Strenge Aufsicht hilft Schweizer Vermögensverwaltern im Ausland

In der Westschweiz stösst der Widerstand der Deutschschweizer Berufskollegen auf Unverständnis.

Für Westschweizer Vermögensverwalter wäre eine Aufsicht ein Gütesiegel, das Türen öffnet. Foto: Brendon Thorne (Bloomberg)

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Der Genfer Vermögensverwalter Franz de Planta kann es nicht mehr hören. Das Mantra des Gewerbeverbandes, dass alle Finanz-KMU durch Bundesbern ­kaputtreguliert würden. Die ständige Wehklagen Deutschschweizer Vermögensverwalter, dass mit der geplanten Finanzregulierung ein «bürokratisches Monstrum» entstehe. Das alles sei absurd. Was diese Leute nicht begreifen, sei, dass «eine unabhängige, professionelle Aufsicht zentral» sei, «um die ­Wettbewerbsfähigkeit der Vermögensverwalter zu fördern».

De Planta, ein Nachfahre des Bündner Adelsgeschlechts, ist seit zwanzig Jahren unabhängiger Vermögensverwalter. Zuerst arbeitete er alleine, dann schloss er sich mit einem Partner zusammen. 2015 haben sich zehn Vermögensverwalter – aus Lugano, Freiburg und Genf – zu einer neuen Firma, der Mantor AG, zusammengeschlossen und sogar eine EU-regulierte Niederlassung in ­London eröffnet. Ein Büro in Zürich sei geplant. Bis Ende Jahr wollen sie eine Milliarde Vermögen verwalten und auf zwanzig Partner anwachsen.

Das Bewilligungsprozedere für die britische Niederlassung habe ihm die Misere der geltenden Schweizer Regulierung vor Augen geführt. «Niemand im Ausland versteht, warum sich Vermögensverwalter in der Schweiz selber ­beaufsichtigen». Die Mantor musste Anwäl­­te über Anwälte beauftragen, um der Londoner Finanzaufsicht glaubhaft zu machen, dass sich hiesige Vermögensverwalter beispielsweise den internationalen Regeln zur Bekämpfung von Geldwäscherei unterwerfen. Das Prozedere hat sie einen mittleren sechsstelligen Betrag gekostet. «Mit einer strengen Finanzaufsicht, wie sie jetzt vom Bund geplant ist und vom Parlament beraten wird, hätten wir das viel billiger haben können».

Rückweisungsanträge sistiert

Das Gleiche gelte für alle anderen, rund 2300 Schweizer Vermögensverwalter. Der Automatische Informationsaustausch stehe vor der Tür. Die EU werde mit der Finanzrichtlinie Mifid II den Anlegerschutz deutlich verschärfen. «Wir brauchen sehr bald das anerkannte Gütesiegel einer unabhängigen Schweizer Aufsichtsorganisation. Sonst riskierten sie, dass Kunden ihr Vermögen ins Ausland abziehen». Laut Bundesrat verwaltet die Branche 560 Milliarden Franken.

Weil de Planta und seine Westschweizer Berufskollegen so viel Unternehmertum an den Tag legen und weil er seit 15 Jahren Präsident der Westschweizer Selbstregulierungsorganisation OAR-G ist, wurde er gestern in der Wirtschaftskommission des Ständerates (WAK-S) angehört. Gewissermassen in der Schlusskurve, bevor die Kommission auf die Vorlagen – Finanzdienstleistungs- und Finanzinstitutsgesetz – gestern einstimmig eingetreten ist, um sie «zusammen mit Bundesrat Ueli Maurer zu überarbeiten». Laut einer Quelle sind «200 Änderungsanträge» abzuarbeiten. Die meisten zielen auf eine Verwässerung des Entwurfs hin, der bereits verwässert ist (TA vom Freitag). Die Rückweisungsanträge der Ständeräte Föhn (SVP, SZ) und Keller-Sutter (FDP, SG) wurden sistiert.

Im Zentrum des Widerstands befinden sich der Verband Schweizerischer Vermögensverwalter (VSV) und die Zuger Selbstregulierungsorganisation VQF. Der VSV spannte den Gewerbeverband gegen die Gesetzesneuerung ein. Die VQF hat ihren besten Lobbyisten in der Wirtschaftskommission selber sitzen: Den WAK-S-Präsidenten Martin Schmid (FDP, GR).

«Voilà, wie schön dieser Interessenskonflikt dazu führen könnte, dass ein wichtiges Gesetzesprojekt versenkt wird», schreibt die welsche Wirtschaftszeitung «Agéfi» und wundert sich, wie «95 Prozent des Schweizer Finanzplatzes für das Gesetz sind, aber von 5 Prozent der Finanzplatzakteure in Geiselhaft genommen werden».

Auch die Umstände der Anhörungen der Branche in der WAK-S erschienen merkwürdig. Am offiziellen Termin vor zwei Wochen waren vor allem Gegner und kaum Befürworter geladen. Erst nach Intervention des Freiburger ­Ständerates Christian Levrat erhielten Westschweizer Vermögensverwalter die Chance, ihre Position darzulegen.

Lehrer als Regulationsexperten

Wie man den gegnerischen Spin überdrehen kann, demonstrierte der Gewerbeverband. Er lobbyiert mit einem Argument, dass selbst der Dachverband der Lehrerinnen und Lehrer sich vor dieser Regulierung fürchte. «Damit würden viele Lehrer ihre langjährigen Ansprechpartner in Finanzfragen verlieren», wurde Verbandspräsident Beat Zemp zitiert. Derweil freut sich de Planta über den Entscheid des Ständerats von gestern. Er hoffe, dass es in der Schweiz bald vorbei sein werde mit der Idee, «dass Berufskollegen Kollegen über­wachen und die Finanzaufsicht ein Club von Freunden» sei. Die unabhängige Aufsicht müsse nicht teuer sein. Er rechnet mit Jahresgebühren von 8000 Franken.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 16.02.2016, 22:29 Uhr)

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