Der Alltag der Frauen soll günstiger werden

Für dieselben Produkte bezahlen Frauen oft deutlich mehr als Männer. Nun müsse die Politik eingreifen, fordert SP-Nationalrat Jean Christophe Schwaab.

Frauen bezahlen mehr, zum Beispiel beim Coiffeur: Eine Kundin beim Spitzenschneiden.  Foto: Cavan Images, Gallerystock

Frauen bezahlen mehr, zum Beispiel beim Coiffeur: Eine Kundin beim Spitzenschneiden. Foto: Cavan Images, Gallerystock

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Jean Christophe Schwaab hat zwei Kinder, einen fünfjährigen Sohn und eine zweijährige Tochter. Was den SP-Nationalrat immer wieder nervt: dass die Spielsachen, die er für seine Tochter kauft, oft viel mehr kosten als jene für den Sohn. Im Erwachsenenleben setzt sich dieser Trend fort. Der Haarschnitt beim Coiffeur, die Bluse in der Reinigung, die Gesichtscreme in der Kosme­tik­abteilung – alles Dinge, die Frauen oft teurer zu stehen kommen als Männer.

«Gender Pricing» oder «Pink Tax» nennt sich dieses Phänomen, und es gibt dazu auch einige Studien, etwa aus den USA. Die US-Konsumentenschützer analysierten letztes Jahr 794 Produkte – darunter Spielwaren, Kinderkleider, Pflege- und Gesundheitsprodukte –, unterteilten sie nach Geschlecht und erfassten die Preise. Das Resultat: In 40 Prozent der Fälle ergab sich kein Preisunterschied, in 18 Prozent bezahlten die Männer mehr – und in 42 Prozent die Frauen.

Am grössten ist der Preisunterschied bei den Pflegeprodukten: Dafür bezahlen Frauen durchschnittlich ganze 13 Prozent mehr. Spielwaren für Mädchen sind im Schnitt rund 7 Prozent teurer als solche für Jungs. Ein besonders krasses Beispiel: Ein Miniscooter, der in Rot 25 Dollar kostete – in Pink aber doppelt so viel. Dabei unterschieden sich die beiden Modelle bloss in der Farbe. «Es ist verrückt, wie die Preise für Spielsachen nach oben schnellen, sobald sie pink und mit Pailletten besetzt sind», sagt Schwaab zur Westschweizer Zeitung «Le Matin Dimanche».

Bund soll Fakten schaffen

Die Hersteller begründen die unterschiedlichen Preise jeweils mit der «grösseren Zahlungsbereitschaft» von Frauen oder mit den höheren Werbekosten bei frauenspezifischen Produkten. Die Vermutung liegt deshalb nahe, dass die Tendenz in der Schweiz dieselbe ist wie in den USA. Allerdings gibt es dazu keine harten Fakten, weil hierzulande noch nie eine vergleichbare Studie durchgeführt worden ist. Das soll sich nach dem Willen von SP-Nationalrat Schwaab ändern. Letzte Woche hat er ein entsprechendes Postulat eingereicht. Darin beauftragt er den Bundesrat, die Preisunterschiede zwischen Frauen- und Männerprodukten zu analysieren. Schwaab bezieht sich auf das Gleichstellungsgesetz, nach dem Frauen und Männer gleichberechtigt sind. Punkto Konsumentenpreise sei dies aber in zahlreichen Fällen nicht gegeben. Zum Beispiel dann, wenn ein einfacher Kurzhaarschnitt Frauen teurer zu stehen komme als Männer, obwohl die Dienstleistung im Grunde dieselbe sei. Damit seien die Frauen gleich doppelt benachteiligt, findet Schwaab: «Sie verdienen im Durchschnitt nicht nur weniger als Männer, sie müssen für viele Produkte auch noch mehr Geld ausgeben.»

Der Bundesrat muss nun bis zur nächsten Session bekannt geben, ob er das Postulat annehmen will. Tut er dies und zeigt die Studie, dass auch in der Schweiz auffallend grosse Preisunterschiede bestehen, müsse der Bundesrat konkrete Gegenmassnahmen vorschlagen, sagt Schwaab. Denkbar wäre etwa, dass er die Anbieter der betroffenen Produkte – also die Detailhändler, Coiffeure oder Wäschereien – dazu auffordert, die Preisdifferenzen freiwillig zu bereinigen. «Nützt das nichts, müssen die Anbieter per Gesetz zum Umdenken gezwungen werden.»

Der Lausanner Politiker ist nicht der Erste, der das «Gender Pricing» auf die politische Agenda bringt. Vor einem Jahr hat SP-Nationalrätin Yvonne Feri eine ähnliche Anfrage beim Bundesrat deponiert, und zwar zum Thema Zollkosten. Denn diese sind für Männer- und Frauenkleider unterschiedlich hoch: Bei Frauenkleidern werden am Zoll rund 5 Prozent des Importwerts fällig, bei den Männern sind es nur 3 Prozent. Feri wollte wissen, ob der Bundesrat die Abschaffung dieser Ungleichheit bereits in die Wege geleitet habe.

Doch dieser beschwichtigte. Die Zollgebühren hätten ohnehin keinen grossen Einfluss auf die Endverkaufspreise. Mit den wichtigsten Beschaffungsmärkten im Kleidersektor – der EU und China – habe die Schweiz zudem Freihandelsabkommen abgeschlossen, weshalb der grösste Teil der Kleiderimporte zollfrei erfolge. Der Bundesrat sei aber «weiterhin bestrebt, die unterschiedlichen Zoll­ansätze für artgleiche Männer- und Frauenkleider im geeigneten Zeitpunkt zu beseitigen».

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 22.03.2016, 23:15 Uhr)

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