1:12-Initiative: Glencore-Chef droht mit Wegzug

Ivan Glasenberg, der mächtige Chef des Rohstoffriesen Glencore, äussert sich in einem Interview über die Fusion mit Xstrata, entgegnet der Kritik der NGOs und warnt vor einer Annahme der 1:12-Initiative.

«Was wir in Afrika tun, ist grossartig»: Glencore-Chef Ivan Glasenberg. (Archivbild)

«Was wir in Afrika tun, ist grossartig»: Glencore-Chef Ivan Glasenberg. (Archivbild) Bild: Keystone

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Glencore-Chef Ivan Glasenberg äussert sich in der aktuellen Ausgabe der «SonntagsZeitung» ausführlich zu diversen Themen, die seine Branche betreffen. So warnt er etwa vor einer Annahme der 1:12-Initiative: «Wir könnten dies nicht erfüllen, und ich würde dies nicht akzeptieren. Wir würden unsere besten Talente verlieren.» Der Betrieb am Glencore-Hauptsitz in Baar ZG könnte gemäss Glasenberg nicht mehr aufrechterhalten werden. «Wir glauben an den Standort Schweiz. Wenn diese Vorlage angenommen würde, wären wir aber möglicherweise gezwungen, ins Ausland zu ziehen, obwohl wir dies nicht wollen.»

Auch auf die Situation in der viel kritisierten Rohstoffbranche geht er ein. Der Zusammenschluss seines Unternehmens mit Xstrata schaffe «enorme Synergien»: «Wir wollen primär wachsen. Aber wir werden vorhandene Doppelspurigkeiten beseitigen und das mittlere Management verkleinern», antwortet er auf die Frage nach einem allfälligen Stellenabbau. Zudem strebe er eine maximale Rendite für die Aktionäre an. «Die Investoren sollen so viel Rendite bekommen, wie sie bei vergleichbarem Risiko sonst nirgendwo erhalten.»

«Man kritisiert uns aus ideologischen Gründen»

Die Kritik der Nichtregierungsorganisationen an den Geschäften der Rohstoffriesen in Entwicklungsländern kontert Glasenberg mit der Aufforderung, Minen in Afrika oder Südamerika zu besuchen. «Unsere Türen sind offen, insbesondere laden wir die Kritiker ein, die Fakten in unseren Anlagen vor Ort zu prüfen, bevor sie über uns urteilen», sagt der 56-Jährige. «Man kritisiert uns aus ideologischen Gründen», glaubt der gebürtige Südafrikaner. Denn: «Was wir in Afrika tun, ist grossartig. Wir investieren Milliarden Dollars. Wir bauen Schulen, Spitäler und die Wasserversorgung.» Dass sein Unternehmen in jenen Ländern keine Steuern bezahle, streitet er gegenüber der «SonntagsZeitung» vehement ab: «Das sind rufschädigende Gerüchte, und es ist einfach falsch. Wir zahlen Hunderte von Millionen Steuern und Lizenzgebühren in Afrika.»

Die Strategie des Bundesrats, von einer stärkeren Regulierung der Rohstoffbranche abzusehen, befürwortet Glasenberg. Das Vorgehen der Regierung hält er für «korrekt und fair». Und zum Vorwurf, Glencore bezahle keine Steuern in der Schweiz, sagt er: «Das ist Nonsens.» Wegen des Börsengangs besitze Glencore zurzeit noch Steuergutschriften. Die Partnerstruktur der Firma vor dem Börsengang habe dazu geführt, dass nicht die Firma selbst, sondern die Partner die Steuern bezahlten. In den letzten zwei Jahren hätten Glencore und die Mitarbeitenden rund zwei Milliarden Franken Steuern bezahlt in der Schweiz, sagt er der «SonntagsZeitung».

Positive Worte für die Abzockerinitiative

Zu einer anderen umstrittenen eidgenössischen Vorlage findet er differenzierte Worte: Die Abzockerinitiative schade seinem Unternehmen nämlich nicht. Es könne nicht schlecht sein für grosse Firmen, wenn die Aktionäre sich zu Boni und Salären äussern könnten. Er selbst habe letztes Jahr 964'000 Franken verdient – einen Bonus habe er nicht erhalten. Schliesslich steige der Wert der Glencore-Aktien nicht, wenn er als Chef bereits einen möglichst hohen Bonus habe, erläutert der Glencore-Hauptaktionär.

Sein Milliardenvermögen habe er mit dem risikobehafteten Aufbau des Unternehmens erwirtschaftet. «Ich hatte immer Anteile am Unternehmen, und der Wert der Firma ist massiv gestiegen.» An der fusionierten Firma halte er 8 Prozent, und sein privates Vermögen umfasse ungefähr 6 Milliarden Franken. (rbi)

Erstellt: 05.05.2013, 12:16 Uhr

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