Dolder-Besitzer Schwarzenbach gibt sich kämpferisch

Der Hotelier und Devisenhändler sieht sich Verfahren der Zoll- und Steuerbehörden gegenüber. Der Milliardär will sich notfalls vor Gericht wehren.

Scheu bei Medienanfragen: Urs E. Schwarzenbach bei der Neueröffnung des Dolder Grand 2008. Foto: Keystone

Scheu bei Medienanfragen: Urs E. Schwarzenbach bei der Neueröffnung des Dolder Grand 2008. Foto: Keystone

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Urs Schwarzenbach, von der «Bilanz» auf 1 bis 1,5 Milliarden Franken Vermögen geschätzt, sorgt derzeit für wenig schmeichelhafte News. Seit die «NZZ am Sonntag» unlängst die amtliche Blockierung von 200 Millionen Franken Vermögenswerten Schwarzenbachs enthüllt hat, kommt der bekannte Schweizer Financier und Besitzer des Dolder-Hotels mit offiziellem Wohnort England nicht mehr aus den Schlagzeilen heraus.

Hintergrund sind laufende Zoll- und Steuerverfahren der Behörden. Schwarzenbach soll Kunstgegenstände in seinem Privatjet an den Grenzwächtern vorbei in die Schweiz und teilweise wieder hinaus geschleust haben. An seinem Firmensitz in der Villa Falkenstein beim Zürcher Bellevue soll der im Devisenhandel gross gewordene Milliardär mehrere Mitarbeiter beschäftigt haben, ohne seine Geschäfte korrekt dem Fiskus gemeldet zu haben. Die Vorwürfe wiegen schwer. In den letzten Wochen wurden aus Schwarzenbachs Umfeld Stimmen laut, wonach der Schweizer und Wahlengländer ein Teilgeständnis abgeben wolle. Darauf angesprochen, reagiert Schwarzenbach vehement. In einer E-Mail-Antwort auf eine Anfrage des «Tages-Anzeigers» hielt Schwarzenbach gestern fest, dass es «nichts einzugestehen» gebe, weder «beim Zoll noch bei den Steuern».

Schwarzenbach, der bei Medienanfragen meistens Mitarbeiter vorschickte, gibt sich in seiner ungewohnt persönlichen Wortmeldung kämpferisch. «Falls die Behörden die Tatsachen anders sehen als meine Anwälte, müssen die Richter entscheiden», schreibt der Mann, dessen Reichtum schon oft die Frage aufgeworfen hat, aus welchen Aktivitäten das viele Geld stammt.

Das Unheil begann 2012

Schwarzenbach lässt sich in den umfangreichen Verfahren durch einen der bekanntesten und teuersten Wirtschaftsanwälte vertreten. Es ist Peter Nobel, der von der Schlacht um Valora im Jahr 2007 über die Wegelin-Raiffeisen-Transaktion 2012 bis aktuell bei der Verteidigung des Sika-Managements gegen einen Teilverkauf nach Frankreich in vielen grossen Wirtschaftsfällen eine prominente Beraterrolle spielte. Nobel war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Für Schwarzenbach begann das Unheil 2012. Damals eröffnete die Zollverwaltung Zürich-Schaffhausen ein Ermittlungsverfahren gegen den Dolder-Besitzer. Grund war dessen Kunsthandel: Die Behörden vermuteten, dass Schwarzenbach an den Zöllnern vorbei Kunstobjekte aus dem Ausland in die Schweiz einführte und diese dann zum Teil im Dolder ausstellte. Die Fahndung erreichte vor drei Jahren einen ersten Höhepunkt. Ermittler führten in Schwarzenbachs Hotel und seiner Villa Falkenstein eine Razzia durch und beschlagnahmten Computer von Mitarbeitern.

Danach wurde es ruhig um den Fall. Im letzten Frühling sprach sich jedoch auf dem Finanzplatz Zürich herum, dass Schwarzenbach, der auch am 5-Stern-Hotel Suvretta in St. Moritz beteiligt ist, seine Aktivitäten im Devisenhandel weitgehend eingestellt habe. Ein Sprecher Schwarzenbachs begründete dies damals unter anderem mit dem Alter seines Klienten. Schwarzenbach feierte letzten Herbst seinen 67. Geburtstag.

Geheimgarage in Herrliberg

Als die «NZZ am Sonntag» dann über den Arrestbefehl der Berner und der Zürcher Steuerbehörden über die Summe von 200 Millionen Franken berichtete, musste angenommen werden, dass hinter der plötzlichen Geschäftsaufgabe nicht Müdigkeit steckte, sondern vermutlich die sich intensivierenden Ermittlungen der Fahnder den Ausschlag gaben. Am letzten Sonntag legte die Zeitung nach. Sie berichtete von einer Art Geheimgarage auf dem Grundstück von Schwarzenbach in der Gemeinde Herrliberg, wo der vermögende Unternehmer Pferdeställe unterhält und wo auch Olympiasieger Steve Guerdat trainiert. Augenzeugen berichteten von Heli-Kunsttransporten und einem unterirdischen Raum, der «klimatisiert» sei, was das sichere Lagern wertvoller Gemälde und Skulpturen ermögliche.

Die Behörden liessen sich nur indirekt verlauten. Sie seien im Bild über die spezielle Garage auf dem Landsitz über dem Zürichsee, würden ihre Ermittlungen aber auf Schriftstücke abstützen. Laut dem Sonntagsblatt soll ein Entscheid über eine Busse bis Ende Jahr fallen. Wenn Schwarzenbach an seiner heutigen Aussage festhält, würde er ein solches Urteil vor einem Gericht anfechten.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 30.03.2016, 08:24 Uhr)

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