Wie der Onlinehandel die Strassen verstopft

Für den boomenden Internetversand wurden 2014 vier Milliarden Kilometer gefahren. Die Post profitiert, die SBB nicht.

Dominant trotz Liberalisierung des Marktes: Die Post hat vergangenes Jahr 115 Millionen Pakete zugestellt.

Dominant trotz Liberalisierung des Marktes: Die Post hat vergangenes Jahr 115 Millionen Pakete zugestellt. Bild: Keystone

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Die Logistik in der Schweiz läuft heiss. Angetrieben durch den wachsenden Onlinehandel, nimmt das Paketvolumen Jahr für Jahr zu. Wie diese Entwicklung verläuft, lässt sich beispielsweise an der Competec-Gruppe zeigen, zu der auch Brack.ch gehört. Der Onlinehändler bietet vom Racletteofen für 145 Franken über die Märklin-Eisenbahn für 139 Franken bis zum 88-Zoll-Fernseher für 19'000 Franken alles an: Das Unternehmen hat vergangenes Jahr 1,3 Millionen Pakete verschickt, eine Zunahme um 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In diesem Tempo wächst das Volumen seit langem. In den letzten fünf Jahren hat die Paketmenge jährlich um 20 Prozent zugenommen. Und so wird es nach Einschätzung des Unternehmens auch weitergehen: «Wir rechnen weiterhin mit jährlichem Wachstum von über 15 Prozent», sagt Sprecher Daniel Rei.

Boomendes Geschäft für Logistiker

Kein Wunder, hat die Logistikbranche die Onlinehändler als attraktive Kunden längst entdeckt. 52 Prozent der Logistikfirmen bieten Dienstleistungen für E-Commerce-Firmen an, wie aus einer letztjährigen Studie der Universität St. Gallen im Auftrag der Branchenvereinigung GS1 hervorgeht. Die Angebote reichen von der Lagerhaltung über die Zustellung zum Kunden, das zum Verkaufsargument gewordene Retourenmanagement bis hin zur Buchhaltung.

Im Onlinehandel können knapp 60 Prozent der Produkte als Pakete mit einem Gewicht von bis zu 30 Kilogramm verschickt werden. Bei der Zustellung werden die meisten Waren vorher in einem Zentrallager vorgehalten und dann für die Auslieferung zusammengestellt.

Inwieweit das Volumen dieser kleinteiligen Logistik in der Schweiz zugenommen hat, lässt sich auch am Bestand der leichten Güterfahrzeuge mit einem Gesamtgewicht von bis zu 3,5 Tonnen ablesen. Er ist seit 1993 – als der Onlinehandel noch kein Faktor war – um 63 Prozent gewachsen. Die aktuell verfügbaren Zahlen des Bundesamtes für Statistik zeigen, dass diese Fahrzeuge 2014 in der Schweiz 4 Milliarden Kilometer zurücklegten. Das ist eine Zunahme um 50 Prozent innerhalb der letzten 20 Jahre. Die zurückgelegten Kilometer der kleinen Lieferwagen entsprechen fast der doppelten Fahrleistung aller grossen inländischen und ausländischen Lastwagen auf Schweizer Strassen.

Mit «Güter-GA» auf die Schiene?

Die Schiene hat beim Onlinehandel einen schweren Stand. Aus Sicht der Logistikbranche fehlt ihr vor allem die zeitliche Flexibilität, da der Transport an feste Zeitfenster gebunden ist. Auch sei die Schiene vergleichsweise teuer – weshalb unter Logistikern ein Güter-Generalabonnement als Idee herumgeboten wird, um den Schienentransport für den Onlinehandel attraktiver zu machen. Ein lebhaft diskutiertes Thema in Verbindung mit dem Onlinehandel ist die Überwindung der Letzten Meile bei der Zustellung zum Kunden. Dieser Streckenabschnitt in der Lieferkette ist gleichzeitig der teuerste. Hier fallen 50 bis 60 Prozent der Versandkosten an.

Bei der Zustellung im Onlinehandel nimmt trotz Liberalisierung die Post weiterhin eine dominante Position ein. Letztes Jahr hat der Staatsbetrieb insgesamt 115 Millionen Pakete zugestellt, ein Plus um 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für die Zukunft rechnet die Post mit einem jährlichen Wachstum zwischen 1 und 2 Prozent.

Spekulationen um Letzte Meile

Die Logistikbranche geht aber laut einer Umfrage in der bereits erwähnten Studie der Universität St. Gallen davon aus, dass die Art, wie diese Letzte Meile überwunden wird, sich in den nächsten Jahren stark verändern wird. Die Branche rechnet damit, dass neben der zunehmenden Bedeutung von Konkurrenzanbietern zur Post auch lokale Geschäfte wie etwa Supermarktfilialen mit ihrer Logistik im Hintergrund eine grössere Rolle spielen werden. Aber auch Abholstationen, Schliessfachsysteme oder Paketdrohnen werden als Alternativen erwähnt. Wobei besonders die Drohnen aus heutiger Sicht noch sehr futuristisch erscheinen. Der Trend ist hingegen klar: Im Vergleich zu früher kann der Empfänger bereits heute viel flexibler entscheiden, wann und wo er die Lieferung in Empfang nehmen will.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 23.02.2016, 08:56 Uhr)

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