40-Millionen-Busse: Beispiellose Strafe gegen Vekselberg

Aktualisiert am 28.01.2010 28 Kommentare

Das Departement Merz hat den russischen Investor Viktor Vekselberg wegen seines Einstiegs beim Technologiekonzern OC Oerlikon hart bestraft. Vekselberg spricht von einem «willkürlichen und befangenen Urteil».

1/10 Die 40-Millionen-Busse des Finanzdepartements war unverdient: Das Bundesstrafgericht hat Viktor Vekselberg von der Widerhandlung gegen das Börsengesetz freigesprochen.
Bild: Keystone

   

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Das Eidgenössische Finanzdepartement (EFD) wirft Vekselberg vor, das Börsenrecht verletzt zu haben, wie es in der Mitteilung von Vekselbergs Beteiligungsgesellschaft Renova vom Donnerstag heisst.

Konkret geht es demnach um zwei Aktienpakete der damaligen Unaxis (heute OC Oerlikon), die Renova 2006 der österreichischen Beteiligungsgesellschaft Victory abgekauft hat.

Renova und Victory bildeten damals aus Sicht des EFD eine Gruppe - und hätten dies entsprechend melden müssen. Renova weist die Anschuldigungen zurück und betont, alle Vorschriften beachtet zu haben. Eine Gruppenbildung mit Victory bei OC Oerlikon (OERL 8.12 0.00%) habe erst später bestanden - und sei 2008 ordnungsgemäss gemeldet worden.

Gleiche Strafe für Victory-Eigner

Das Departement nimmt zu dem im Dezember erlassenen Urteil keine Stellung, weil das Verfahren noch nicht abgeschlossen sei. Gemäss der «Neuen Zürcher Zeitung» vom Donnerstag stützt sich der Befund des EFD unter anderem auf einem Preisnachlass, den Victory Renova gewährt habe.

Renova hat gemäss der Zeitung beim ersten Aktienkauf 16 Prozent weniger als der Marktpreis für die Titel von Unaxis zahlen müssen. Dies habe das EFD als Indiz für abgestimmtes Verhalten gewertet.

Laut dem Zeitungsbericht sind die damaligen Eigentümer von Victory, die Österreicher Ronny Pecik und Georg Stumpf, ebenfalls mit 40 Millionen Franken gebüsst worden. Auch dazu schweigt sich das EFD aus.

OC Oerlikon mit Schuldenberg

Vekselberg und den beiden österreichischen Investoren droht weiteres Ungemach: Denn das EFD führt auch eine Untersuchung wegen des Einstiegs der drei Investoren beim Winterthurer Maschinenkonzern Sulzer. Es geht ebenfalls um eine mögliche Verletzung von Meldepflichten, und zwar beim Aufbau ihrer Beteiligung zwischen November 2006 und April 2007.

Im April 2007 hatte die Beteiligungsgesellschaft Everest - damals je zur Hälfte von Vekselberg und den beiden Österreichern kontrolliert - von einem Tag auf den anderen einen Anteil von fast einem Drittel an Sulzer erworben.

Der russische Milliardär mit Wohnsitz Zürich besitzt mittlerweile rund 45 Prozent an OC Oerlikon und gut 31 Prozent an Sulzer. Pecik und Stumpf sind unterdessen nicht mehr Sulzer-Aktionäre - Pecik hält allerdings noch gut 12 Prozent an OC Oerlikon (Stand Sommer 2009).

Das Urteil des EFD kommt für Vekselberg zur Unzeit. OC Oerlikon ist hochverschuldet und muss restrukturiert werden. Gemäss Renova entspricht die 40-Millionen-Busse rund einem Fünftel des aktuellen Werts von OC Oerlikon. (bru/sda/ddp)

Erstellt: 28.01.2010, 10:42 Uhr

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28 Kommentare

Luzia Keller

28.01.2010, 12:34 Uhr
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Jetzt verstehe ich nicht, wieso ein Investor gebüsst wird, nur weil er mit den üblichen Tricks im M&A-Business einen der inovativsten Technologiekonzerne gerettet - sorry übernommen - hat . Hier hätte Nachsicht besser gepasst als im Finanzsektor. Wenn schon schulmeistern im EFK Merz, dann bitteschön nicht ein Konzern mit u.a. Spitzentechnologie für erneuerbare Energien. Goht's no!! Antworten


Klaus Müller

28.01.2010, 08:15 Uhr
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Wieder ein Beispiel der schon peinlichen Unfähigkeit des EFD. Das Problem, wenn man es denn so nennen will, ist das EFD selbst mit deren undichten Regulationen beim Kauf von Aktienpaketen, welche zur Uebernahme eines Unternehmen führen können. Es ist sicherliche ethisch nicht das Gelb vom Ei wie Vekselberg bei der Uebernahme vorgegangen ist. Antworten



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