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«Aktien verkaufen? Da muss ich zuerst meine Frau fragen»

Franz Steinegger gibt seinen Segen zur neuen Lösung für das Skigebiet zwischen Andermatt und Sedrun. Gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet nahm der Alt-Nationalrat auf dem Oberalp Stellung.

«Hier oben verdiente ich mein Studium als Skilehrer»: Franz Steinegger im Schnee auf der Passhöhe. (Video: Jan Derrer)

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16:50 Uhr: Franz Steinegger flog am Mittag mit Samih Sawiris per Helikopter vom Talboden auf den Oberalp. Etwas verwundert über die grosse Medienschar, sagte der Urner nach verlassen der Maschine im Oberalper Schnee: «Was ist das, CNN?» Für ihn war die Sache schon gelaufen, nachdem die «Neue Urner Zeitung» über den anvisierten Deal geschrieben hatte. Und dieser sieht so aus: Die bisherigen Skianlagen-Besitzter in Andermatt und Sedrun verkaufen - oder tauschen - nach Wunsch von Andermatt Swiss Alps mindestens 67 Prozent ihrer Aktien an die Andermatt Surselva Sport (ASS), eine Tochter von Sawiris' Andermatt Swissalps.

Auf die Frage, mit welchem Gefühl er nun den Widerstand aufgegeben hat, sagt Steinegger: «Man kann entspannt sein, wir haben die Interessen unserer Aktionäre verteidigt.» Wer an der «grossen Vision» teilhaben wolle, der könne das mit einem Aktientausch. Zu der schwedischen Skianlagen-Betreiberin Skistar meinte Steinegger: «Das war unprofessionell, die meinten, sie könnten einen Takeover veranstalten, ohne mit den Leuten zu sprechen.» Dass die Schweden dann später doch wieder einsteigen könnten, das mag Steinegger nicht mehr gross kommentieren: «Das liegt nicht mehr in meinem Einflussbereich und ist Sache der neuen Trägerschaft.»

Er selber wurde in diesem Skigebiet gross, war später Skilehrer und verdiente damit sein Studium. Darum liegt ihm die weitere Entwicklung noch immer «am Herzen». Selber ist er auch Aktionär der Andermatt Gotthard Sportbahnen (AGS). Verkauft er? «Das muss ich zuerst mit meiner Frau besprechen.»

14.50 Uhr Der Streit um den Ausbau des Skigebiets Andermatt-Sedrun dürfte sich dem Ende zuneigen. Eine Tochterfirma von Samih Sawiris' Orascom strebt eine Mehrheitsbeteiligung der beiden bisherigen Skianlagenbetreiber an. Der bisher lauteste Kritiker, Franz Steinegger, gibt seinen Segen dazu.

Samih Sawiris zeigte sich an der Pressekonferenz auf dem immer noch verschneiten Oberalp erleichtert. Der Schritt – obwohl noch nicht ganz abgesegnet – dürfte auch seiner gebeutelten Firma Orascom wieder neuen Schwung verleihen. Ganz nach dem Motto: «Es geht etwas in Andermatt.»

In der Schweiz laufe alles etwas langsamer – dafür sicherer, sagte Sawiris. Und er ziehe Letzteres vor. «Ich lasse mich von Natur aus nicht hetzen.» Im Interview mit Tagesanzeiger.ch/Newsnet führt der Tourismusunternehmer dann aus, warum es mit der Firma Skistar so schwierig wurde: «Die Schweden waren mit dem Tempo und dem Takt hier nicht zufrieden.» Zur Erinnerung: Franz Steinegger kritisierte die schwedische Skisport-Betreiberfirma wegen des forschen Vorgehens. Sawiris dazu: «Die sagten, wenn wir fertig seien mit den Verhandlungen, sollen wir uns wieder melden.»

