USA weiten Ermittlungen gegen VW aus

VW ermöglichte offenbar seinen Kunden zu Unrecht Steuervorteile. Ermittler prüfen zudem den Verdacht auf Bankbetrug.

Will die Krise endlich hinter sich lassen: Volkswagen-Chef Matthias Müller im Wolfsburger Hauptquartier. (8.März 2016)

Will die Krise endlich hinter sich lassen: Volkswagen-Chef Matthias Müller im Wolfsburger Hauptquartier. (8.März 2016) Bild: Odd Andersen/AFP

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Der Abgas-Skandal droht sich für Volkswagen in den USA zu einem immer grösseren Krisenherd auszuwachsen. Das bereits seit längerem gegen den Autobauer ermittelnde Justizministerium hat seine Untersuchungen offenbar auf den Verdacht des Bankbetrugs und mögliche Verstösse gegen Steuergesetze ausgedehnt.

Das berichtete das «Wall Street Journal» am Dienstag unter Berufung auf eingeweihte Quellen. Zur drohenden Ausweitung der Ermittlungen in den Vereinigten Staaten wollte sich ein Sprecher des Justizministeriums in Washington auf Nachfrage nicht äussern. Eine VW-Sprecherin sagte lediglich, dass das Unternehmen weiter mit allen relevanten Behörden kooperieren werde.

Die Anwendung eines eigentlich für die Finanzbranche vorgesehenen Gesetzes könne für den deutschen Konzern zusätzliche Strafen bedeuten. Die Ermittler prüfen dem Bericht zufolge, ob Kreditgeber durch Manipulationen von VW bei der Autofinanzierung gefährdet wurden.

Haftung für Steuerabzüge

Betroffene Fahrzeuge mit überhöhten Abgaswerten waren ursprünglich als umweltfreundlich vermarktet worden und haben durch die Affäre erheblich an Wert verloren. Zudem soll untersucht werden, ob VW für Steuergutschriften haftbar ist, die US-Autokäufer für den vermeintlich geringen Abgas-Ausstoss erhalten haben.

Volkswagen hatte im September 2015 nach Vorwürfen der US-Umweltbehörde EPA eingeräumt, Hunderttausende Dieselwagen in den USA mit einer Betrugs-Software zum Austricksen von Emissionstests ausgerüstet zu haben. Dem Konzern droht durch eine Zivilklage der Regierung dort bereits eine Strafe in zweistelliger Milliardenhöhe.

Anders als in Deutschland ist ein Plan für die Nachbesserungen an den etwa 600'000 manipulierten US-Wagen auch noch nicht unter Dach und Fach. Weltweit sind mehr als elf Millionen Fahrzeuge vom Diesel-Skandal betroffen.

Aktionärsklagen und weiteres Ungemach

VW hat wegen der Krise diverse juristische Baustellen, es drohen Milliardenkosten. So klagen Aktionäre, weil VW angeblich zu spät über den Abgas-Skandal informiert hat.

Ein Sprecher der Allianz-Tochter Vermögensverwaltung Allianz Global Investors (AGI) sagte am Mittwoch in Frankfurt, man müsse prüfen, «ob unsere Anleger geschädigt worden sind und wir dann dementsprechend Schritte einleiten». Er bestätigte damit Medienberichte.

Kunden bereiten Grossklage vor

Die AGI hält 0,06 Prozent an dem Wolfsburger Autokonzern. Dem Vernehmen nach werden sich auch andere Fonds an der möglichen gemeinsamen Klage beteiligen. VW weist die Vorwürfe zurück.

Wie die «Rheinische Post» schreibt, tun sich auch in Europa immer mehr VW-Kunden für eine Grossklage gegen den Autobauer zusammen. Der Anwalt Julius Reiter sagte der Zeitung, dass die Zahl der Teilnehmer seit Januar von 60'000 auf rund 80'000 zugenommen habe - darunter besonders viele Autobesitzer aus Österreich.

Substanziell und schmerzhaft

Erst noch liess Konzern-Chef Matthias Müller verlauten, dass VW die Krise langsam hinter sich lässt. «Volkswagen kommt aus der Phase des Krisenmanagements zusehends in eine Phase des Gestaltens», sagte Müller laut Redemanuskript am Dienstag auf einer Betriebsversammlung in Wolfsburg.

Trotzdem würden die Software-Manipulationen und ihre Folgen den Autobauer noch lange Zeit beschäftigen, ergänzte Müller. Die finanziellen Konsequenzen, die noch nicht in Gänze absehbar seien, würden «substanziell und schmerzhaft» sein.

(kat/sda)

(Erstellt: 09.03.2016, 10:28 Uhr)

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