Wirtschaft
Aktionäre sollen Anzeige gegen Vasella prüfen
Aktualisiert am 17.02.2013 119 Kommentare
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Die 72 Millionen Franken schwere Abfindung für Daniel Vasella hat in der Diskussion um die Abzockerinitiative für Zündstoff gesorgt. Aktionärsschützer wollen nun Strafanzeige gegen ihn und die Novartis einreichen. Finden Sie, dass eine Strafanzeige gegen den Novartis-Chef gerechtfertigt ist?
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Die Nachricht über die 72-Millionen-Zahlung für den scheidenden Novartis-Chef Daniel Vasella hat einen Sturm der Entrüstung ausgelöst, Politiker und Wirtschaftsvertreter sind empört. Laut einem Bericht der «SonntagsZeitung» wollen die Aktionärsvereinigungen Ethos und Actares nun dem Novartis-Verwaltungsrat an der Generalversammlung vom kommenden Freitag die Decharge verweigern.
Damit nicht genug: Laut dem früheren Tessiner Staatsanwalt und Minder-Unterstützer Paolo Bernasconi muss die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt jetzt von Amtes wegen prüfen, ob Ermittlungen wegen ungetreuer Geschäftsführung einzuleiten sind, wie die Zeitung weiter schreibt. Aktionärsschützer Hans-Jacob Heitz erwäge zudem eine Strafanzeige gegen Vasella und Novartis. (NOVN 71.45 0.00%) Druck komme auch aus der Politik. Die Parteipräsidenten Philipp Müller (FDP) und Christian Levrat (SP) verlangen in der «SonntagsZeitung» eine Untersuchung, die aufzeigen soll, wer für die Abgangsentschädigung verantwortlich ist. Für Müller ist klar, dass das Aktionariat für personelle Konsequenzen im Novartis-Verwaltungsrat sorgen muss.
Ethos verlangt Vertragsannullierung
Hans-Jacob Heitz, Aktionärsschützer und ehemaliger Bundesverwaltungsrichter bestätigte gegenüber der «Tagesschau» von Schweizer Radio und Fernsehens, dass er am Montag eine Strafanzeige wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung einreichen wolle. «Durch Herrn Vasella und den Verwaltungsrat von Novartis wurden die Rechte der Aktionäre mit Füssen getreten», begründete Heitz seinen Entscheid.
Dominique Biedermann, Direktor der Aktionärsstiftung Ethos, wird an der Novartis-GV von kommender Woche verlangen, dass der Abgangs-Deal rückgängig gemacht wird: «Wir verlangen die Annullierung dieses Vertrags. Die versprochenen Millionen gehören der Gesellschaft und den Aktionären von Novartis», sagt Biedermann gegenüber der «NZZ am Sonntag» (Artikel online nicht verfügbar).
Vasella hatte am Freitag bestätigt, dass er in den nächsten sechs Jahren je 12 Millionen Franken erhalten werde, falls er während dieser Zeit für Novartis und nicht für Konkurrenten arbeite. Die Reaktionen auf die Nachricht fielen heftig aus: Der Economiesuisse-Präsident Rudolf Wehrli zeigte sich «zutiefst empört» über die Höhe der Entschädigung. Er habe dafür überhaupt kein Verständnis. Bundesrat Johann Schneider-Ammann sprach von einer «unschönen Situation».
Die Gegner der Abzockerinitiative, unter anderem Economiesuisse, fürchten nun, dass Unentschlossene wegen Vasellas 72-Millionen-Abfindung noch ins Ja-Lager kippen könnten. Rudolf Wehrli befand, es sei sehr schwierig zu sagen, ob der Gegenvorschlag zur Abzockerinitiative jetzt noch eine Chance an der Urne habe.
Führte Vasella das Volk in die Irre?
Wie die Zeitung «Der Sonntag» berichtet, bestritt Vasella am 23. Januar noch in einem Fernsehinterview, dass er für sein Konkurrenzverbot eine jährliche Millionenzahlung erhält. Und dies, obwohl er schon damals wusste, dass er 72 Millionen Franken erhält. «Das ist für mich wirklich stossend, eine klare Entgleisung», sagt Hans Hess, Präsident des mächtigen Branchenverbandes Swissmem, der zusammen mit Vasella im Vorstandsausschuss des Unternehmensdachverbandes Economiesuisse sitzt.
Bei Economiesuisse weiss man, dass die Abstimmung kaum mehr zu gewinnen ist. «Wir waren uns seit längerem bewusst, dass die Ausgangslage schwierig ist», sagt Direktor Pascal Gentinetta. «Mit der Nachricht über Vasellas schwer vorstellbare Millionenabfindung wurde unsere Kampagne sicher nicht erleichtert.» Thomas Geiser, St. Galler Professor für Arbeitsrecht, hält den Vertrag für illegal, weil die Entschädigung in keinem Verhältnis zur Leistung stehe.
(fko/ses/mw)
Erstellt: 16.02.2013, 23:46 Uhr
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119 Kommentare
Nur so geht es, dem Verwaltungsrat die Décharge verweigern. Dieser hat das Paket von Vasella ja abgesegnet und steht voll in der Verantwortung. Es müssten eben nicht nur Ethos und Actares diese verweigern, sondern auch alle Pensionskassen, die ja schliesslich "unser" Geld dort investieren. Nur so kann man den Verwaltungsrat zum Umdenken zwingen ! Antworten
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