Wirtschaft

«… dann steigt das Potenzial für soziale Unruhen»

Aktualisiert am 20.01.2012 22 Kommentare

Vor dem WEF in Davos äussert der Chef des Internationalen Gewerkschafts-Dachverbands Kritik an Wirtschaftsführern – und warnt vor Ungerechtigkeit gegenüber den Normalverdienern.

Klare Worte vor dem jährlichen Treffen: Philip Jennings. (Bild: Reuters )

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In einem Interview in der heutigen Ausgabe des «Blick» (Artikel online nicht verfügbar) kritisierte Philip Jennings, Generalsekretär der UNI Global Union mit Sitz in Nyon VD, dass die Verteilung des Wohlstands ungerecht sei – am Beispiel der USA, wo die Einkommensverteilung heute so ungleich sei wie in den Zwanzigerjahren. «Jeglicher Sinn für Verantwortung und Zurückhaltung sowie für das Gemeinwohl ist abhanden gekommen», so Jennings, «das liberale Experiment ist durch alle sozialen Tests gefallen.»

Ob er am WEF, dem jährlichen Treffpunkt der Wirtschaftselite, mit solchen Argumenten wirklich Gehör finden wird? Der Gewerkschafter, selbst als Gastredner in Davos, meint, die Veranstaltung habe sich verändert und schaue «viele Dinge gesamtheitlicher an» als früher: «Die neoliberale Denkweise, wie jene des Washington Consensus, kommt nicht mehr vom WEF selber. Es sind die Wirtschaftsführer, die die Bodenhaftung verloren haben.»

Weiter beklagt Jennings, die Dinge hätten eine «Ebene von Ungerechtigkeit erreicht, welche die ganze Legitimität der Elite in Frage stellt». Wenn die Arbeitslosigkeit steige und Sparmassnahmen die sozialen Netze abschnitten, «dann steigt das Potenzial für soziale Unruhen», so der Gewerkschafter des weltweiten Dachverbands, «die Leute sind unsicher und zornig». Auf die Frage, was gegen die Einkommensunterschiede zu tun sei, antwortet er konkret: «Wir müssen mehr Gesamtarbeitsverträge aushandeln.» (raa)

Erstellt: 20.01.2012, 10:34 Uhr

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22 Kommentare

Anton Scherrer

20.01.2012, 10:41 Uhr
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Wenn die Wut in Worte gefasst werden würde, dann wird dies nicht mehr veröffentlicht. Antworten


Angela Nussbaumer

20.01.2012, 10:55 Uhr
Melden 30 Empfehlung

Philip Jennings spricht mir aus der Seele. Und was er sagt, gilt genauso für die Schweiz. Normalverdienende finden in Kantonen mit tiefern Steuern nur schwer bezahlbaren Wohnraum. Mehr und mehr müssen abwandern in Nachbarkantone, weil die Reichen Zuzüger die Preise für Grundstücke und Wohnungen in perverse Höhen treiben. Arbeitsplätze verschwinden. Bald Banlieues à la mode de Paris in der Schweiz? Antworten



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