Aushängeschilder der Arbeitgeber unter Druck

Arbeitgeber-Präsident Valentin Vogt und Swissmem-Präsident Hans Hess stehen unter besonderer Beobachtung. Im eigenen Unternehmen läuft es alles andere als rund.

Verwaltungsratspräsident Valentin Vogt in der Produktionsstätte von Burckhardt in Winterthur. Foto: Tanja Demarmels (13 Photo)

Verwaltungsratspräsident Valentin Vogt in der Produktionsstätte von Burckhardt in Winterthur. Foto: Tanja Demarmels (13 Photo)

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Die beiden wichtigsten Exponenten der Schweizer Arbeitgeber haben kommende Woche den Auftritt des Jahres. Am Dienstag lädt Hans Hess, Präsident des Maschinen-, Elektro- und Metallindustrieverbands Swissmem, zum Industrietag in Lausanne. Gemäss Programm wird er die «Erfolgsformel einer starken Industrie» verkünden. Nur zwei Tage später, ebenfalls in Lausanne, lädt der Schweizerische Arbeitgeberverband zum Arbeitgebertag. Präsident Valentin Vogt wird die Schweizer Unternehmen für ihre Widerstandsfähigkeit gegen den starken Franken loben.

Doch zu Hause, im eigenen Unternehmen, läuft es alles andere als rund. Vogt und Hess bilden als Präsident und Vizepräsident des Verwaltungsrats das Führungsduo beim Winterthurer Kompressorenhersteller Burckhardt Compression. Dieser hatte nach der Heraus­lösung aus dem Sulzer-Konzern 2002 und dem Börsengang 2006 etliche gute Jahre. Doch vor drei Jahren ist er ins Trudeln geraten. Grund ist der Zerfall des Öl- und Gaspreises, der damals einsetzte. Burckhardt ist davon besonders betroffen, denn das Unternehmen verdient sein Geld hauptsächlich mit Raffinerien, Flüssiggas-Tankschiffen und Industriefirmen, die aus Erdgas und Erdöl chemische Produkte herstellen.

Burckhardt Compression: Spielball der SpekulantenZum Vergrössern klicken.

Seit 2015 musste das Unternehmen seinen Ausblick sechs Mal korrigieren, die Bestellungen sind stark zurückgegangen, der Gewinn ist um ein Drittel eingebrochen. Im vergangenen Sommer gab das Unternehmen bekannt, es baue weltweit 100 Stellen ab, davon 50 am Stammsitz Winterthur. Seit März müssen 200 von 700 Mitarbeitern in Winterthur Kurzarbeit leisten. Bei der Bekanntgabe der Jahreszahlen in der vergangenen Woche enttäuschte die Unternehmensleitung die Anleger mit der Aussage, Besserung sei nicht in Sicht, ein weiterer Margenrückgang sei zu er­warten. Die Dividende wird deshalb von 10 auf 7 Franken gekürzt.

Auf Vogt und Hess prasselt einige Kritik nieder. Mehrere Bankenanalysten, die zum Teil nicht genannt werden wollen, sagen, die schlechte Lage der Firma sei nicht nur mit dem schlechten Markt zu erklären, sondern auch mit Fehlern der Unternehmensspitze. «Das Management hat möglicherweise nicht frühzeitig genug auf Veränderungen im Markt reagiert und ist zu spät auf die Bremse getreten», sagt etwa Thomas Sauter, Analyst des Brokers Kepler Cheu­vreux. «Es hätte mit der Expansion vorsichtiger sein sollen.» Tatsächlich segnete der Verwaltungsrat kurz vor Beginn der Ölkrise noch zwei grosse Zukäufe ab. In China erwarb Burckhardt den lokalen Marktführer für Kompressoren, in den USA wurde mit einer Akquisition das Servicegeschäft ausgebaut. Wegen der beiden Zukäufe verwandelte sich der einst stolze Netto-Barbestand in eine Nettoverschuldung. Das macht es nun schwierig, das wachsende Servicegeschäft weiter zu stärken. Um die Profitabilität zu steigern, müsse die Firma die Kosten weiter senken, fordert Pascal Furger, Analyst der Bank Vontobel. «Dies ist eher neu für Burckhardt Compression, welche erfolgsverwöhnt war.»

Viele Wetten auf Kursverluste

Auf der anderen Seite kritisieren Arbeitnehmervertreter das Unternehmen wegen des Stellenabbaus und der Kurzarbeit. «Ich wünschte mir, dass bei Burckhardt Compression die Sozialpartnerschaft stärker gelebt würde», sagt Corrado Pardini, Industriechef der Gewerkschaft Unia. «Es wäre das Mindeste, sich mit den Sozialpartnern an einen Tisch zu setzen und die Geschäftszahlen offenzulegen, damit wir nachvollziehen können, wieso diese Sparschritte notwendig sind.» Syna-Präsident Arno Kerst sagt: «Die Herren Vogt und Hess sind in ihrer Doppelfunktion unter besonderer Beobachtung.» Er erwarte, dass sie sich aufgrund ihrer Erfahrungen bei Burckhardt offener für sozialpolitische Anliegen zeigten. Dazu zählt Kerst die Förderung der älteren Arbeitnehmer, der Einsatz für eine stärkere Arbeitslosenversicherung und eine grössere Beteiligung der Arbeitgeber an der Weiterbildung.

Valentin Vogt sagt dazu: «Auf der einen Seite kritisiert man uns wegen des Stellenabbaus, auf der anderen Seite wirft man uns vor, wir hätten zu langsam auf den Abschwung reagiert. Wir versuchen, ein Gleichgewicht zu finden zwischen Mitarbeitern, Kunden und Aktionären.» Hans Hess will sich nicht ­äussern, da er seit 2011 nicht mehr Präsident von Burckhardt sei.

Zu allem Übel ist das Unternehmen zum Ziel ausländischer Spekulanten geworden. Seit Januar führt es die von der Beratungsfirma Markit einmal monatlich veröffentlichte Liste der am häufigsten leerverkauften Unternehmen der Schweiz an. Leerverkäufe werden dann gemacht, wenn man den Kurs drücken will. Mittlerweile wird mit fast jeder vierten Burckhardt-Aktie auf rückläufige Kurse gewettet. Verwaltungsratspräsident Valentin Vogt sagt dazu: «Ich nehme das relativ gelassen, das ist Teil des Aktienmarktes und macht mir keine grösseren Sorgen.» Er plädiert allerdings dafür, dass Leerverkäufer melden müssen, wenn sie eine gewisse Schwelle überschreiten – so, wie man das tun muss, wenn man Aktienanteile aufbaut.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.06.2017, 00:03 Uhr

Hans Hess

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