Wirtschaft
«2008 bekam ich keinen Bonus»
Von Walter Niederberger, San Francisco. Aktualisiert am 29.09.2009 20 Kommentare
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Der untypische Star-Banker
Dougan trat 1990 der Credit Suisse First Boston bei und ist seit Mai 2007 Konzernchef. Der 50-jährige Banker arbeitet in Zürich und New York und lebt am Zürichsee. Vom Lebensstil der Wallstreet-Banker ist wenig an ihm hängen geblieben; lieber trinkt er Coke Light statt Champagner und trainiert für einen Marathon, statt Golf zu spielen.
Larry Summers, der Wirtschaftsberater von Präsident Obama, befürchtet, dass die Zeit für fundierte Reformen des Finanzsystems davonläuft. Haben die Banken ein Jahr nach dem Beinahekollaps zu wenig an ihrem Geschäftsmodell geändert?
Nein, wir haben bereits bedeutende Fortschritte erzielt, sei es auf Seiten der Banken, der Regierungen oder der Kontrollbehörden. Dies gilt ganz besonders für die Schweiz. Und bei Credit Suisse haben wir das Geschäftsmodell stark angepasst, so haben wir unser Eigenkapital stark erhöht und die Risikopositionen abgebaut. Die Schweiz und Credit Suisse haben weitgehend vorweggenommen, was am G-20-Gipfel verlangt wurde.
Das Volk bezweifelt, dass die Banken aus der Krise gelernt haben.
Ich habe schon früher darauf hingewiesen, dass die hohen Gewinne, die einzelne Banken erzielten, nicht darüber hinwegtäuschen dürfen, dass sich unsere Industrie massiv verändert hat. Und dass wir die notwendigen Lehren ziehen müssen. Unserer Branche ist dies glaube ich mittlerweile bewusst. Aber insgesamt sind wir mit den Reformen noch nicht dort, wo wir hinwollen. Diese brauchen schlicht länger, als viele denken. Einerseits müssen wir vorsichtig vorgehen, weil das Finanzsystem derart wichtig ist für die Stabilität der gesamten Weltwirtschaft. Andererseits müssen die Banken ihre Rolle in der Gesellschaft überdenken. Wenn wir uns nur um den kurzfristigen Erfolg des Geschäfts kümmern und nicht um die langfristigen Konsequenzen, dann befürchte auch ich einen Rückschlag.
Ex-Notenbankchef Paul Volcker und Nobelpreisgewinner Joseph Stiglitz kritisieren, dass die Risiken eines Kollapses höher sind als vor der Krise, weil nun weniger, aber grössere Finanzinstitute dominieren.
Die Frage der Grösse ist nicht die wichtigste. Die zentrale Frage ist jene nach dem Geschäftsmodell, dem Risikomanagement und der Vernetzung der Banken weltweit. Bei Credit Suisse haben wir vorgebeugt, indem wir unsere Bilanzsumme um ein Viertel geschrumpft und die risikogewichteten Aktiven stark abgebaut haben. Es gibt also Banken, die die Krise mit einem den Risiken angepassten Geschäftsmodell gut meistern, unabhängig von ihrer Grösse. Was mir mehr Sorge macht, ist das Finanzsystem als Ganzes. Wir müssen dessen Komplexität beherrschen und international abgestimmte Regeln einführen, wenn wir in einer nächsten Krise nicht in schwer bewältigbare Probleme geraten wollen.
Am G-20-Gipfel ist der Vorschlag, die Boni nach oben zu begrenzen, gescheitert. Sind Sie froh?
Wir sind gegen starre Limiten, weil die Boni auf das eingegangene Geschäftsrisiko und den langfristigen Kapitaleinsatz abgestimmt werden müssen. Ich gebe aber zu, dass die Banken in dieser Beziehung in der Vergangenheit Fehler begangen haben. Credit Suisse ist mit ihrem langfristig ausgerichteten und stark auf Aktien abgestützten Vergütungsmodell vorangegangen; es entspricht den Forderungen der G-20 und wird bereits von anderen Banken kopiert.