Angesprochen auf den Schluss des jüngsten SF-Dokfilms, wo er sagte, er könne sich auch nochmals eine ganz neue Aufgabe vorstellen, meinte Sawiris: «Vielleicht suche ich nochmals eine ganz neue Herausforderung. Ich mache jetzt diese Ski-Geschichte, die nächste macht jemand anders. Man kann nicht immer das Gleiche machen, bis das Leben fertig ist.» Das aber will nicht heissen, dass Sawiris irgendwann nicht mehr in Andermatt zu sehen ist: «Irgendwann komme ich nicht mehr zum Arbeiten, sondern zum Geniessen.»

Zweieinhalb Stunden nach Ankunft hob der Helikopter mit Sawiris wieder ab. Zielort: Buochs. Dort steigt er in seinen Privatjet und hebt Richtung Venedig ab. «Ich bin mit meiner Familie in den Ferien und wollte nicht zwei Tage unterwegs sein, um auf den Oberalp zu kommen», so der Unternehmer auf die Frage, warum er denn mit dem Heli gekommen sei. «Meine Kinder wollen Venedig sehen.»

13.16 Uhr Die Pressekonferenz ist zu Ende. Es folgen hier gegen 15.30 Uhr Video-Interviews mit Samih Sawiris und Franz Steinegger.

13.11 Uhr Sawiris: «Danke, dass Sie gekommen sind. Und sorry, dass alles etwas länger dauert als geplant. Ich habe inzwischen gelernt, dass in der Schweiz alles etwas länger geht – dafür sicherer. Und das Letzte ist besser.» Was hier am entstehen sei, sei eine gute Sache für die Region, so der Ägypter.

13.05 Uhr Auch der Vertreter der Sedruner Seite signalisiert Zustimmung zum neuen Projekt. Das Angebot der neuen Gesellschaft Andermatt Surselva Sport sei «grosszügig» und diene als Grundlage für weitere Verhandlungen. In wenigen Minuten spricht Sawiris...

12.58 Uhr Steinegger: «Der Verwaltungsrat der Andermatt Gotthard Sportbahnen betrachtet das Angebot der Andermatt Surselva Sport als fair.» (Dazu mehr beim Eintrag von 12.05 Uhr). Man empfehle den Aktionären das Andienen der Aktien mit leichter Gewichtung für den Verkauf. Steinegger und das VR-Gremium signalisieren damit also Zustimmung zur neuen Lösung. Der Alt-Nationalrat erklärt, dass das frühere 200-Millionen-Projekt als zu risikoreich eingestuft wurde. «Auch das jetzige 130-Millionen-Projekt beinhaltet noch ein Risiko.» Nun finde mit der voraussichtlichen Eignerverteilung aber eine sinnvolle Risiko-Absicherung statt.

12.30 Uhr Noch immer wird das Projekt einige Hürden nehmen müssen. Unter anderem ist ein Urnenentscheid in der Gemeinde Tujetsch nötig. Diese hält derzeit 51 Prozent der Sedruner Bergbahnen. Die Volksabstimmung findet am 1. Juli 2012 statt. Wie es nun heisst, soll Baubeginn im Frühjahr 2013 sein.

12.20 Uhr Was per Communiqué zuvor mitgeteilt wurde, erläutern die Verantwortlichen nun im Restaurant auf der Passhöhe. Vor rund 10 Minuten landeten Sawiris und Franz Steinegger im Helikopter auf der Passhöhe. Der frühere Urner Nationalrat zeigte sich überrascht vom Medienaufkommen im Oberalper Aprilschnee: «Was ist das, CNN?», so Steinegger im Blitzlichtgewitter.

