Der Metro für Güter fehlen noch die Grossinvestoren

SBB, Post und Grossverteiler streben eine unterirdische Bahn für Waren an. Bereits 2030 könnte sie in Betrieb gehen – sofern sie finanziert werden kann.

50 Meter unter der Erde sollen Güter in unbemannten Fahrzeugen durchs Mittelland transportiert werden. Visualisierung: Cargotube, Keystone

50 Meter unter der Erde sollen Güter in unbemannten Fahrzeugen durchs Mittelland transportiert werden. Visualisierung: Cargotube, Keystone

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Das Projekt ist ambitioniert. Sehr ambitioniert. Von Genf bis St. Gallen sollen künftig Paletten und Pakete unterirdisch transportiert werden – durch einen Tunnel ausschliesslich für Güter. Allein die erste Etappe von Härkingen/Niederbipp nach Zürich kostet 3,5 Milliarden Franken, wie eine gestern vorgestellte Machbarkeitsstudie festhält.

Finanzieren soll das nicht etwa der Staat, sondern die Privatwirtschaft. Und diese zeigte sich bis anhin durchaus interessiert. Im Verein Cargo sous Terrain engagieren sich etwa Coop, Migros, Manor, Swisscom, Post, SBB und Mobiliar. Sie haben die Machbarkeitsstudie bezahlt, laut der eine solche Gütermetro nicht nur technisch realisierbar, sondern auch rentabel ist. Nun wird sich zeigen, wie stark die Wirtschaft an dieses Resultat glaubt. Denn um das Projekt bis zur Baubewilligung voranzutreiben, braucht es 100 Millionen Franken, die in den nächsten zwei Jahren aufgetrieben werden müssen.

So soll die unterirdische Metro funktionieren. (Video: Cargo sous terrain)

Swisscom-CEO Urs Schaeppi winkt schon mal ab: «Das ist nicht unser Geschäft, da werden wir nicht gross investieren.» Swisscom könne sich aber vorstellen, bei den technischen Konzepten mitzuarbeiten, so Schaeppi zum TA. Auch die SBB sehen sich nicht als Investorin – jedenfalls nicht in der Bauphase. Dies könne sich allenfalls ändern, wenn die Gütermetro in Betrieb gehe, sagt Nicolas Perrin, SBB Cargo-Chef.

Positive Signale

Noch offen ist derweil ein allfälliges Investment von Coop. CEO Joos Sutter will ein solches prüfen. Dasselbe gilt für die Post. Sie möchte sich auf jeden Fall weiter bei Cargo sous Terrain (CST) engagieren, hat aber noch nicht entschieden, ob mit einem grösseren Geldbetrag.

Positive Signale sendet schon mal die Mobiliar. Der Versicherungskonzern hat bereits 300'000 Franken gesprochen, um die Machbarkeitsstudie zu ermöglichen. Jetzt teilt er mit: «Wenn Cargo sous Terrain sich als sichere Anlage mit nachgewiesener Rendite behaupten kann und gleichzeitig Vorteile für Logistik und Umweltschutz bringt, ist es für uns interessant.» Über ein künftiges Investment werde «aktuell diskutiert».

Das dürfte mit dazu beitragen, dass sich CST-Präsident Peter Sutterlüti «zuversichtlich» zeigt, was die Finanzierung betrifft. Erste Sondierungsgespräche hätten bereits stattgefunden. Namen könne er aber noch keine nennen.

Der Bundesrat wird voraussichtlich im Sommer entscheiden, ob er die Gütermetro mittels eines Spezialgesetzes rechtlich ermöglichen will. Bis in fünf Jahren soll dann die Baubewilligung für die erste Etappe vorliegen. Und wenn der Zeitplan der Promotoren bis zum Schluss eingehalten werden kann, könnte die erste Güterfracht 2030 durch den Tunnel fahren.

Zum vergrössern auf das Bild klicken (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 26.01.2016, 23:15 Uhr)

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