Was ist mit jenen Banken, die mit Steuergeldern ausgekauft wurden? Hat der Staat das Recht, Boni zurückzufordern?
Eine Rückforderung ist in solchen Fällen legitim. Wenn die Leistung nicht stimmt, muss eine Regierung prüfen, ob sie diese Boni zurückfordern kann – wobei sie auch Gefahr läuft, die Mitarbeiter der Bank zu verunsichern.
Wie rechtfertigen Sie den Bonuspool von über 1,8 Milliarden Dollar, der an rund 300 CS-Kaderleute und -Händler ausbezahlt werden soll?
Dieser Bonusplan wurde schon 2005 lanciert, Mitarbeiter erhielten Aktien, deren Auszahlung an gewisse Kriterien gebunden war und die über fünf Jahre gesperrt waren. Ziel war es, wichtige Mitarbeiter in einer Zeit der Neuausrichtung von der Abwanderung zur Konkurrenz abzuhalten. Das war eine Zeit, in der unsere Konkurrenten mehrheitlich Boni ohne Sperren und in bar entrichteten. Wir wissen heute nicht, ob wir letztlich 1,8 Milliarden, mehr oder gar nichts auszahlen werden. Der Betrag steht erst nächstes Jahr fest. Wichtig ist, dass diese Boni nur im Fall eines erfolgreichen Geschäftsgangs und eines positiven Aktienkurses bezogen werden können. Um es klar zu sagen: Vor einem halben Jahr noch waren diese Ansprüche völlig wertlos. Der Plan entspricht also exakt dem, was die Aufsichtsbehörden heute für ein nachhaltig ausgerichtetes, verantwortungsvolles Vergütungssystem fordern. Nur wenn die Mitarbeiter gut arbeiten und die Aktionäre profitieren, wird auch das Management belohnt – sonst geht es leer aus.
Sie selber würden rund 43 Millionen Franken beziehen, wenn die Aktie Mitte 2010 dort steht, wo sie heute ist. Damit wären Sie der bestbezahlte Konzernchef in der Schweiz.
Dieser Betrag ist rein hypothetisch, weil er wie erwähnt im kommenden Jahr bei null liegen kann. Wir haben die Finanzkrise sehr gut gemeistert und über die Laufzeit dieses Plans mehr Wert für die Aktionäre geschaffen als die meisten Konkurrenten. Wenn die Aktien anderer Unternehmen rund 40 Prozent oder rund 18 Milliarden Franken an Wert gewinnen, wie dies bei uns in dieser Periode der Fall ist, werden die beteiligten Manager dieser Unternehmen auch stark profitieren. Der Plan entspricht unserem auf Leistung ausgerichteten Entlöhnungsmodell, das wir seit einigen Jahren konsequent verfolgen. Entsprechend habe ich 2008, als wir Verluste erlitten, keinen Bonus erhalten.
Walter Baerchtold, Chef des CS-Private Banking, hat gesagt, die Bank wolle zum von den Superreichen dieser Welt am meisten bewunderten Institut werden. Auch die UBS wollte mal zur grössten Bank der Welt werden.
Grösse ist nicht das entscheidende Kriterium, sondern Qualität. Und was wir mit dieser Aussage nicht meinen, ist, dass wir uns nur noch um die Reichsten kümmern wollen. Im Gegenteil, in der Schweiz wollen wir noch besser präsent sein und erhöhen gezielt unsere Bemühungen, neue Privatkunden zu gewinnen, die nicht Millionäre sind.
Um von der Schwäche der UBS zu profitieren?
Weil wir uns in der Krise sehr gut geschlagen haben, profitieren wir vom Bedürfnis der Kunden nach mehr Sicherheit und Stabilität. Wir glauben tatsächlich, dass wir sehr gute Chancen haben, unsere Marktanteile bei den vermögenden und sehr vermögenden Privatkunden auszubauen.
