Touristen trotzen dem Terror

Ungeachtet zweier Anschläge bleibt Frankreich das beliebteste Reiseziel – nicht die einzige Überraschung bei den neusten Touristenzahlen.

Bleibt trotz Terrorgefahr ein beliebtes Reiseziel: Touristen vor der Kathedrale Notre Dame in Paris.

Bleibt trotz Terrorgefahr ein beliebtes Reiseziel: Touristen vor der Kathedrale Notre Dame in Paris. Bild: Jacques Brinon/Keystone

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Trotz der Vielzahl an Konflikten und Anschlägen in der Welt lassen sich die Touristen nicht von Auslandsreisen abhalten: Die Zahl der international reisenden Touristen stieg im vergangenen Jahr um 4,4 Prozent auf ein Rekordhoch von 1,18 Milliarden, wie die Welttourismusorganisation (UNWTO) bekannt gab. Mit Ausnahme der Jahre 2003 und 2009 nach der globalen Finanzkrise kannte die Entwicklung des Tourismus nur eine Richtung: nach oben.

2015 wurde der Tourismus laut der UNWTO positiv durch die Entwicklung der Wechselkurse und den niedrigen Ölpreis beeinflusst, der Reisen billiger machte. Besonders ausgabenfreudig zeigten sich US-Bürger, Briten, Deutsche sowie Chinesen, die immer öfter ins Ausland reisen, besonders nach Europa. So konnten sich die europäischen Länder im letzten Jahr über 5 Prozent mehr und insgesamt gut 609 Millionen Touristen freuen.

Damit bleibt Europa der mit Abstand beliebteste Kontinent. Mehr als die Hälfte aller internationalen Reisenden (51,4 Prozent) besuchten letztes Jahr ein europäisches Land. Asien folgt mit 23,4 Prozent auf Rang zwei, Amerika mit 16,1 Prozent auf Platz drei. Afrika und der Mittlere Osten haben mit 4,5 und 4,6 Prozent einen verhältnismässig kleinen Anteil am globalen Tourismus.

Trotz zweier grosser Terroranschläge innerhalb eines Jahres zog es auch im vergangenen Jahr wieder die meisten Touristen nach Frankreich, das bei den Übernachtungen vor den USA, Spanien und China landete. Neben Europa konnten sich auch andere Regionen über ein Wachstum freuen. Im asiatisch-pazifischen Raum und auf dem amerikanischen Kontinent wurde ein Anstieg um 4,8 beziehungsweise 4,9 Prozent verzeichnet. 277 Millionen Touristen besuchten Asien und die Länder im Pazifik, während auf dem amerikanischen Kontinent 191 Millionen gezählt wurden. Auch der Mittlere Osten verbuchte eine Zunahme um gut 3 Prozent auf 54 Millionen Besucher – und dies, obwohl die Region wegen Konflikten und Terrorismusgefahr als unsicher gilt. Einzig Afrika musste eine Einbusse von 3,3 Prozent verkraften.

Schuld sind laut der UNWTO die blutigen Anschläge auf Touristen in Tunesien und Ägypten. Unter dem Eindruck dieser Ereignisse sank die Zahl der Reisenden in Nordafrika um 7,8 Prozent – keine andere Region der Welt verzeichnete einen grösseren Einbruch. Allein in Tunesien, das im März von einem Anschlag auf das Bardo-Museum in Tunis und im Juni von einem Angriff vor einem Strandhotel in Sousse getroffen wurde, fiel die Zahl der Touristen von 7,2 auf 5,4 Millionen. In Ägypten liegt der Tourismus seit dem Umsturz 2011 ohnehin am Boden, einen weiteren Schock versetzte ihm der Absturz eines russischen Passagierflugzeugs mit Badegästen vom Roten Meer, der ebenfalls als Anschlag gewertet wird.

«Wir stehen jetzt einer globalen Bedrohung gegenüber», sagte der UNWTO-Generalsekretär Taleb Rifai mit Blick auf die Anschläge. Er rief die Regierungen in aller Welt zu verstärkten Sicherheitsvorkehrungen auf und appellierte an die Menschen, nicht aus Angst vor Attentaten auf Reisen zu verzichten. «An zahlreichen Orten auf dem Planeten» wirkten sich Krisen laut der UNWTO negativ auf das Reiseverhalten aus.

1,8 Milliarden Touristen
im Jahr 2030
Prognose der UNWTO

Trotzdem geht die Organisation davon aus, dass die Tendenz auch 2016 nach oben zeigt. Für das laufende Jahr rechnet die UNWTO mit einem erneuten Anstieg der Touristenzahlen – und zwar in allen Regionen. Europa darf demnach 3,5 bis 4,5 Prozent mehr Besucher erwarten, Asien und Amerika gar 4 bis 5 Prozent. Afrika und der Mittlere Osten dürfen sich über 2 bis 5 Prozent mehr Reisende freuen. Stimmt die Prognose der Welttourismusorganisation, würde der internationale Tourismus 2016 ähnlich stark zunehmen wie im vergangenen Jahr. Die UNWTO rechnet auch in Zukunft mit einer konstanten Zunahme der Touristenzahlen. Nach ihren Angaben werden im Jahr 2030 weltweit ungefähr 1,8 Milliarden Menschen das Ausland bereisen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 19.01.2016, 15:41 Uhr

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