Diese Frauen schafften es bis ganz nach oben

Schweizer Unternehmen werden mehrheitlich von Männern geführt. Doch es gibt Ausnahmen.

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Die Liste der Frauen, die auf den obersten Hierarchiestufen in Schweizer Unternehmen stehen, ist kurz: Gerade mal vier Konzernchefinnen und zwei Verwaltungsratspräsidentinnen listet eine Studie bei den rund hundert grössten Unternehmen in der Schweiz auf. Demnach verantwortet Susanne Ruoff die operative Leitung bei der Post, Jasmin Staiblin bei der Alpiq Holding, Suszanne Thoma bei BKW Energie und Philomena Colatrella bei der Krankenkasse CSS.

Mit Colatrella wurde 2016 erstmals seit drei Jahren wieder eine Konzernchefin berufen, wie es im Schilling-Report 2017 heisst, den der gleichnamige Topkadervermittler am Freitag vorlegte. Bereits im März hatte Schilling erste Details der aktuellen Studie bekannt gemacht. Mit dem vollständigen Bericht zeigt sich nun das Missverhältnis von Frauen und Männern in Schweizer Unternehmen in seiner ganzen Tragweite.

Diese vier Konzernchefinnen stehen für drei Prozent aller 119 Konzernchefs, die für diesen Teil des Schilling-Reports die Grundlage gebildet haben. Zudem ist bemerkenswert, dass keines der Unternehmen, das von Frauen geführt wird, im SMI vertreten ist. Auf den Index der grössten 20 Titel entfallen rund 85 Prozent der Gesamtkapitalisierung des Schweizer Aktienmarkts.

Erste Präsidentin im Jahr 2010

Noch kürzer ist die Liste jener Frauen, die in der Schweiz ein Unternehmen präsidieren: Monika Ribar ist Verwaltungsratspräsidentin der SBB und Nayla Hayek bei der Swatch Group. Der Uhrenhersteller ist im SMI gelistet. Mit der Wahl von Ribar seien erstmals im gesamten Erhebungszeitraum seit 2006 «gleichzeitig zwei Präsidentinnen» auf der Liste finden, so der Report. Unternehmen mit Verwaltungsratspräsidentinnen stellen zwei Prozent der gesamten untersuchten Gruppe von 90.

Im Rückblick zeigt sich, dass die Zahl der Konzernchefinnen gestiegen ist, von zwei 2006, auf drei von 2010 bis 2016 auf vier 2017. Verwaltungsratspräsidentinnen gibt es in den grossen Schweizer Unternehmen überhaupt erst eine seit 2010 und zwei seit Anfang dieses Jahres.

Schweiz abgeschlagen

Trotz dieser extrem tiefen Zahlen zeigt sich der Schilling-Report relativ zuversichtlich, was die weitere Entwicklung anbetrifft. Denn insgesamt in den Geschäftsleitungen liegt der Frauenanteil bei neun Prozent, im Topmanagement bei 14 Prozent und im mittleren Management bei 21 Prozent. Dieser Anteil ist vor allem im letzten Jahr markant gestiegen. Diese Gesamtsicht beruht auf den Rückmeldungen von 113 Unternehmen.

«Diese Frauen bilden die Pipeline für zukünftige Spitzenpositionen», heisst es im Report. Demnach sei davon auszugehen, dass sich ein hoher Frauenanteil im mittleren Management auf den künftigen Anteil in der Geschäftsleitung auswirken werde. Zu den Verwaltungsräten zeigt die Gesamtsicht, dass der Frauenanteil in den Aufsichtsgremien auf 17 Prozent minimal gestiegen ist, im Vergleich zu 16 Prozent im Vorjahr und 10 Prozent 2010. Von dem angestrebten Drittel sind diese Anteile jedoch weit entfernt.

Zudem liegt die Schweiz im europäischen Vergleich abgeschlagen auf dem viertletzten Platz; Schlusslicht ist Griechenland mit einem Frauenanteil von neun Prozent in den Verwaltungsräten. Auf den ersten drei Plätzen liegen Norwegen mit einem Frauenanteil von 43 Prozent, Frankreich mit 41 Prozent und Schweden mit 37 Prozent.

Öffentlicher Sektor dem privaten voraus

Zudem erhebt der Schilling-Report 2017 zum ersten Mal den Frauenanteil in den Führungsgremien aller 26 Kantone sowie in der Bundesverwaltung. Mit einem Anteil von 14 Prozent in höchsten Führungspositionen, 22 Prozent im Topmanagement und 24 Prozent im mittleren Management gibt es im öffentlichen Sektor markant mehr Chefinnen als in der Privatwirtschaft.

Der Report begründet dies mit einer deutlich höheren Attraktivität der öffentlichen Arbeitgeber für Frauen, weil sie bessere Voraussetzungen bieten für die Vereinbarkeit von Karriere und Familie.

Seit 12 Jahren erhebt der Topkadervermittler Guido Schilling die Zusammensetzung von Geschäftsleitung und Verwaltungsrat der rund 100 grössten Schweizer Arbeitgeber. Für den aktuellen Report wurde die Auswertung auf den öffentlichen Sektor ausgedehnt. Zudem hat der Kadervermittler neu die 250 grössten Unternehmen der Schweiz angefragt, ihre Zahlen zur sogenannten Gender-Diversity-Pipeline bekannt zu geben, den unterschiedlichen Anteilen von Frauen und Männern auf den verschiedenen Hierarchiestufen. Der Schilling-Report beruht bei seiner Gesamtschau auf den Rückmeldungen von 113 dieser 250 Unternehmen. (woz/sda)

Erstellt: 19.05.2017, 15:36 Uhr

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