Schweizer Internetshopper entdecken China

Erstmals gehören Ali Express und Wish zu den meistbenutzten Onlineshops in der Schweiz.

Logistikzentrum von Alibaba im chinesischen Ganyu: Schweizer kaufen gern beim chinesischen Konzern ein. Foto: Getty Images

Logistikzentrum von Alibaba im chinesischen Ganyu: Schweizer kaufen gern beim chinesischen Konzern ein. Foto: Getty Images

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Der Besuch der Website von Ali Express hat definitiv Unterhaltungswert. Nicht nur gibt es absurde Dinge wie etwa die Porzellanstatue «Pooping Karl Lagerfeld» zu kaufen. Die automatische Übersetzung von den ursprünglich chinesischen Inhalten führt mitunter zu irrwitzigen deutschen Produktbeschreibungen. «Neu gestalteten 100 paket mini led voll bunten drehen wirkung licht Work Modus 3 stücke No. 5 Batterie oder Power Kabel Magie Disco Ball» kann man zum Beispiel lesen oder «Sommer Atmungs Air Kissen Fliegenschnur Sport Frauen Laufschuhe Dämpfung Erhöhen Tourismus Schuhe Frühling Weibliche Turnschuhe».

Doch Schweizerinnen und Schweizer amüsieren sich beim Onlinemarktplatz aus China nicht in erster Linie, sie kaufen ein. Und das immer häufiger. Neue Zahlen zeigen, dass Ali Express inzwischen der achtgrösste Onlinehändler in der Schweiz ist. Die Universität St. Gallen hat 1278 Menschen nach ihren Einkaufspräferenzen befragt. Die Frage lautete dabei: «Auf welchen Sites kaufen Sie am meisten ein?» Ali Express schaffte es in diesem Jahr zum ersten Mal in die Top Ten. 1,6 Prozent der Teilnehmer nannten den China-Händler.

Die Top drei gebremst

Das Ergebnis zeigt laut Karin Neumüller vom Forschungszentrum für Handelsmanagement an der Universität St. Gallen den sogenannten «share of mind». Das heisst übersetzt: den prozentualen Anteil derjenigen Befragten, die eine bestimmte Website als eine ihrer zwei beliebtesten Shoppingsites nannten. Es geht also nicht um eine Wertung nach Umsatz, sondern nach der Bedeutung für die Nutzer.

Nummer eins ist mit 10,66 Prozent der Nennungen das Modeversandhaus Zalando, gefolgt von Amazon mit 8,5 und Ricardo.ch mit 4,15 Prozent. Jeder Händler in den Top drei verlor allerdings gegenüber dem Vorjahr – zugunsten von Ali Express und einem weiteren Neuzugang: Wish.

Der Onlinehändler aus San Francisco landete im Ranking mit einem Wert von 2,2 Prozent sogar noch vor Ali Express – und Ebay – auf Platz 6. «Das ist ein beachtliches Ergebnis für Wish», kommentiert HSG-Expertin Neumüller. Vor allem weil Wish 2015 im Gegensatz zu Ali Express noch nicht einmal in den Top 20 vertreten war. Der Sitz von Wish ist zwar in Kalifornien. Doch die App agiert lediglich als Marktplatz – den Versand übernehmen die Händler, die dort etwas anbieten. Und der Grossteil der laut dem Fachportal Etailment rund 300'000 Händler kommt aus dem Reich der Mitte. Weltweit zählt die App inzwischen mehr als 100 Millionen Nutzer. Die suchen dort günstige Alternativen für so ziemlich alles: von der Mode bis zu USB-Sticks und Zahnbürstenköpfen – für Preise, die zum Teil 80 Prozent unter denen des Originals liegen.

Mit dem billigen Preis punktet auch Ali Express. Die chinesische Amazon-Kopie des Internetgiganten Alibaba bietet zum Beispiel Ladekabel fürs iPhone zum Preis von 90 Rappen an. «Hier können Schweizer Anbieter schlichtweg nicht mithalten», kommentiert Neumüller. Beliebt ist der chinesische Onlinehändler deshalb vor allem auch bei jüngeren Kunden. Wish setzt noch einen drauf: Die App verknüpft das Einkaufserlebnis mit einem sozialen Aspekt. So gibt es etwa «Outfit Contests», bei denen Kunden mit ihrem eigenen virtuellen Outfit gegen andere Kunden antreten können.

20'000 Pakete pro Tag

Und genau solche Dinge sind es, welche die klassischen Konkurrenten das Fürchten lehren sollten. Denn dadurch steigt die Beliebtheit der Marken bei einer wichtigen Zielgruppe. «Gerade unter 25-jährige Internetnutzer suchen wesentlich intensiver nach nicht preisbezogener Inspiration, auch über Social-­Media-Kanäle», sagt Neumüller.

Wie viel Umsatz Alibaba und Wish in der Schweiz machen, ist nicht bekannt. Aber täglich trudeln bereits rund 20'000 Kleinpakete aus Asien bei der Schweizer Post ein, die dann an Haushalte im ganzen Land verteilt werden.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.03.2017, 23:08 Uhr

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