Was heisst, die am meisten bewunderte Bank zu werden?
Wir wollen nicht nur finanziell erfolgreich sein, sondern eine Bank werden, mit der die Kunden gerne geschäften, wo die Mitarbeiter gern arbeiten und ein Unternehmen sein, das einen Beitrag leistet an die lokale Gesellschaft und die Gemeinwesen, in denen es tätig ist. Das bedeutet auch, dass wir in Zukunft nie auf staatliche Hilfe angewiesen sein wollen. Ein Modell, das letztlich auf einen staatlichen Auskauf angelegt ist, kann nicht nachhaltig sein.
Hilft Ihnen das neue Steuerabkommen mit den USA?
Bei CS arbeiten wir seit rund fünf Jahren daran, ein mit den ausländischen Bankgesetzen konformes Geschäft sicherzustellen. Wir bauen deshalb unsere internationalen Tätigkeiten vor Ort stark aus, und wenn wir grenzüberschreitende Offshore-Geschäfte tätigen, müssen sie mit den anwendbaren Gesetzen vereinbar sein. Dies ist Teil unseres Anliegens, die meistbewunderte Bank zu sein.
Was raten Sie Ihren Kunden, die Steuern hinterzogen haben?
Wir empfehlen, den Rat von Experten beizuziehen. Es gibt keine Abkürzungen und Auswege mehr.
Sind Sie sicher, dass Sie nicht ähnliche Fälle haben wie bei der UBS?
Wir unternehmen alles, dass unsere Geschäfte gesetzeskonform sind. Ausschliessen, dass irgendwann vielleicht doch ein Einzelfall mit Problemen auftaucht, kann man natürlich nie.
Wie lange können Banken auf das günstige Geld der Notenbanken zugreifen und so Profit machen?
Dies ist eine berechtigte Frage, aber schwer zu beantworten. Unser Geschäft allerdings ist nicht vorrangig auf eine rasche Zunahme der Vermögenswerte angewiesen. Wir sind so ausgerichtet, dass wir von schwierigen wie auch von sich erholenden Märkten profitieren können. Aber ich gebe zu, dass unsere Kunden bestimmt zuversichtlicher sind und mehr Transaktionen vornehmen, wenn die Märkte steigen.
Legen Notenbanken bereits die Grundlage für die nächste Spekulationsblase?
Die Notenbanken haben Zugang zu mehr Informationen als wir, deshalb ist dies schwer zu beurteilen. Es stimmt, dass das Risiko zur Überstimulation der Weltwirtschaft besteht, andererseits könnte ein zu frühes Zudrehen des Geldhahns den Aufschwung wieder blockieren. Die Notenbanken stecken also in einem Dilemma und wollen so vorsichtig wie möglich vorgehen, um ein nachhaltiges Wachstum zu ermöglichen.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 29.09.2009, 10:13 Uhr
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20 Kommentare
Oje, er hat keinen Bonus erhalten. Das ist ja furchtbar. Bestimmt ist er jetzt am Existenzminimum. Gott ist das ein Wahnsinn wenn solche Manager extra erwähnen müssen dass sie keinen Bonus erhalten haben obwohl sie eh schon so viel Geld bekommen. Ich bin schon auch dafür dass Fleiss und Verantwortung gut entlöhnt werden, aber alles hat mal eine Grenze. 40 Millionen sind einfach zuviel! Antworten
Ich habe 2008 auch keinen Bonus erhalten und all die Jahre vorher auch nicht, erhalte keine goldenen Fallschirme oder andere Vergütungen bei einem Versagen meinerseits und verdiene ein moderates Jahresgehalt. Ausserdem sind die Banken die Trittbrettfahrer der Konjunktur, dh das Wachstum/ihre Boni erhalten sie von der Industrie/Konsument, Banker erzeugen gar keine Werte! Antworten
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