Ohne Verzicht hätte Thiam mehr als Dougan im Vorjahr kassiert

Am stärksten eingeschränkt hat die Credit Suisse den Bonustopf der Investmentbanker. Künftig sollen variable Löhne einen geringeren Anteil haben. Bereits steigt der Anteil der Fixlöhne.

Tidjane Thiam erhält 4,57 Millionen für das letzte Jahr.

Tidjane Thiam erhält 4,57 Millionen für das letzte Jahr. Bild: Dominic Steinmann/Keystone

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Auf den ersten Blick sieht die Kompensation, die Credit-Suisse-CEO Tidjane Thiam für das vergangene Jahr erhält, im Vergleich zu anderen Bankenchefs geradezu mickrig aus: 4,57 Millionen Franken – 1,71 Millionen davon sind Fixgehalt, 2,86 Millionen Bonus. Bei der UBS erhält CEO Sergio Ermotti für das gleiche Jahr immerhin 14,3 Millionen Franken. Ein genauer Blick auf die Daten, die die Credit Suisse am Donnerstag mit ihrem Jahresbericht für das Vorjahr publiziert hat, relativiert die Zahlen allerdings. So war Thiam erst seit Juli für die Bank als Chef tätig. Aufs Jahr gerechnet, würde sich also eine Kompensation von 9,14 Millionen ergeben.

Tatsächlich wollte ihm das Kompensationskomitee der Bank sogar deutlich mehr zusprechen. Wie die Bank schreibt, hat Thiam angesichts des schlechten Jahresresultats der Bank auf 40 Prozent des variablen Anteils daran verzichtet. Da sich dieser Anteil auf 2,86 Millionen Franken beläuft, hat er auf 1,9 Millionen Franken verzichtet – der gesamte Bonus hätte 4,76 Millionen betragen. Der Verwaltungsrat hat ihm also zusammen mit dem Fixlohn einen Betrag von 6,47 Millionen Franken angeboten, was auf das ganze Jahr hochgerechnet 12,94 Millionen Franken entspricht. Das ist mehr als die 9,7 Millionen, die im Jahr 2014 der damalige CEO Brady Dougan erhalten hatte (6,85 Millionen davon waren dessen Bonus). Welchen Anteil Dougan für seine Zeit bis zum Sommer 2015 erhielt, hat die Bank nicht ausgewiesen.

Die höchste bezahlte Kompensation der Credit Suisse hat im vergangenen Jahr mit 7,88 Millionen Franken – davon 6,3 Millionen als Bonus – der Amerikaner Robert Shafir erhalten. Bis zum Oktober sass er noch im obersten Führungsgremium (Executive Board), danach wurde er herabgestuft und übernahm für die Bank den Posten als Chairman der Region Americas – womit der amerikanische Kontinent gemeint ist. Zuvor war er für die gleiche Region CEO und Co-Chef des Private Banking und Wealth Management.

CS-Aktien um fast 45 Prozent eingebrochen

Dennoch hat Thiam von der Credit Suisse mehr erhalten – wenn auch nicht als Kompensation. Denn angesichts offener Kompensationspläne beim Versicherungskonzern Prudential, wo er zuvor als CEO tätig war, erhielt er von der Schweizer Bank im letzten Jahr auch CS-Aktien im Wert von 14,3 Millionen Franken, um diesen Ausfall eins zu eins zu kompensieren, da seine Ansprüche mit dem Austritt bei Prudential verfielen. Da er die Credit-Suisse-Titel nicht verkaufen durfte (die Haltefristen wurden denjenigen der Prudential-Aktien angepasst), sind sie mittlerweile nur noch weniger als 10 Millionen Franken wert, wie die Credit Suisse auf Anfrage erklärte. Auf welchen Kurs beziehungsweise welches Stichdatum die Ablöseaktien für Thiam festgelegt wurden, war hingegen nicht zu erfahren. Seit einem Jahr haben zwar auch die Aktien der Prudential um mehr als 8 Prozent an Wert verloren, diejenigen der Credit Suisse sind im gleichen Zeitraum allerdings um fast 45 Prozent eingebrochen.

