So viele Arbeitslose wie zuletzt vor sechs Jahren

Im ersten Monat des Jahres gab es rund 5000 Arbeitslose mehr als noch im Dezember. Auch die Anzahl der Jugendlichen ohne Stelle ist angestiegen.



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Wegen dem Frankenschock vor einem Jahr verlieren jeden Monat etwa 1000 Personen ihre Stelle. Noch mehr Arbeitslose sind es, wenn man die Personen hinzuzählt, die wegen saisonalen Gründen den Job verlieren. In den nächsten Monaten wird sich die Situation noch zuspitzen. 163'644 Personen waren im Januar bei den regionalen Arbeitsvermittlungszentren RAV eingeschrieben. Das sind rund 5015 mehr als im Vormonat.

In den nächsten Monaten werde die Arbeitslosenquote sogar bis auf 4 Prozent steigen, sagte Boris Zürcher, Leiter der Direktion für Arbeit beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) an einer Telefonkonferenz am Dienstag. Im Januar lag die Arbeitslosenquote bei 3,8 Prozent, nach 3,7 Prozent im Dezember. Bei 3,8 Prozent hatte die Quote zuletzt im März 2010 gelegen.

Ein Grossteil des Anstiegs im Januar ist auf die jahreszeitlichen Schwankungen zurückzuführen. Diese sind vor allem in der Baubranche oder im Gastgewerbe gross, denn je nach Saison und Witterung wird dort mehr oder weniger gearbeitet. Um diese Effekte bereinigt verharrte die Arbeitslosenquote im Januar bei 3,4 Prozent.

Konjunkturelle Gründe

Gegenüber dem Januar 2015 waren 12'698 Personen mehr arbeitslos, ein Plus von 8,4 Prozent. In diesem Anstieg zeigt sich gemäss Zürcher der linearen Anstieg der Arbeitslosigkeit seit dem Frankenschock vor einem Jahr. Jeden Monat verlieren seither etwa 1000 Personen die Stelle. Im Jargon spricht man von konjunkturellen Gründen, im Gegensatz zu den saisonalen Gründen.

Doch weniger dramatisch sei die Situation deswegen nicht, betonte Zürcher. Dem Seco werde oftmals vorgeworfen, ein zu optimistisches Bild vom Arbeitsmarkt zu zeichnen. Doch bisher seien die Annahmen einfach realistisch gewesen. Für das Gesamtjahr rechnet das Seco mit einer Arbeitslosenquote von 3,6 Prozent, nach 3,3 Prozent 2015. «Das ist kein gutes Szenario», sagte Zürcher.

Überraschend stabil habe sich im Januar hingegen die Situation im Tessin entwickelt. Grund dafür ist das florierende Baugewerbe. Im Vergleich zum Vorjahresmonat hat sich die Arbeitslosigkeit im Tessin sogar verringert.

Alle Altersgruppen betroffen

Nach Altersgruppen betrachtet gibt es bei den 25- bis 49-Jährigen die meisten Arbeitslosen. Doch die Zunahme ist bei den Personen, die älter als 50 sind, am grössten (3,5 Prozent respektive 9,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat). Bei den Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 24 waren im Januar 21'180 ohne Stelle. Die Jugendarbeitslosigkeit erhöhte sich somit um 2,7 Prozent gegenüber Dezember respektive 8,6 Prozent gegenüber Januar 2015.

Aus der Statistik ergibt sich aber auch ein schwacher Trost: Die meisten Arbeitslosen werden schon bald wieder eine Stelle finden. Zwei Drittel aller Arbeitslosen sind gemäss Seco höchstens ein halbes Jahr lang ohne Arbeit. 14,3 Prozent bleiben länger als ein Jahr ohne Stelle.

Verliert jemand das Anrecht auf Arbeitslosenentschädigung, fällt er allerdings ganz aus der Statistik. Im November waren das 2533 Personen. Zahlen vom Dezember und Januar sind dazu erst in den nächsten Monaten erhältlich. (dia/sda)

(Erstellt: 09.02.2016, 07:47 Uhr)

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