Alpiq: Bis eine Milliarde mehr Kapital

Der hoch verschuldete Energiekonzern prüft eine Kapitalerhöhung, die der Verwaltungsrat nächste Woche diskutieren soll. Alpiq leidet auch daran, dass 2009 bei der Fusion fast 1,8 Milliarden abflossen.

Alpiq braucht eine Kapitalinfusion: Turbinenhalle des Wasserkraftwerks Gösgen.

Alpiq braucht eine Kapitalinfusion: Turbinenhalle des Wasserkraftwerks Gösgen. Bild: Keystone

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Die Vorarbeiten für eine Erhöhung des Aktienkapitals sind weit gediehen. Es gibt einen Antrag der Geschäftsleitung, Alpiq (ALPIQ HOLDING AG NAM.SF10 92 -1.08%) bis zu einer Milliarde Franken zusätzliches Kapital zuzuführen. Der Verwaltungsrat soll den Vorschlag an seiner Sitzung nächste Woche diskutieren. Ein Entscheid soll spätestens vor Bekanntgabe des Jahresergebnisses 2012 fallen, die für März angekündigt ist. Dies hat der TA aus mehreren Quellen erfahren.

Diskutiert werden verschiedene Varianten, die eine Milliarde Franken neues Kapital sei die Obergrenze, heisst es. Alpiq will sich nicht äussern: «Spekulationen über die geplanten strategischen, finanziellen und strukturellen Massnahmen kommentieren wir nicht», sagte ein Sprecher.

Abschreiber in Milliardenhöhe

Die Geschäftsleitung strebt seit einiger Zeit eine Kapitalerhöhung an. Das Gros der Aktionäre – Energieversorger der öffentlichen Hand aus der Westschweiz, dem Raum Basel und Solothurn sowie die französische EDF – sträubten sich jedoch, weil die Massnahme ihren Eigentümern schwer verkäuflich ist.

Nun zeigt sich, dass die als Ausweg vor Jahresfrist gestartete Verschlankung harzt und die geplanten Verkäufe von Firmenteilen in halb Europa bisher zu wenig einbringen, um den in Boomzeiten aufgebauten Schuldenberg wie angekündigt um 1,5 bis 2 Milliarden Franken zu reduzieren.

Hinzu kommt, dass Alpiq letzten Monat wegen der schlechteren Preisentwicklung als erwartet «weitere Wertberichtigungen» mit einer «signifikanten Auswirkung» auf das Ergebnis von 2012 ankündigte. Es gehe um erneute Abschreiber auf Anlagen, Projekten und Langfristverträgen, die bis zu einer Milliarde Franken ausmachen könnten, heisst es im Umfeld von Alpiq. Dabei musste der Konzern 2011 schon einmal den Wert seiner Aktiven um 1,7 Milliarden Franken nach unten korrigieren.

Rating hat sich verschlechtert

Abschreiber und schwer verkäufliche Beteiligungen sind das Eine. Alpiq habe die Nettoverschuldung im 2012 «um mehr als 15 Prozent gesenkt», so ein Sprecher. Der Schuldenpegel ist gesunken. Dennoch wird es eng für Alpiq, da auch die Erträge stark eingebrochen sind. Darum lag das Verhältnis zwischen Nettoschulden und Betriebsgewinn (Ebitda) Ende Juni beim Faktor 4,1 – also gleich hoch wie Ende 2011. Laut Alpiq sollte der Verschuldungsgrad den Faktor 3 nicht überschreiten, sondern mittelfristig im Bereich von 2 bis 2,5 liegen.

