100 Millionen Franken, nein danke

Die Negativzinsen führen dazu, dass Banken nicht mehr alle Kundengelder annehmen. Eine ist besonders wählerisch.

EEK-Präsident Manuel Ruchti (links) und Bankdirektor Daniel Pfanner.

EEK-Präsident Manuel Ruchti (links) und Bankdirektor Daniel Pfanner. Bild: zvg

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Über dieses Polster muss jede Konkurrentin vor Neid erblassen: Die Bank EEK verfügt über ein Eigenkapital von 258 Millionen Franken – das sind fast 20 Prozent ihrer Bilanzsumme, ein rekordverdächtig hoher Wert.

Weil die Genossenschaft keine Gewinne ausschütten muss, konnte sie ihr Kapital seit der Gründung im Jahr 1821 kontinuierlich aufbauen. Indem die Bank keine Filialen betreibt und alle Angestellten im Berner Stammhaus zwischen Marktgasse und Amthausgasse arbeiten, hat die EEK zudem eine schlanke Kostenstruktur.

Das dicke Eigenkapitalpolster sei auf dem Markt nicht unbemerkt geblieben, sagt Bankdirektor Daniel Pfanner, und so hätten vermögende Personen und institutionelle Anleger ihr Geld zur sicheren EEK bringen wollen.

44 Millionen an neuen Geldern hat die Bank schliesslich angenommen – vorwiegend von bestehenden Kunden. Doch über 100 Millionen Franken an Neugeldern habe man abgelehnt, sagt Pfanner. Zudem hat die Bank die Herausgabe von Kassenobligationen limitiert. Je Kunde sind maximal 500'000 Franken erlaubt.

Der Grund: Den nicht verwendeten Teil der Kundengelder hinterlegt die EEK wie andere Banken auch bei der Nationalbank. Und wie alle anderen Institute muss sie dort ab einem gewissen Betrag Negativzinsen von 0,75 Prozent zahlen.

140 Millionen liegen bei der SNB

Im Gegensatz zu vielen anderen Banken kratzt die EEK noch nicht an ihrer Freigrenze. Die Nationalbank gewährt ihr Negativzins-freie Einlagen von maximal 200 Millionen Franken. Die EEK hat nur etwa 140 Millionen Franken bei der Nationalbank deponiert. Man schöpfe die Limite nicht aus, weil man flexibel bleiben wolle, sagt Pfanner.

So rechnet die EEK damit, dieses Jahr neue Kundengelder in der Höhe von 33 Millionen Franken anzunehmen. Gleichzeitig möchte die Bank wiederum mehr Hypotheken vergeben.

Sie peilt ein Kreditwachstum von 44 Millionen Franken an. «Das hohe Eigenkapital hilft uns, im Hypothekargeschäft weiter zu wachsen», sagt Verwaltungsratspräsident Manuel Ruchti. Trotzdem wendet die EEK nach eigenem Bekunden strenge Kriterien an, wenn es um die Hypothekenvergabe geht.

Laut Pfanner hätte die Bank zusätzliche Kredite von rund 100 Millionen Franken vergeben können. «Manch einer hat das Gefühl, Immobilien seien ein Perpetuum mobile.» Doch wenn man die Tragbarkeitsberechnungen vornehme, sehe dies meist anders aus.

Im August ist der stellvertretende Bankdirektor Markus Augstburger an einer Krankheit verstorben. Auf ihn ist EEK-Kadermann Markus Feller gefolgt. (Der Bund)

(Erstellt: 03.03.2016, 12:27 Uhr)

Stichworte

In Mio. Fr. 2014 2015 Veränd.in %
Bilanzsumme 1'259 1'339 6,3
Kundengelder 833 882 5,8
Ausleihungen an Kunden 1'011 1'073 6,1
Bruttogewinn 11,2 11,1 –1,4
Reingewinn 7,9 9,8 25,2
Vollzeitstellen 36,3 36,0 –0,8

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