Schweizer Kühe ernähren Bedürftige in aller Welt

Der Bund spendet jährlich Tausende Tonnen Milchpulver an arme Staaten. Die Entwicklungshilfe ist auch ein Geschäft für Schweizer Bauern und Konzerne.

Ein Segen für die Welt: Schweizer Milchkuh. Foto: Duby Tal (Alamy Stock Photo)

Ein Segen für die Welt: Schweizer Milchkuh. Foto: Duby Tal (Alamy Stock Photo)

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Kühe aus Müswangen LU, Birwinken TG oder Bubendorf BL erfreuen Menschen in Santa Maria, Minas de Matahambre oder Consolación del Sur. Ihre Milch ernährt in Kubas Westprovinzen arme Kinder, Senioren und schwangere Frauen. Der Grund: Die Schweiz überreichte dem kommunistischen Karibikstaat Anfang Februar 150 Tonnen Milchpulver. «Das Nahrungsmittelprogramm der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit Deza hat zum Ziel, möglichst viele Menschen zu erreichen», erklärt Stefan von Below, Sprecher im Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten.

Die Übergabe wurde gebührend zelebriert. Die Schweizer Botschafterin Anne-Pascale Krauer Müller betonte in ihrer Rede in einem Altersheim im historischen Stadtkern La Habana Vieja, die «mehr als 20-jährige Tradition» solcher Milchspenden an Kuba. 1997 hatte die Eidgenossenschaft dem Castro-Staat erstmals auf diese Weise geholfen. Die Pulvermilch wird via Hilfsorgani­sationen an Gesundheitszentren und Spitäler gespendet. Dort wird sie zur Behandlung von Fehl- und Unterernährten oder als Ergänzungsnahrung in der HIV- und Tuberkulose-Therapie eingesetzt.

«Marktübliche Preise»

Nicht nur kubanische Babys und Rentner können sich indes darüber freuen, sondern auch die Aktionäre des Milchverarbeiters Hochdorf. Der Luzerner Konzern lieferte die 150 Tonnen Milchpulver für Kuba zu ganz normalen Konditionen. «Es wird nach Einholung von Offerten zu marktüblichen Preisen eingekauft», erklärt von Below. Ein Preisnachlass aufgrund der Verwendung für humanitäre Zwecke bestehe nicht.

Hochdorf verdient sich mit der Nahrungsmittelhilfe des Bundes denn auch ein nettes Zubrot. Der neueste Milchpulverauftrag bescherte ihm beispielsweise Einnahmen von rund 300'000 Franken. Und der Kuba-Deal ist kein Einzelfall. Milchpulverspenden gehen regelmässig an Bedürftige auf der ganzen Welt – in den letzten zwei Jahren unter anderem auch nach Angola, Bolivien, Nicaragua, Nordkorea, Moldau oder in den Süd­sudan.

Das Parlament in Bern sprach schon vor Jahren einen Kredit von jährlich rund 20 Millionen Franken für den Kauf von schweizerischen Milchprodukten zur Abgabe an Bedürftige im Ausland. Mit diesem Geld werden bei den Milchverarbeitern Voll- und Magermilchpulver sowie Schmelzkäse gekauft. In den letzten fünf Jahren betrug die durchschnittliche Bestellmenge der Deza rund 2800 Tonnen. 2015 waren es 3010 Tonnen gewesen.

Interessantes Nebengeschäft

Gesamthaft ist die Nahrungsmittelhilfe für Drittweltstaaten daher für die Milchkonzerne durchaus ein interessantes Geschäft. «Wir haben in den letzten Jahren jeweils 1000 bis 1500 Tonnen Produkte an die Deza verkauft», sagt Hochdorf-Sprecher Christoph Hug. Er betont, dass die an die Deza gelieferten Mengen weniger als 2 Prozent des Jahresumsatzes entsprächen. Bei Gesamtverkäufen von 550 Millionen ist indes auch das schon ein stattlicher Millionenbetrag. Neben Hochdorf kamen auch die Luzerner Konkurrentin Emmi oder die Freiburger Cremo bei Ausschreibungen der Schweizer Entwicklungsagentur Deza zum Zuge.

Das hat einen weiteren Nebeneffekt im Inland. Indirekt ist die Nahrungsmittelhilfe auch eine Stützungsmassnahme für die heimische Landwirtschaft. Denn die dafür gelieferten Produkte stammen ausschliesslich aus schweizerischer Milch. «Für die hiesige Milchproduzenten ist es wichtig, dass die Millionen, welche die Deza zur Verfügung hat, zu einer möglichst grossen Wertschöpfung in der Schweiz führen», sagt denn auch Sprecher Reto Burkhardt vom Verband der Schweizer Milchproduzenten (SMP).

Während Bauern und Verarbeiter einen verlässlichen zusätzlichen Abnehmer haben, übernimmt der Bund ein Risiko. Denn die Deza handelt mit Partnerorganisationen wie dem World Food Programme der UNO bestimmte Liefermengen an Milchprodukten aus, die diese dann in den ausgewählten Empfängerländern verteilen. Bis zum Einkauf dieser Mengen kann der Preis beträchtlich schwanken. «Dies stellt die humanitäre Hilfe vor neue budget­planerische Herausforderungen», schreibt das Departement für auswärtige Angelegenheiten.

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 25.02.2016, 23:10 Uhr)

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