deutscher Gäste nahmen zum achten Mal in Folge ab.

Den stetigen Rückgang europäischer Kundschaft konnten die Hotels in den letzten Jahren zumindest teilweise mit einer steigenden Nachfrage aus Asien kompensieren. Die Trendwende 2016 trifft den Schweizer Tourismus deshalb besonders hart: Nach mehreren Jahren ununterbrochenen Wachstums ging die Nachfrage der asiatischen Gäste im Vergleich zu 2015 um 160'000 Logiernächte und damit 3,4 Prozent zurück.

Zurückzuführen ist diese negative Trendwende auf die starke Abnahme der chinesischen Gäste, die mit einem Minus von fast 248'000 Logiernächten (-18 Prozent) den stärksten Rückgang aller Herkunftsländer überhaupt verzeichneten. Dabei war China in den vergangenen Jahren der grösste Wachstumsmarkt für den Schweizer Tourismus: Von 2008 bis 2015 stieg die Zahl der Übernachtungen von Chinesen rasant von gut 200’000 auf über 1,3 Millionen.

Bei Japan – aus Sicht der Hoteliers nach China das zweitwichtigste asiatische Land – war hingegen schon seit 2012 ein Rückgang festgestellt worden. Dieser setzte sich 2016 fort, mit 34’000 (-8,5 Prozent) weniger Übernachtungen.

Den Rückgang aus diesen beiden wichtigen Ländern konnten die Schweizer Hotels auch nicht mit der Zunahme der Logiernächte von Gästen aus Südkorea (7,1 Prozent) und den Golfstaaten (3,2 Prozent) kompensieren, die ebenfalls zu Asien gezählt werden.

Dass die Bilanz mit den ausländischen Touristen trotz Rückgang in Europa und Asien nicht allzu drastisch ausfällt, haben die Hotels zu einem grossen Teil den Amerikanern zu verdanken. 2016 buchten US-Gäste 95’622 oder 5,5 Prozent Übernachtungen mehr in der Schweiz als im Vorjahr. Die Vereinigten Staaten bleiben damit das zweitgrösste Herkunftsland.

Nach den Schweizern, die mit Abstand die grösste Zielgruppe bilden, lebt der hiesige Tourismus nach wie vor von den Deutschen – trotz stetigem Rückgang der Logiernächte in den letzten acht Jahren. Fast jeder fünfte ausländische Hotelgast kommt aus Deutschland. Erfreulich ist für den Schweizer Tourismus die Zunahme der Gäste aus den USA, die seit 2011 anhält. Immer wichtiger könnten in Zukunft zudem Touristen aus den Golfstaaten werden. Die Zahl der von ihnen gebuchten Übernachtungen steigt seit sechs Jahren und beträgt schon fast eine Million.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.02.2017, 13:15 Uhr

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