Das bedeutet das Elektronikverbot an Bord von Flugzeugen

Auf bestimmten Flügen sind Laptops und Tablets ab heute unerwünscht. Die wichtigsten Fakten zum Thema.

Zu gross: E-Reader dürfen auf etlichen Flügen in die USA nicht mehr in die Kabine mitgenommen werden. Foto: Alamy Stock Photo

Zu gross: E-Reader dürfen auf etlichen Flügen in die USA nicht mehr in die Kabine mitgenommen werden. Foto: Alamy Stock Photo

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Was genau ist überhaupt an Bord verboten?

Die Mitnahme von allen elektronischen Geräten im Handgepäck auf bestimmten Flügen aus dem Nahen Osten ist ab heute verboten. Nur Handys oder medizinische Ausrüstung, die auf dem Flug gebraucht wird, sind von diesem Verbot ausgeschlossen.

Welche Flüge sind betroffen?

Nonstop-Flüge ab neun Flughäfen in vorwiegend muslimischen Ländern in die USA sind betroffen: Abu Dhabi, Casablanca, Doha, Dubai, Istanbul, Jidda, Kairo, Kuwait City und Riad. Die britische Regierung zog noch am Dienstag nach und verkündete ein ähnliches Verbot von Geräten, deren Masse 16 Zentimeter Länge, 9,3 Zentimeter Breite und 1,5 Zentimeter Tiefe überschreiten. Allerdings sind vom britischen Verbot nur sechs Länder betroffen: die Türkei, Libanon, Jordanien, Ägypten, Tunesien und Saudiarabien.

Betrifft das Verbot auch die jeweils heimischen Fluggesellschaften?

Theoretisch ja. Allerdings fliegt keine US-Fluggesellschaft aus den betroffenen Flughäfen ab. Aus den Golfstaaten wie Katar oder den Vereinigten Arabischen Emiraten haben sich United, American, Delta und Co. wegen der harten Konkurrenz durch die dortigen Anbieter zurückgezogen. Auch aus Istanbul gibt es von heimischen Anbietern keine Direktflüge mehr. Wie die US-Regierung mittlerweile bestätigt hat, betreffen die neuen Regeln die folgenden Airlines: Royal Jordanian, Egyptair, Turkish Airlines, Saudi Arabian Airlines, Kuwait Airways, Royal Air Maroc, Qatar Airways, Emirates and Etihad Airways. In Grossbritannien sind auch einheimische Airlines betroffen: British Airways, Easyjet, Jet 2, Monarch, Thomas Cook und Thomson fliegen in die betroffenen Länder.

Kann man Laptops und Tablets ins Aufgabegepäck packen?

Passagiere werden aufgefordert, ihre elektronischen Geräte ins Aufgabegepäck zu verstauen. Doch das birgt auch Risiken. So droht etwa die Anzahl der Diebstähle aus dem Gepäck zu steigen. Eine solche Entwicklung sei im Jahr 2006 zu beobachten gewesen, als Grossbritannien kurzzeitig eine ähnliche Massnahme eingeführt hatte, sagt Jeffrey Price, Luftfahrtsicherheitsexperte der Metropolitan State University of Denver, der Nachrichtenagentur AP. Er kritisiert auch, dass in den Laptops und Tablets meist Lithiumbatterien eingebaut sind. Und die können in Einzelfällen Feuer fangen. Die internationale Luftfahrtorganisation ICAO sieht die Mitnahme von Elektrogeräten im Aufgabegepäck aber sicherheitstechnisch als unbedenklich an. Sind die Lithiumbatterien in Geräten eingebaut, dürfen sie in den Frachtraum.

Was steckt hinter der Massnahme?

Die US-Regierung nennt offiziell die Bedrohung durch Terrorattacken als Grund für das neue Verbot. «Wir haben Grund zu der Annahme, dass terroristische Gruppierungen die Luftfahrtsicherheit ins Visier nehme», heisst es in einer Pressemitteilung des Ministeriums für innere Sicherheit. Die meisten Flughäfen nutzen für die Kontrolle von Aufgabegepäck CT-Scanner, die mehr potenzielle Risiken entdecken können als das Röntgen in der Handgepäckkontrolle.

Doch die Argumentation ist nicht ganz stringent: Zum einen sind grosse internationale Hubs wie Dubai und Istanbul davon betroffen, deren Sicherheitsvorkehrungen mit internationalen Standards im Einklang stehen und teilweise sogar strenger sind als an einigen westlichen Zielen. Und: Falls ein Passagier ab einem der Flughäfen über ein anderes Land in die USA reist, dann greift der Bann nicht.

Abu Dhabi und Dubai bieten Reisenden in die USA die sogenannte Pre Clearance an. Sie ermöglicht es Passagieren, Einreiseformalitäten bereits vor dem Abflug zu erledigen. Eigentlich ist das ein Sicherheitssiegel der US-Behörden. Warum sind die Airports dennoch betroffen?

Eine konkrete Antwort darauf gibt es nicht. Die britische Regierung schliesst denn auch Abu Dhabi, Dubai und Katar nicht in die vom Verbot betroffenen Destinationen ein. Die US-Regierung nannte keine Kriterien, nach denen die Flughäfen ausgewählt wurden. Aber Sicherheitsexperte Jenkins geht davon aus, dass die USA befürchten, dass ein Anschlag durch einen «Inside Job» bevorstehen könnte. Übersetzt heisst das, dass Flughafen- oder Airline-Mitarbeiter in die Planung und Ausführung eines Anschlags involviert sein könnten.

Gab es schon mal einen Anschlag mit einem elektronischen Gerät?

In einem Fall wird das vermutet. Ein Airbus A321 der somalischen Daallo Air musste auf dem Weg nach Djibouti im vergangenen Jahr in Mogadiscio notlanden, nachdem sich eine Explosion an Bord ereignet hatte. Nur ein Passagier starb dabei, vermutlich war es der Attentäter. Es wird vermutet, dass er eine Bombe in einem Laptop an Bord geschmuggelt hatte.

Könnte das Verbot auch andere Gründe haben?

Zumindest in den USA ist das möglich. Von der Massnahme sind auf US-Flügen ausschliesslich ausländische Airlines betroffen – unter ihnen auch die drei grossen Golfanbieter Emirates, Etihad und Qatar Airways. In Grossbritannien sind diese nicht ins Verbot einbezogen. Die US-Fluggesellschaften United, Delta und American klagen seit Jahren über die zunehmende Konkurrenz aus Nahost. Vor allem auf Strecken nach Asien oder Afrika graben Emirates und Co. ihnen Passagiere ab. Doch da diese Flüge nun über die vom Verbot betroffenen Flughäfen führen, könnten viele Passagiere sich nun doch wieder für die heimischen Anbieter entscheiden.

Die Chefs grosser amerikanischer Airlines hatten sich erst vor einigen Wochen bei einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump über die Golfairlines beschwert und gefordert, dass die Regierung Flüge der Golfanbieter stärker reguliert. Ob das nun mit ein Grund für den Entscheid ist oder nicht – willkommen ist er bei den amerikanischen Airlines sicherlich. Zudem argumentieren Kritiker des Verbots, dass die USA durch die neue Massnahme noch einfacher den Inhalt der elektronischen Geräte überprüfen können. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.03.2017, 21:42 Uhr

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