Aus Pralinés wurden Gebühren

Wirtschaftsredaktor Jorgos Brouzos über die schlechten Angebote der Banken.

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Lange wurde Postfinance von den anderen Banken belächelt. Das Institut sei keine richtige Bank, sondern nur ein Nebenarm der Post mit einem Bancomaten. Den Kunden war das egal. Sie fanden bei Postfinance verständliche Angebote und tiefe Gebühren. Das Institut konnte sich vor Kundengeldern kaum retten. Als Dank schickte die Bank treuen Sparern auch schon mal eine Schachtel Pralinés zu – unorthodox, aber sympathisch.

Seit einiger Zeit erhalten die Kunden weniger erfreuliche Post von Post­finance. Jüngst wurden die Konditionen für die Kreditkarte schlechter, die Zinsen teilweise auf 0 Prozent gesenkt, und auch das Gebührenmodell für das Onlinetrading wurde angepasst. Gut erklärt wurde das den Kunden nicht.

Die unpopulären Massnahmen haben einen handfesten Hintergrund.

Die unpopulären Massnahmen haben einen handfesten Hintergrund. Postfinance brechen auf den internationalen Finanzmärkten die Einnahmen weg. Zudem hat das Institut kein eigenständiges Hypothekengeschäft. Auch das schmälert die Einnahmen.

Die Kunden spüren nun stärker, wie sich die Bank verändert, und beschweren sich darüber. Doch auch hier hat sich der Ton gewandelt. Bei Reklamationen ist die Bank ihren Kunden gegenüber weniger kulant als früher, so die Ombudsfrau von Postfinance.

Die Bank steht mit ihrem schlechteren Angebot nicht allein da. Denn auch die Margen der anderen Institute sinken, und die Konditionen werden angepasst. Bei den Kunden sorgt das für Frust. Das Sparkonto ist im besten Fall ein Nullsummenspiel. Eine wertbringende Anlage ist es nicht mehr. Diese Erkenntnis haben sie noch nicht verdaut, da wird bereits der nächste schmerzhafte Einschnitt vorbereitet.

Denn eigentlich würden die Kleinsparer trotz der steigenden Gebühren noch geschont, heisst es bei so manchem Spitzenbanker. Da die Negativzinsen der Schweizerischen Nationalbank nicht an die Kleinkunden weitergegeben werden, würden sie subventioniert. Doch sollte der Strafzins der SNB noch weiter sinken, könnten ihn die Banken nicht mehr lange ausgleichen, und auch die Sparer müssten dann ihren Anteil schultern. Sollte es wirklich so weit kommen, würde das für besonders viel Gesprächsbedarf zwischen Bank und Kunde sorgen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.09.2016, 23:04 Uhr

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