Das war das Spitzentreffen zum VW-Abgasskandal

Nach dem Gipfeltreffen mit der US-Umweltbehörde EPA gibt sich die VW-Spitze wortkarg. Eine Einigung wurde mit Spannung erwartet. Was zustande kam.

Machten sich auf den Weg nach Washington: VW-Konzernchef Matthias Müller (r.) und VW-Markenchef Herbert Diess. (11. Januar 2016)

Machten sich auf den Weg nach Washington: VW-Konzernchef Matthias Müller (r.) und VW-Markenchef Herbert Diess. (11. Januar 2016) Bild: Tannen Maury/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

In der Abgas-Krise des deutschen Autobauers Volkswagen hat ein mit Spannung erwartetes Gipfeltreffen von VW und der mächtigen US-Umweltbehörde EPA in Washington keine neuen Lösungen gebracht.

«Wir wissen es zu schätzen, dass sich die Vorsitzende der EPA, Gina McCarthy, die Zeit für ein Treffen mit uns genommen hat», teilte VW im Anschluss an den Termin von VW-Konzernchef Matthias Müller und VW-Markenchef Herbert Diess mit. Volkswagen werde weiterhin in vollem Umfang mit den US-Behörden EPA und Carb zusammenarbeiten. Weitere Informationen gab es nicht.

Es war das erste Treffen auf höchster Ebene zwischen VW und amerikanischen Staatsvertretern seit Bekanntwerden der Manipulationen bei Abgastests von Dieselfahrzeugen Mitte September.

Müller und Diess waren im Anschluss an die US-Automesse in Detroit extra nach Washington gekommen, um mit der EPA über Lösungsvorschläge für das Diesel-Dilemma zu sprechen. Eine Einigung mit der Behörde war im Vorfeld nicht erwartet worden. Im Anschluss wollte der Konzernchef nach Angaben aus Konzernkreisen zudem noch Gespräche mit Kongressabgeordneten führen.

Klare Absage

Die Fronten zwischen den US-Behörden und VW sind bereits seit längerem verhärtet. Zuletzt hatten die Behörden kurz vor dem Spitzentreffen Plänen des Autobauers zur Beseitigung der Manipulationen eine klare Absage erteilt. Die kalifornische Umweltbehörde CARB lehnte demnach einen älteren von VW eingereichten Vorschlag zur Beseitigung von illegalen Manipulations-Programmen in Hunderttausenden Dieselfahrzeugen ab.

Aus der Mitteilung der Behörde geht aber auch hervor, dass Volkswagen die Chance habe, bei den Lösungsvorschlägen für die betroffenen knapp 500'000 Autos mit 2,0-Litermotoren nachzubessern. Auch die EPA, die den Skandal Mitte September ans Licht gebracht hatte, erklärte noch vor dem Treffen mit Müller, Volkswagen habe noch immer keinen genehmigungsfähigen Rückrufplan vorgelegt.

Volkswagen erklärte bereits vor dem Spitzentreffen zur Entscheidung aus Kalifornien: «Die heutige Mitteilung bezieht sich auf die anfänglichen Rückrufpläne Volkswagens, die CARB im Dezember übermittelt wurden. Seither hatte Volkswagen konstruktive Gespräche mit CARB.» VW will nun versuchen, die Behörden mit einem neuen Lösungspaket zu überzeugen.

«Angemessene technische Lösungen»

Müller hatte am Rande der Automesse in Detroit angekündigt, bei dem Treffen mit McCarthy in Washington «angemessene technische Lösungen» vorzulegen. «Wir glauben, dass wir ein Paket anbieten, das in Ordnung ist», hatte Müller am Sonntagabend gesagt. «Jetzt müssen wir eben schauen, ob die EPA das genauso sieht, und dann werden wir irgendwann in der nächsten Zeit ein Ergebnis bekommen.»

Insgesamt geht es um etwa 580'000 Diesel-Autos in den USA, da auch grössere Modelle mit 3,0-Litermotoren betroffen sind. Wie das Lösungspaket, das den Aufsehern präsentiert werden soll, genau aussieht, ist noch unklar. Zum Lösungspaket könnte ein teurer Rückkauf von mehr als 100'000 Autos zählen. Für den Grossteil der restlichen Fahrzeuge sollen VW-Ingenieure einem Bericht der «Bild am Sonntag» zufolge einen neuen Katalysator entwickelt haben, um die strengen US-Emissionsvorgaben zu erreichen.

Harsche Kritik

Die US-Umweltbehörde Carb äusserte erneut scharfe Kritik an VW. «Volkswagen hat die Entscheidung getroffen, bei Abgas-Tests zu schummeln und hat dann versucht, das zu verstecken», betonte Carb-Chefin Mary Nichols. «Sie haben weitergemacht und haben die Lüge noch verschlimmert und als sie erwischt wurden, haben sie versucht, es zu leugnen.»

VW-Vorstandschef Müller hatte zuvor mit einem verunglückten Radio-Interview für grosse Irritationen gesorgt. In dem Gespräch mit dem US-Sender NPR am Rande der Automesse in Detroit stellte Müller den Abgas-Skandal zunächst lediglich als «technisches Problem» dar – anschliessend wollte der Konzern das Interview noch einmal neu aufzeichnen. In der zweiten Version ruderte Müller dann zurück. VW lege grossen Wert auf die Feststellung, dass der Konzern die Verstösse einräume. «Daran gibt es keinen Zweifel.» (mlr/sda)

(Erstellt: 13.01.2016, 19:41 Uhr)

Stichworte

Artikel zum Thema

Die USA lehnen VW-Rückrufplan ab

Volkswagen muss beim Rückruf der manipulierten Dieselfahrzeuge in den USA nachbessern. Der VW-Chef will ein Paket mit «angemessenen Lösungen» vorlegen. Mehr...

Auch Schweden ermittelt gegen VW

Die Abgaswerte von 225'000 Autos in Schweden wurden manipuliert. Die Staatsanwaltschaft hat die Untersuchung gegen den Volkswagen-Konzern aufgenommen. Mehr...

VW-Chef blamiert sich in Interview

Matthias Müller scheint in einem Radiointerview die Abgasaffäre zu verharmlosen. Doch er will es ganz anders gemeint haben. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Werbung

Blogs

Sweet Home 10 entspannte Tipps für einen faulen Sonntag

Welttheater Mysteriöse Gier nach Dreck

Anzeigen

Die Welt in Bildern

Auch Superhelden brauchen mal eine Pause: Ein Besucher im Spiderman-Kostüm ruht sich an der Messe Comic Con Tokio kurz aus. (2. Dezember 2016)
(Bild: Issei Kato) Mehr...