Die Zukunft parkiert in Zumikon

Die Schweizer Firma Rinspeed konzipiert ein Auto, das selbst fährt und zahlt. Und liegt damit voll im Trend.

Das Auto der Zukunft ist selbstfahrend und Zahlmittel: Die Vision des Autoentwicklers Frank M. Rinderknecht. Video: Jan Derrer

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Zumikon liegt nicht im Silicon Valley. In einer Garage der Zürcher Gemeinde, in der laute Musik aus dem Radio plärrt, es nach Schmieröl riecht und derbe Witze gemacht werden, steht für einige Tage aber ein Sportwagen, der Auto und Internet verbindet. Das Modell heisst Etos, der neue Konzeptwagen der Firma Rinspeed des Autotüftlers Mark Rinderknecht. Der schnittige Sportwagen mit Hybridmotor fährt wie das berühmte Google-Auto von alleine und ­bezahlt auch gleich noch das Parkticket selber.

Verantwortlich dafür ist der Schweizer Zahlungsdienstleister Six. Das Ziel des Konzeptwagens ist es, aufzuzeigen, in welche Richtung sich die Technologie künftig entwickeln könnte. Geht es nach den Vorstellungen der Promotoren, kann das Auto nicht nur im Parkhaus die Gebühr selbst bezahlen. Beim Fahren lassen sich auch gleich noch Börsen­aufträge abwickeln. Der Etos wird als eine Zukunftsvision in wenigen Tagen am Autosalon in Genf ausgestellt.

Dass so etwas vielleicht schon bald Realität wird, zeigte sich an der wichtigen Mobiltechnologie-Messe in Barcelona. Dort gaben sowohl Mastercard als auch Visa unabhängig voneinander ­bekannt, aus Alltagsgegenständen wie Schmuck, Kleidern oder Autos ein Portemonnaie machen zu wollen.

Bezahlen am Kühlschrank

Die Bezahltechnologie ist im Umbruch. Zwar ist das globale Volumen von Bargeldbezügen laut den Londoner Marktforschern von RBR im letzten Jahr um 7 Prozent gewachsen. Dennoch tüfteln die Zahlungsdienstleister wie wild an neuen Bezahlmöglichkeiten – seien es kontaktlose Karten, Smartphone-Apps oder digitale Währungen. Welche sich davon durchsetzen wird, ist ungewiss.

Dennoch steht der neuste Clou ­bereits in den Startlöchern. Er heisst Token. Das ist im Wesentlichen nichts anderes als eine Nummer. Sie enthält alle grundlegenden Informationen über eine Transaktion, aber aus Sicherheitsgründen nicht die gesamten Kreditkarten­daten. Ein solcher Token kann über fast jedes Gerät ausgetauscht werden. Die Technologie ist äusserst einfach und hat auch in der Schweiz ihre Befürworter, sie kommt etwa bei der Zahlungslösung Twint von Postfinance zum Einsatz.

Bereits vor drei Jahren kündigten Mastercard, Visa und American Express ein gemeinsame Initiative zur Einführung von Tokens an. Seither ist aber ­wenig passiert. Nun will Visa mit einem neuen Programm namens Visa Ready den Tokens zum Durchbruch verhelfen. Die Kreditkartenfirma hofft mit potenten Partnern wie Samsung, jeden erdenklichen Gegenstand zur Bezahlkarte werden zu lassen und möglichst viele Händler an Bord zu holen, welche die Tokens von Visa lesen können. Die Szenarien der Kreditkartenfirma liegen nicht alle auf der Hand: Bezahlen mit ­einer Uhr, Einkaufen am Kühlschrank oder Tanken mit einem zahlenden Auto. Die Idee des Portemonnaiewagens ist nicht ganz neu. Schon vor zehn Jahren hatte der Autokonzern BMW mit einer Münchner Universität an einem solchen Projekt gearbeitet. Konkrete Resultate gab es aber bisher nicht. Nun stehen die Chancen besser, dass solche Gedankenspiele Realität werden.

Schweizer gross im Geschäft

Neben Visa verfolgt mit Mastercard der zweite grosse Kreditkartenanbieter ähnliche Pläne. Das Besondere daran ist, dass sich der US-Konzern dafür die Schweizer Firma Wisekey mit ins Boot geholt hat. Das Westschweizer Infor­matikunternehmen ist in der Deutschschweiz kaum bekannt. Es hat trotz ­seiner nur rund 40 Angestellten grosse Pläne. Firmenchef Carlos Creus Moreira will noch in diesem Jahr in der Schweiz an die Börse. Die Nachfrage ist da. Erst vor wenigen Wochen hat Wisekey bekannt gegeben, dass Investoren 60 Millionen Franken einschiessen. Insgesamt sollen gemäss Unternehmensangaben bereits rund 180 Millionen Franken in die Firma investiert worden sein.

Rinspeed-Gründer Rinderknecht glaubt, dass es seine Enkel einmal abenteuerlich finden, dass man früher noch selbst Auto gefahren ist. Vielleicht halten sie dann auch das Zücken einer Kreditkarte für kaum mehr fassbar.

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 25.02.2016, 20:46 Uhr)

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