Der triste Aktienkursverlauf ist letztlich aber auch Ausdruck schlechter Zahlen der Grossbank. Auf das ganze Jahr 2015 hat sie immerhin einen Verlust von rund 3 Milliarden Schweizer Franken ausgewiesen. Teilweise war dafür ein Sonderabschreiber auf dem Goodwill für die im Jahr 2000 gekaufte Investmentbank Donaldson, Lufkin & Jenrette im Umfang von 3,8 Milliarden Franken verantwortlich. Dieser Abschreiber hat für die Zumessung der Boni keinerlei Bedeutung – wie auch andere aussergewöhnliche Faktoren, die das Ergebnis beeinflussen. Dazu zählen auch Rechts- und Restrukturierungskosten oder Verkäufe von Unternehmensteilen.

Investmentbanking hat schlecht abgeschnitten

Doch auch rein operativ hat die Bank keine Glanzleistung gezeigt. Dafür macht aber der Verwaltungsrat der Bank den erst seit Mitte Jahr tätigen CEO nicht verantwortlich: In der Begründung für seine Kompensation ist die Rede von seinem «exzellenten Beitrag zu einer neuen Managementstruktur, einer Stärkung der Kapitalbasis und dem Design einer neuen Strategie mit dem Ziel, die Kapitalbasis weiter zu stärken, das Geschäft ausgeglichener zu gestalten und den Aktionären mehr Kapital zurückzugeben». Niedergeschlagen haben sich die operativen Schwächen am deutlichsten in der Kompensation der Beschäftigten und Verantwortlichen in den Bereichen, die am schlechtesten abgeschnitten haben. Das gilt allen voran im Investmentbanking (hauptsächlich die Einheit Global Markets, aber auch die Einheit Investmentbanking & Capital Markets). Diese Bereiche werden – wie die Bank am Mittwoch bekannt gab – auch wieder für einen Verlust im 1. Quartal sorgen.

Die bisher besonders hoch bezahlten Investmentbanker erhalten für das letzte Jahr insgesamt deutlich weniger: Die Bonuspools für die genannten Bereiche wurden im Vergleich zu 2014 um mehr als 30 Prozent gekürzt. Bei 31 Prozent der Beschäftigten dort sinkt der Bonus sogar um mehr als 50 Prozent, viele werden auch gar keinen erhalten. In der gesamten Bank sinkt die Bonussumme um rund 11 Prozent von 3,274 Milliarden im Jahr 2014 auf 2,92 Milliarden. Betroffen sind auch die Mitglieder des Executive Board, die das ganze letzte Jahr für die Bank tätig waren. Der Bonuspool für sie sinkt um 40 Prozent. Die absoluten Zahlen weist die Bank für diese Gruppe allerdings nicht aus.

Fixlöhne spielen eine grössere Rolle

Ausschliesslich die Bonusentwicklung zu betrachten, ergibt allerdings nur beschränkt Sinn. Denn während diese zurückgegangen ist, haben sich die fixen Saläre nach oben entwickelt. Während diese für das Executive Board im Vorjahr erst 30 Prozent der Kompensation ausgemacht hat, liegt ihr Anteil im Jahr 2015 bei 43 Prozent oder bei 34,58 Millionen im Vergleich zu einer Gesamtkompensation von 64,2 Millionen für dieses Gremium, in dem insgesamt – allerdings nicht über das ganze Jahr – 17 Personen Einsitz hatten. Auch für die ganze Bank ist der Anteil der Fixlöhne leicht von 65 auf 68 Prozent angestiegen.

Die Fixlöhne spielen für die Zukunft auch deshalb eine grössere Rolle, weil die Boni in Abhängigkeit von ihnen festlegt werden: Konkret sollen diese variablen Zahlungen maximal einem kleineren Vielfachen der Fixlöhne entsprechen dürfen als in der Vergangenheit. Während zum Beispiel der Bonus des CEO früher maximal dem Sechsfachen seines Fixgehalts entsprechen durfte, soll das Maximum künftig bloss noch beim Vierfachen liegen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 24.03.2016, 18:07 Uhr)

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VR-Präsident verzichtet

Auf einen Teil seiner Kompensation verzichtet hat angesichts der schlechten Ergebnisse der Credit Suisse auch deren Verwaltungsratspräsident. Für das vergangene Jahr erhält er 3,2 Millionen Franken. 1,5 Millionen zusätzlich hätte er zugesprochen erhalten. Im Jahr 2014 bekam er 3,6 Millionen Franken. Der gesamte Verwaltungsrat erhielt 9,88 Millionen Franken, 6,8 Millionen davon in Cash. Für 2014 lag der Totalbetrag mit 9,13 Millionen leicht tiefer. (dm)

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