Wirtschaft
Ackermanns wichtigster Kampf
Von Olivia Kühni. Aktualisiert am 12.07.2011 2 Kommentare
Stellungnahme Deutsche Bank
Offiziell nimmt die Deutsche Bank zum Duell keine Stellung. Die Sprecher haben nur wiederholt, dass Ackermann keine Ambitionen auf das Amt des Aufsichtsratschefs habe, und dass er auch nicht mit Rücktritt gedroht habe. Ausserdem würden die Aufseher zu gegebener Zeit ihre Entscheidung mitteilen.
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Es ist ein wahrhaftiger Gockelkampf, den sich Josef Ackermann und Clemens Börsig liefern. Sowohl Ackermanns Vertrag als Konzernchef wie auch Börsigs Vertrag als Aufsichtsratsvorsitzender (VR-Präsident) laufen 2013 aus. Jetzt wollen sich beide Männer die Macht sichern: Sie streiten sich darum, wer die Deutsche Bank (DBN 29.39 1.07%) künftig als Konzernchef und somit als Ackermanns Nachfolger führen wird.
Der Konflikt dauert seit Jahren an. Zum ersten Eklat kam es 2009, als Ackermanns Vertrag ein erstes Mal auslief. Damals wollte Börsig auf eigene Faust einen Nachfolger für Ackermann ernennen – laut Spekulationen gar sich selber ins Spiel bringen. Ackermann liess ihn eiskalt auflaufen: Er kündigte seinen vorschnellen Rücktritt an. Börsig, mit leeren Händen, musste den erfolgreichen Bankchef bitten, doch noch vier Jahre zu verlängern. Ein Sieg für den Schweizer. Und ein vertagtes Finale.
Jetzt drängen Investoren den Aufsichtsrat dazu, den Streit mit einer offiziellen Nachfolgeregelung bis zum 25. Juli zu beenden. Denn Ackermann und Börsig sind mittlerweile derart öffentlichkeitswirksam zerstritten, dass die Bank Schaden zu nehmen droht. Für die erneute Eskalation sorgte der Entscheid des früheren deutschen Bundesbankpräsidenten Axel Weber, zur UBS zu gehen. Anonyme Informanten um Ackermann werfen Börsig nun über die Medien vor, bei den Verhandlungen mit Weber versagt zu haben. Die Demontagen könne man «nicht länger dulden», zitiert die «Welt» ein anonymes Mitglied des Aufsichtsrats. Seit gestern Sonntag arbeitet der Nominationsausschuss nun mit Hochdruck an einer Nachfolgeregelung.
Rücktrittsdrohung
Klar ist: Der heutige Investmentbankchef Anshu Jain ist als zukünftiger Konzernleiter gesetzt. Weder Ackermann noch Börsig kommen um ihn herum. Seine Sparte hat letztes Jahr über 70 Prozent des Konzerngewinns erwirtschaftet. Er gilt als Akrobat der Finanzmärkte, als hoch ehrgeizig und weltgewandt – und doch als so misstrauisch und genau, dass er als einer der wenigen weltweit sein Haus durch die Finanzkrise gerettet hat. Ackermann hat einen guten Draht zu Jain und dessen Leuten in London: Er hat dafür gesorgt, dass sie sich zu einer der bedeutendsten Investmentbanken überhaupt entwickeln und der Deutschen Bank so satte Gewinne bringen konnten.
Börsig will, dass Jain einen Tandempartner erhält. Der Deutsche Jürgen Fitschen, der jahrelang das Firmenkundengeschäft leitete, ein ruhiger, solider Schaffer. Er soll dafür sorgen, dass der Konzern auch mit einem Inder an der Spitze in Deutschland verankert bleibt, dass weiterhin Deutsch gesprochen wird und der Kontakt zur Politik nicht abbricht. Talente, von denen Ackermann offenbar wenig hält: Er habe immer wieder durchblicken lassen, dass er Fitschen nicht für den richtigen Mann an Jains Seite hält. Stattdessen vertraut Ackermann auf Jain, allenfalls im Duo mit Hugo Bänziger. Der heutige Risikochef ist ein langjähriger Vertrauter Ackermanns. Mit dem Duo Jain/Bänziger könnte Ackermann, dem Ambitionen auf Börsigs Posten nachgesagt werden, gut zusammenarbeiten.
Kaum einer kennt die Märkte besser als er
Um sich die Macht zu sichern, wirft Ackermann in diesen Tagen das ganze Gewicht seines Erfolgs in die Waagschale. Falls Fitschen komme, schrieb heute die «Bild» mit Verweis auf anonyme Informanten, werde Ackermann zurücktreten – es ist dieselbe Drohung, die bereits 2009 gewirkt hat. Ackermann weiss, dass die Bank seine Erfahrung noch braucht: Kaum einer weltweit kennt die Finanzmärkte besser als er, der auch die deutsche Regierung berät.
Es ist darum wahrscheinlich, dass sich Ackermann wieder durchsetzt. Entweder wird der Aufsichtsrat auf eine Nominierung Fitschens verzichten. Oder er wird Ackermann das Gesicht wahren lassen, indem er ihn gleichzeitig als künftigen Aufsichtsratsvorsitzenden präsentiert: 2013, wenn Börsigs Amtszeit sowieso abläuft. Und wenn Fitschen, der bereits jetzt 63 Jahre alt ist, sein Penionsalter erreicht hat. Dann würde das Duo Ackermann/Jain gleichzeitig eine dynamische Zukunft und den Draht zur Politik sichern – ähnlich, wie es in der Schweiz das Duo Villiger/Grübel tun sollte.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 11.07.2011, 14:39 Uhr
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2 Kommentare
Sir Ackermann wird sich immer durchsetzen - doch lieder NIE für die Schweiz.
Er ist leider bei der falschen Bank - er gehört ins Gremium vom Bundesrat oder als Vorgesetzter einer CH-Bank.
Dieser Mann weiss von was er spricht - dieser Mann hat den Ueberblick und dieser Mann bewegt die Finanzwelt. BRAVO - sind wir doch einfach stolz auf ihn.
ewz
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