Wirtschaft

AKW-Betreiberin fälschte schon mal Reparaturberichte

Von Christoph Neidhart. Aktualisiert am 14.03.2011 9 Kommentare

Das Sorgen-AKW Fukushima gehört der privaten Firma Tepco. Sie ist schon öfters durch Pfuschen, Vertuschen und gar Fälschen aufgefallen.

Das kommt nicht zum ersten Mal vor: Die Tepco-Chefs zeigten sich am Wochenende wieder einmal reuig.

Das kommt nicht zum ersten Mal vor: Die Tepco-Chefs zeigten sich am Wochenende wieder einmal reuig.
Bild: AFP

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Jahrelang versicherte das private Tokioter Elektrizitätswerk Tepco, ihre Atomkraftwerke seien erdbebensicher. Doch nun haben innerhalb von vier Jahren alle drei Atomkraftwerke der Firma erdbebenbedingte Unfälle verzeichnet. Am schlimmsten traf es das AKW Fukushima I, das derzeit Japan in Angst und Schrecken versetzt. Auch Fukushima II ist beschädigt worden. Das dritte AKW von Tepco – Kashiwazaki an der Japanischen See – hatte nach dem Chuetso-Oki-Erdbeben im Juli 2007 Probleme. Damals dauerte es ein Jahr, bis das Werk wieder ans Netz gehen konnte.

Zu Fukushima I gehören sechs Reaktoren, zwei weitere sind geplant. Fukushima II verfügt über vier Reaktoren. Und Kashiwazaki umfasst sieben Reaktoren, von denen allerdings fünf immer noch abgeschaltet sind. Tepcos Normalbetrieb sieht vor, dass die Kernkraftwerke den Basisstrom liefern, der rund um die Uhr im Raum Tokio gebraucht wird. Die Wasser- und Wärmekraftwerke werden für die Spitzenzeiten zugeschaltet.

Stromausfälle in Tokio

Tepco hat eine lange Geschichte von Störfällen, die über Jahrzehnte vertuscht worden sind. Die Firma behauptete, Reparatur- und Service-Arbeiten gemacht zu haben, und reichte den Behören die zuständigen Protokolle ein. Gemacht hat sie freilich oft nichts, die Protokolle waren gefälscht.

So traten an der Hülle des Reaktors 3 von Fukushima II einst Risse auf, durch die Radioaktivität entwich. Der Skandal flog auf, weil ein Mitarbeiter von General Electric Japans Agentur für nukleare Sicherheit alarmierte. Die Tepco-Bosse gaben sich theatralisch reuig, versprachen, «alles aufzuklären», unterliessen es aber, Schuldige zu benennen. Tepco-Präsident Nobuya Minami trat zurück. Eine Untersuchung der Regierung ergab, Tepco habe über Jahre gepfuscht, Unfälle verschwiegen und systematisch gezielt Reparaturberichte gefälscht.

Am Sonntag musste Tepco ankündigen, ab Montag werde der Strom in Tokio über längere Perioden abgestellt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.03.2011, 10:29 Uhr

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9 Kommentare

Alex Kramer

14.03.2011, 10:11 Uhr
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@ Stefan Meier: Ich habe schon das Gegenteil erlebt. Im KKW Gösgen, was ja in der Schweiz ein jüngeres KKW ist, lief auch nach dem 3. Versuch noch nichts. Ihre Äusserungen hören sich wie diejenigen von BR Leuthard an; die ist Juristin, aber sicher keine Technikerin.
Ausserdem können Sie in einem CH-AKW keine Schraube drehen, ohne virher 15 Bundesordner voll Bürokratie gewälzt zu haben. Tragisch!
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Walter Meile

14.03.2011, 09:18 Uhr
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Uns wird immer versichert, dass es keine Kompromisse im Betreiben von Atomkraftwerken gibt. Die Aussage von Fr. Leuthard im gestrigen Interview ist ein Beispiel dafür. Ihre Aussage: Unsere Einrichtungen sind sicher, wir werden die Lage aber analysieren und die Erkenntnisse einfliessen lassen. Das heisst auch, dass nicht an alles Undenkbare gedacht wurde und nicht verantwortbare Risiken bleiben. Antworten



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