Firmen entlassen frischgebackene Mütter

Nach einer Geburt stehen Müttern 14 Wochen Urlaub zu. Viele von ihnen werden nach ihrer Rückkehr an den Arbeitsplatz entlassen.

Vom Gesetz nicht genug geschützt? Eine werdende Mutter sitzt an ihrem Arbeitsplatz. (Symbolbild)

Vom Gesetz nicht genug geschützt? Eine werdende Mutter sitzt an ihrem Arbeitsplatz. (Symbolbild) Bild: Gaetan Bally/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Frischgebackene Mütter scheinen vielen Unternehmen ein Dorn im Auge zu sein. Für die 14 Wochen Urlaub, welche Müttern rechtlich zustehen, entschädigt der Staat den Arbeitgeber. Gemäss Recherchen der Zeitung «Le Matin Dimanche» tritt immer häufiger das Phänomen auf, dass viele Mütter am ersten Tag ihrer Rückkehr an den Arbeitsplatz entlassen werden. Und dies meist ohne nachvollziehbare Begründung.

Audrey Schmid von der Unia Genf wird pro Monat rund ein solcher Fall gemeldet. Betroffen seien nicht etwa Mütter, die eine Pensenreduktion beantragt hätten, sondern solche, die wieder Vollzeit in den Beruf zurückkehren möchten. Die Arbeitgeber befürchten von Müttern wohl weniger Leistungsbereitschaft, weniger Flexibilität und mehr Absenzen.

Arbeitsrechtlich heikel

Sie betreue derzeit zwei solche Fälle, sagt Audrey Schmid: Eine habe bei einer Bank gearbeitet, die andere im Verkauf. Betroffen seien aber auch junge Mütter im Gastgewerbe oder in der Industrie. «Die Arbeitgeber machen es immer genau gleich. Sie feuern die Frauen am ersten Tag, ohne dass sie vorher irgendetwas in diese Richtung angekündigt hätten.» Als Begründung wird meistens die Formel «aus wirtschaftlichen Gründen» angegeben.

Von der Fachstelle für Gleichstellung der Stadt Zürich heisst es, eine Kündigung wegen der Mutterschaft sei diskriminierend nach dem Gleichstellungsgesetz. Die betroffene Arbeitnehmerin müsse eine solche Diskriminierung lediglich glaubhaft machen, dann trage der Arbeitgeber die Beweislast.

Die Gleichstellungsbeauftragte des Bundes, Sylvie Durrer, sagt gegenüber «Le Matin Dimanche», dass es schweizweit keine verlässlichen Zahlen gebe. Denn viele Mütter würden nicht gerichtlich gegen ihre Arbeitgeber vorgehen. «Es sieht aber so aus, als würden die Fallzahlen steigen, da es immer mehr Mütter gibt, die nach der Geburt berufstätig bleiben wollen.» (chi)

(Erstellt: 22.02.2016, 04:04 Uhr)

Stichworte

Artikel zum Thema

Beamter fehlt sechs Jahre im Büro – und keiner vermisst ihn

Ein Staatsdiener soll für seine Treue ausgezeichnet werden. Erst da fällt auf: Der Mann ist jahrelang ohne Gegenleistung bezahlt worden. Mehr...

Mit Rückenschmerzen an den PC, ohne Sprachkenntnisse ins Büro

Für IV-Rentner, die zurück ins Berufsleben sollen, gibt es spezielle Eingliederungsjobs. Doch oftmals sind die Betroffenen physisch oder intellektuell überfordert. Mehr...

Dank der Arztassistentin kann die Chirurgin mehr operieren

Im Kantonsspital Winterthur entlasten Pflegefachleute die Assistenzärzte bei der Arbeit auf der Bettenstation. Das könnte Schule machen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Anzeigen

Werbung

Kommentare

Blogs

Mamablog Warum will ich als Ehemann und Vater mit anderen Frauen ins Bett?
Blog Mag Uber-freundlich

Sponsored Content

Heisse Karrierefrau sucht

Erfolgreiche Frauen suchen unverbindlichen, schnellen Spass.

Die Welt in Bildern

Geht in sich: Ein Sadhu, ein heiliger Mann des Hinduismus, betet vor der jährlichen Reise zur Pilgerstätte Amarnath im nordindischen Jammu. (30. Juni 2016)
(Bild: Mukesh Gupta) Mehr...