Der hohe Verschuldungsgrad ist ein Hauptgrund, warum sich Alpiqs Bonitätsnote verschlechtert hat. Credit Suisse etwa senkte Ende August das Rating für Alpiq von einem hohen A um mehrere Stufen auf ein tiefes A mit negativem Ausblick herab. Mit der Begründung, die Kreditwürdigkeit von Energiefirmen habe wegen der tiefen Strompreise gelitten. Das von der UBS verliehene Alpiq-Rating liegt bei A- negativ, die ZKB vergibt die schwächere Note A- stabil, Vontobel gar ein BBB+ stabil. Wobei die CS warnt, für ihr aktuelles Rating seien Alpiqs Krediteckwerte «ungenügend». Das Rating könnte also weiter sinken.

Die Banken seien bisher im Rating zu nachsichtig mit Energiekonzernen gewesen, sagt ein Kreditspezialist, weil sie lange davon ausgingen, dass Alpiq oder Axpo ähnlich wie Post, SBB, Swisscom oder Cablecom zu gross seien, als dass der Bund sie fallen lassen könne. Sie alle seien darum im Bericht der Kommission «Too big to fail» erwähnt gewesen. Im Grund verdiene Alpiq bloss noch die Note BBB, sagt der Kreditspezialist. Was gefährlich nahe an den Status spekulativer Schrottpapiere herankommt, welche viele Versicherungen und Pensionskassen als Anlagen meiden.

Alpiq leidet unter Geburtsfehler

Verschlechtert sich das Rating, verteuert dies die Refinanzierung und die Neuverschuldung. Das ist ungünstig, da Alpiq 2013 Obligationen für 300 Millionen Franken ablösen muss, im Jahr darauf für eine halbe Milliarde und 2015 ebenso. Hinzu kommen Investitionen, beispielsweise in Grossprojekte wie etwa das Pumpspeicherwerk Nant de Drance, wo Alpiq unlängst 15 Prozent verkaufte, um ihre Investitionslast um 300 Millionen Franken zu reduzieren – für Branchenkenner ein Alarmzeichen.

Zusätzlich leidet Alpiq an einem Geburtsfehler. Viele Fusionen werden ohne Kredite via Aktientausch abgewickelt, so wie jüngst der Deal Glencore-Xstrata. Doch der Oltner Atel war die Fusion mit der Westschweizer EOS anscheinend so wichtig, dass sie dem Fusionsprodukt Alpiq einen finanziellen Aderlass ohnegleichen zumutete. EOS erhielt als Entgelt für eingebrachte Aktiven neben 4,5 Millionen Alpiq-Aktien fast 1,8 Milliarden Franken Cash. Wäre diese Summe, die über Kredite finanziert wurde, 2009 nicht an EOS abgeflossen, die Westschweizer Stromversorgern gehört, dann wären Notverkäufe und Kapitalerhöhung heute kaum ein Thema.

Kapital soll Spielraum schaffen

Die diskutierte Kapitalerhöhung soll Alpiq nun den nötigen Spielraum verschaffen, um den Verkauf von Firmenteilen über einen längeren Zeitraum zu besseren Preisen abzuwickeln und gleichzeitig in Bauprojekte sowie in Wachstumsfelder wie die Versorgung von Elektromobilen zu investieren. Ausser EDF, die 25 Prozent an Alpiq besitzt, seien keine wichtigen Aktionäre grundsätzlich gegen eine Kapitalerhöhung, heisst es.

Für Verkäufe ist der Zeitpunkt äusserst ungünstig. In Europa stehen für 500 Milliarden Franken Energieaktiven zum Verkauf. Bereits verschoben hat Alpiq darum den Verkauf der Sparte Energieerzeugungs- und Anlagentechnik mit 2000 Mitarbeitenden, weil «zu einem angemessenen Preis kein Käufer» zu finden war. Alpiq will in Tschechien zwei Kohlekraftwerke abstossen. Zum Verkauf steht offenbar auch ein für Hunderte von Millionen Franken gebautes riesiges Gaskraftwerk in Ungarn. Weniger Zeitnot soll die Verluste der Verschlankung von Alpiq reduzieren. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 06.12.2012, 07:56 Uhr)

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