12.05 Uhr Für den Ausbau und Zusammenschluss der Skigebiete von Andermatt UR und Sedrun GR scheint eine Lösung gefunden worden zu sein. Der ägyptische Investor Samih Sawiris will die beiden Sportbahngesellschaften übernehmen. Sawiris Andermatt Swiss Alps AG, die das Feriendorf in Andermatt baut, unterbreite den Aktionären der Andermatt Gotthard Sportbahnen AG und der Sedrun Bergbahnen AG je ein Übernahmeangebot, teilten die Verantwortlichen auf dem Oberalppass mit. Die Andermatt Swiss Alps ist bereits heute über ihre Tochtergesellschaft Andermatt-Surselva Sport AG an den Bergbahnen beteiligt. Diese will die Beteiligungen auf mindestens 67 Prozent erhöhen. Die Planung des Zusammenschlusses der Skigebiete war in den letzten Monaten wegen Meinungsverschiedenheiten ins Stocken geraten.

11.55 Uhr Unten in Andermatt wurden wir fehlinformiert. Wie es auf dem Oberalp heisst, wird Sawiris mit dem Helikopter eingeflogen. Der Ägypter versteht sich als Meister des Verkaufens. Die Journalisten warten im Schnee.

11.15 Uhr: Die Bahnreise auf den Oberalp findet ohne Sawiris und Steinegger statt. «Sie sind schon oben. Um 8 Uhr gingen die ersten rauf», heisst es am Bahnhof Andermatt. Am Gemsstock fahren vereinzelte Wintersportler den steilen Abhang hinunter. Derweil schlängelt sich der Zug auf die Passhöhe. Journalisten sind in grosser Schar unterwegs. Im Zug wird gerätselt, was Sawiris zu berichten hat.

10.30 Uhr: «Sawiris unterbreitet ein attraktives Kaufangebot», titelt die «Neue Urner Zeitung» heute. Demnach soll der ägyptische Investor sich direkt an die Aktionäre der bestehenden Bergbahnen wenden. Als Alternative zum Kauf würde ein Tausch angeboten. Im Blatt selber wird schon die «Lösung fürs Bergbahnprojekt» gepriesen. In gut einer Stunde wissen wir mehr.

10.00 Uhr: Heute also um 12 Uhr will Samih Sawiris die Pläne für das Skigebiet Andermatt-Sedrun bekannt geben. Er hat die Medien auf den Oberalppass auf über 2000 Meter über Meer geladen. Der Dienstagmorgen in Andermatt ist ruhig. Im Dorfcafé Baumann sitzen ein paar Bauarbeiter. Wenige Skisportler schreiten - die Bretter gebuckelt - durchs Dorf. Ihr Ziel: Talstation Gemsstock. Der Hausberg Andermatts kann noch immer befahren werden. Im Skigebiet Nätschen ist dagegen schon Schluss.

«Uns gefällt es so, wie es ist», sagt uns vor der Gondelbahn Gemsstock eine Deutsche Skitouristin. Von ihr aus müsse nichts erneuert werden. Sie befürchtet, dass der Massentourismus im Urserntal Einzug hält. «Ich weiss nicht, ob wir dann noch kommen.» Andere sind nicht gleicher Meinung: «Die Schlepplifte könnten schon erneuert werden», sagt die Mutter zweier Kinder. Sie ist zum dritten Mal nach Andermatt zum Skifahren gekommen.

Ein Snowboarder sagt zu den Ausbauplänen für das Skigebiet: «Es muss alles im Mass geschehen.» Wenn es zu gross und zu voll wird, sei das nicht schön. Aber: «Etwas mehr Kapazität wäre schon gut.»

Im Dorf selber spürt man Verunsicherung bezüglich der Ausbaupläne. «Das ganze ist etwas ins Stocken geraten», sagt uns ein lokaler Gewerbler. Möglicherweise sei doch mit der etwas zu grossen Kelle angerichtet worden. Freuen würde sich der Mittdreissiger trotzdem über ein ausgebautes Skigebiet. «Das wäre schon attraktiv.» Dass Sawiris heute auf dem Oberalp seine Pläne vorstellt, das weiss jeder im Dorf. «Heute ist der Sawiris auf dem Pass», sagt uns einer auf der Strasse. Klar, deswegen sind wir hier.

