Coop macht es diesmal anders

Das bisher schwache Grosshandelsgeschäft half der Detailhändlerin letztes Jahr, die Marge zu halten. Künftig will Coop stärker auf vegetarische und vegane Produkte setzen.

Fertigprodukte in einer Coop-Filiale in Basel. Foto: Christian Beutler (Keystone)

Fertigprodukte in einer Coop-Filiale in Basel. Foto: Christian Beutler (Keystone)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Coop-Präsident Hansueli Loosli kann sich ein kleines bisschen freuen. Als er vor gut fünf Jahren, damals noch als Chef, die Grosshandelsfirma Transgourmet kaufte, erntete er viel Kritik. Das Geschäft mit den grossen Mengen, in Abholmärkten oder als Lieferservice, birgt Risiken und vor allem: Man verdient nicht viel damit. Die Margen im Grosshandel liegen um einiges tiefer als im ­Detailhandel. Das zeigte sich bei Coop darin, dass die Rentabilität der Gruppe markant tiefer liegt, seit Transgourmet dazugehört.

Daran hat sich auch im letzten Geschäftsjahr nicht viel geändert. Doch was dieses Mal anders ist: Coop konnte die Rentabilität in einem der schlechtesten Detailhandelsjahre überhaupt nur halten, weil die Sparte Grosshandel/Produktion besser abschnitt. Deren Betriebsgewinnmarge stieg um 0,5 Prozentpunkte auf 2,7 Prozent. Im Detailhandel hingegen sank sie um 0,4 Punkte auf 2,9 Prozent. Die Margen der beiden Geschäftsbereiche rücken damit näher zusammen. «Das ist ein Trend», bestätigt eine Sprecherin. Die Gruppenmarge stagnierte bei 3 Prozent.

Währungseffekt wettgemacht

«Transgourmet war 2015 in allen sechs Ländern profitabel», sagt der aktuelle Coop-Chef Joos Sutter. Die Profitabilität habe gegenüber dem Vorjahr zugenommen. Diverse Länder sind aus den roten Zahlen herausgeführt worden. Details zu den einzelnen Ländern Schweiz, Deutschland, Frankreich, Polen, Rumänien und Russland weist Coop nicht aus. Die ganze Sparte Grosshandel/Produktion hat einen Betriebsgewinn von 283 Millionen Franken erzielt, 17 Prozent mehr als im Vorjahr. Ein Teil davon ist währungsbedingt – die Kosten fallen in Franken gerechnet tiefer aus als in Lokalwährungen – aber nicht nur. Coop hat die Kosten überproportional gesenkt, sodass vom Gewinn in Lokalwährungen auch nach der Umrechnung in Franken noch etwas übrig blieb. Ein weiterer Grund für die Margensteigerung ist die Übernahme der Mehrheit der hiesigen Convenience-Produzentin Hilcona.

Zu sehr freuen kann sich Präsident Loosli allerdings nicht. Denn der Umsatz von Transgourmet sank letztes Jahr markant. Im Inland wegen der Tourismuskrise. Im Ausland eben wegen der Umrechnung in Franken. Im Gegensatz zum Gewinn konnte Coop den Währungseffekt beim Umsatz nicht überkompensieren. Der Nettoerlös betrug letztes Jahr noch 7,5 Milliarden Franken. Und die Risiken in Ländern wie Russland, wo Wirtschaft und Politik in Kriege verwickelt sind, die Konsumenten streiken und Korruption zur Geschäftspraxis gehört, sind nach wie vor hoch.

Zum Vergrössern auf Grafik klicken.

Wenig Anlass zur Freude gab Loosli auch das Kerngeschäft. Die gesunkene Marge im Detailhandel zeigt sich in einem markant tieferen Betriebsgewinn. Auf Stufe Ebit sank dieser um 16 Prozent auf 492 Millionen Franken. Preissenkungen in Millionenhöhe und die Konkurrenz aus dem In- und Ausland, sowie dem Internet belasten. Die Kosten zu senken, war offenbar nicht so einfach. Die Preissenkungen habe Coop teils selbst finanziert, so die Sprecherin. Beim Personal sei nicht gespart worden. Der Personalbestand im Detailhandel sank zwar leicht, die Anzahl Vollzeitstellen aber stieg.

Auf der anderen Seite arbeitet Coop auch am Verkaufsmix. Bio, Fair Trade, Swissness, regionale Produkte oder Produkte für Menschen mit Lebensmittel­unverträglichkeiten rentieren besser als Standardprodukte. Marketingchef Phi­lipp Wyss will die Spezialprodukte denn auch weiter stärken. Und er hat eine zusätzliche Linie ausgemacht, die er forcieren will: Karma für vegetarische und vegane Produkte. War diese bisher auf Frischprodukte beschränkt, wird sie künftig auf das gesamte Sortiment ausgeweitet. Langfristig sieht Wyss damit ein Umsatzpotenzial von bis zu 500 Millionen Franken. Präsident Loosli kann sich vielleicht bald auch wieder über das Kerngeschäft freuen.

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 23.02.2016, 22:00 Uhr)

Stichworte

Artikel zum Thema

Verzweifelte Suche nach dem alten Glanz

Von der Detailhandelskrise sind Warenhäuser am stärksten betroffen. Globus, Manor, Loeb und Coop-City – alle müssen sich neu erfinden, um zu überleben. Mehr...

So schneiden Migros, Coop und Co. im internationalen Vergleich ab

Während die Detailhändler weltweit wachsen, sinken in Europa die Umsätze vielerorts. Die Schweizer Detailhändler gerieten wegen des starken Frankens unter Druck. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Anzeigen

Werbung

Kommentare

Die Welt in Bildern

Der Wüstenbesuch: Die britische Premierministerin Theresa May am zweiten Tag des Gulf-Cooperation-Council-Gipfels in Manama, Bahrain. Am diesjährigen Treffen werden regionale Themen, etwa die Situation in Jemen und Syrien, sowie auch die vermeintliche Bedrohung aus dem Iran besprochen. (7. Dezember 2016).
(Bild: Carl Court / Getty) Mehr...