Ausgangslage vor der heutigen Medienkonferenz um 12 Uhr

Auf 1,8 Milliarden Franken werden die Kosten für das Ferienresort von Samih Sawiris in Andermatt inzwischen geschätzt. Es ist das derzeit grösste Tourismus-Projekt im ganzen Alpenbogen. Und ein gewagtes. Die Verkäufe der Wohnungen könnten besser laufen, jüngst stiegen potenzielle Kunden sogar wieder aus. Die federführende Firma Orascom musste in jüngster Zeit Rückschläge hinnehmen, worauf der Ägypter Sawiris aus seinem Privatvermögen 125 Millionen Franken in das Andermatter Projekt einschoss.

Damit die neuen Bewohner und Feriengäste in Andermatt aber auch auf ihre Kosten kommen, muss auch die Infrastruktur im Urserntal auf Vordermann gebracht werden. Insbesondere die in die Jahre gekommenen Skianlagen dürften den Ansprüchen der neuen Gäste kaum genügen. Darum hat man sich schon früh um einen Ausbau respektive eine Modernisierung bemüht.

Auf 180 Millionen Franken waren dafür die Kosten ursprünglich geschätzt worden. Dazu müssten die beiden Skigebiete von Andermatt und Sedrun zusammengelegt und verbunden werden. Allerdings müssen dafür die beiden Unternehmen in eine Betreiberin überführt und neues Geld muss eingeschossen werden. Sawiris hielt Ausschau und wurde in der schwedischen Skistar fündig. Ein Unternehmen, das vom Bau über den Betrieb von Anlagen bis zur Vermietung von Skiausrüstung alles übernimmt.

Die Schweden aber wollten eine Mehrheit an der neuen Firma, was inzwischen da und dort auf Ablehnung stösst. Prominentester Kritiker ist Ex-Nationalrat und FDP-Präsident Franz Steinegger. Der Urner präsidiert die Andermatt-Gotthard-Sportbahnen (AGS). Ihm ging alles zu schnell, er macht sich für einen etappierten Ausbau des Projekts stark. Bereits wurde das Projekt auf 130 Millionen Franken redimensioniert.

Auf der Kippe stehen auch Zuschüsse der öffentlichen Hand. Und ohne die soll es angeblich nicht gehen. Von 10 Millionen Franken vom Kanton Uri à fonds perdu war einmal die Rede, zusätzlich soll Bern 30 Millionen Franken an zinslosen Darlehen bereitstellen.

Nun schrieb die «Neue Luzerner Zeitung» vor gut einer Woche, Sawiris habe den beiden Bergbahnbetrieben eine Offerte gemacht. Es wird spekuliert, dass der Ägypter die Mehrheit am neuen Sportbahnbetreiber übernehmen könnte. Die schwedische Skistar wäre als Betreiberin zwar noch mit an Bord, allerdings nicht als bedeutender Teilhaber. Ob die Andermatt Swiss Alps – die Betreiberin des Resorts im Urserntal – oder allenfalls nochmals Sawiris selber mit seinem Privatvermögen einspringt, bleibt zunächst offen.

Viele Fragen rund um die Andermatter Projekte sind derzeit noch offen. Samih Sawiris wird einige heute Mittag um 12 Uhr auf dem Oberalppass klären. Wir berichten live von der Medienkonferenz, an der auch Franz Steinegger teilnehmen wird.«» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.04.2012, 10:36 Uhr

«Ich habe Geduld»: Samih Sawiris auf dem Oberalp. (Video: Jan Derrer)

Das Angebot

Heute um 12 Uhr luden Samih Sawiris und Franz Steinegger die Medien auf den Oberalppass. Und verkündeten: Für den Ausbau und Zusammenschluss der Skigebiete von Andermatt UR und Sedrun GR hätten sie eine Lösung gefunden. Sawiris will die beiden Sportbahngesellschaften übernehmen. Diese signalisieren Zustimmung.

Was die Skitouristen am Dienstagmorgen an der Talstation Gemsstock zu den Ausbauplänen sagen. (Video: Jan Derrer) ()

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